Steven Allan Spielberg ( 18. Dezember 1946 in Cincinnati, Ohio) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent, der als Erfinder des modernen Blockbusters gilt und gleichzeitig mit Schindlers Liste und Schindler's List* zu den moralisch ernst zu nehmenden Erzählern Hollywoods zählt.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Geboren: 18. Dezember 1946, Cincinnati, Ohio, USA · Nationalität: Amerikanisch
Biografie
Steven Spielberg wuchs in einer jüdischen Familie in Phoenix und später Saratoga, Kalifornien, auf. Als Jugendlicher drehte er Super-8-Filme und ergaunerte sich einen Platz bei den Universal Studios. Ohne formales Filmstudium (er studierte Englisch an der Cal State Long Beach) wurde er durch Kurzfilme auf Studiochefs aufmerksam und bekam erste Fernsehaufträge, darunter den Duel (1971), der im Fernsehen uraufgeführt wurde.
Jaws (1975) war der erste Film, der die Vorstellung des modernen Blockbusters definierte: ein Event-Film, der auf nationaler Saturation-Werbung beruhte und Rekordeinnahmen am Startwochenende erzielte. Close Encounters of the Third Kind (1977), Raiders of the Lost Ark (dt. Jäger des verlorenen Schatzes, 1981) und E.T. the Extra-Terrestrial (dt. E.T. – Der Außerirdische, 1982) folgten und begründeten einen neuen Hollywoodtypus. 1993 drehte er im selben Jahr Jurassic Park und Schindlers Liste – ein Paar, das seine kommerzielle und seine ernsthafte Seite zugleich repräsentiert. Schindlers Liste gewann sieben Oscars, darunter bester Film und beste Regie. 1998 folgte Saving Private Ryan (dt. Der Soldat James Ryan), das mit seiner D-Day-Eröffnungssequenz die filmische Darstellung des Zweiten Weltkriegs veränderte.
Stil & Themen
Spielberg ist ein Meister des Point-of-View-Schnitts: Er erzählt Geschichten aus der Perspektive seiner Figuren, oft aus Kinderperspektive, und erzeugt so maximale emotionale Identifikation. Sein bevorzugtes Werkzeug ist der Schnitt auf ein reagierendes Gesicht – die Reaktion auf ein Wunder oder einen Schrecken –, der das Publikum emotional in die Szene zieht.
Thematisch verbindet sein Werk die Suche nach dem Vater oder einer väterlichen Instanz (persönlich begründet durch die Trennung seiner Eltern), die Entdeckung von Wunder und Bedrohung in der Normalität des Suburbs und, im ernsthafteren Spätwerk, die moralische Verantwortung angesichts historischer Gewalt. Der Holocaust, der Zweite Weltkrieg und strukturelle Ungerechtigkeit sind die Themen, in denen Spielberg seine gesellschaftliche Verantwortung als Filmemacher am direktesten formuliert.
Wichtige Filme
- Jaws (Der weiße Hai, 1975) – Menschenfressender Hai terrorisiert eine Küstenstadt; erster moderner Blockbuster; technische Meisterleistung (der mechanische Hai funktionierte kaum; Spielberg nutzte Abwesenheit klug).
- E.T. the Extra-Terrestrial (E.T. – Der Außerirdische, 1982) – Junge befreundet sich mit Alien; emotionale Direktheit und Kindlichkeit als Stärke; bis heute eines der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.
- Schindlers Liste (Schindler's List, 1993) – Oskar Schindler rettet über tausend Juden während des Holocaust; in schwarz-weiß gedreht; bestes Bild Oscar; eines der wichtigsten Filme über den Holocaust.
- Saving Private Ryan (Der Soldat James Ryan, 1998) – D-Day-Eröffnungssequenz redefinierte Kriegsfilmästhetik; semi-dokumentarische Handkamera als Stilmittel; Oscars für Regie.
- Lincoln (2012) – Daniel Day-Lewis als Abraham Lincoln während der Abstimmung zur 13. Verfassungszusatz; Kammerspiel über politische Verhandlung und moralische Größe.
Einfluss & Bedeutung
Spielberg erfand die Kultur des Sommer-Blockbusters und veränderte damit die Ökonomie und den Rhythmus des Filmgeschäfts fundamental. Die Konzentration von Marketing auf Startwochen, der Einsatz von Merchandise und das Konzept des „Event-Films" gehen auf Jaws und Star Wars zurück. Seine Narrative-Techniken – Empathie durch Kindperspektive, Wunder in der Normalität, emotionaler Schnitt – sind zu Standards des populären Kinos geworden. Jurassic Park etablierte CGI als primäres Werkzeug für Spezialeffekte. Gleichzeitig etablierte er mit der Shoah Foundation (gegründet 1994) ein monumentales Archiv von über 55.000 Holocaust-Überlebendeninterviews.
Vergleich & Abgrenzung
Spielberg und Stanley Kubrick berührten sich einmal direkt: Kubricks A.I. Artificial Intelligence wurde nach Kubricks Tod von Spielberg vollendet (2001). Beider Umgang mit dem Film ist paradigmatisch unterschiedlich: Kubrick kalt und distanziert, Spielberg warm und empathisch. Verglichen mit George Lucas, seinem Freund und Weggefährten, ist Spielberg der emotionale Erzähler, Lucas eher der Techniker und Weltenbauer. Robert Zemeckis, sein Schüler, adaptierte Spielbergs emotionale Direktheit für kommerzielle Projekte.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Spielberg wegen seiner kommerziellen Erfolge weniger ernst zu nehmen? Diese Debatte begleitet Spielberg seit den 1970er Jahren. Kritiker wie Pauline Kael warfen ihm vor, Emotionen zu manipulieren und komplexe Themen zu vereinfachen. Die ernsthafte Filmwissenschaft hat sich in den letzten Jahren mehr dafür geöffnet, dass populäres Kino und künstlerische Qualität keine Gegensätze sind: Schindlers Liste und Saving Private Ryan zeigen, dass Spielbergs Mittel auch für schwerste Themen geeignet sind. Die Spannung zwischen Zugänglichkeit und Tiefe bleibt ein legitimes kritisches Thema.
Welche Bedeutung hat die Shoah Foundation für das kulturelle Erbe? Die USC Shoah Foundation, die Spielberg 1994 mit den Erlösen aus Schindlers Liste gründete, hat über 55.000 Videointerviews mit Holocaust-Überlebenden aus über 56 Ländern gesammelt. Das Archiv ist heute an der University of Southern California zugänglich und gilt als das größte seiner Art weltweit. Es sichert Zeugnisse, die mit dem Tod der letzten Zeitzeugen sonst verloren gingen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Monaco, James (2009): Film verstehen. Rowohlt, Reinbek. S. 535–555.
- Katz, Ephraim (2012): The Film Encyclopedia. Harper Collins, New York. Eintrag: Spielberg.
- McBride, Joseph (1997): Steven Spielberg: A Biography. Simon & Schuster, New York.
- Biskind, Peter (1998): Easy Riders, Raging Bulls. Simon & Schuster, New York.
- Buckland, Warren (2006): Directed by Steven Spielberg: Poetics of the Contemporary Hollywood Blockbuster. Continuum, New York.
