Presets sind gespeicherte Sätze von Bearbeitungseinstellungen in Bildbearbeitungsprogrammen, während LUTs (Look-Up Tables) mathematische Farbtransformations-Tabellen sind – beide werden verwendet, um einen konsistenten visuellen Stil auf Fotos anzuwenden.
Was sind Presets und LUTs?
Preset (englisch: voreingestellt) bezeichnet in der Fotografie eine gespeicherte Kombination von Entwicklungsparametern, die mit einem Klick auf ein Bild angewendet wird. Lightroom-Presets sind die bekannteste Form: Sie speichern alle Regler (Belichtung, Kontrast, Farbe, Detailschärfe usw.) und ermöglichen die konsistente Bearbeitung ganzer Fotoserien.
LUT (Look-Up Table) ist ein tabellarisches Farbtransformations-Werkzeug, das jedem Eingabe-RGB-Wert einen definierten Ausgabe-RGB-Wert zuweist. LUTs kommen ursprünglich aus der Filmproduktion und Color Grading, werden aber zunehmend auch in der Fotografie eingesetzt. In Photoshop werden sie über Bild > Korrekturen > Farbtabelle nachschlagen angewendet.
Erklärung
Lightroom Presets im Detail
Dateiformat: .xmp (Metadaten-Datei, XML-basiert) oder älteres .lrtemplate Speicherort: Mac: /Users/[Name]/Library/Application Support/Adobe/Lightroom/Develop Presets/
Typen nach Umfang:
- Global-Presets: Verändern alle Entwicklungsparameter
- Partial-Presets: Verändern nur bestimmte Parametergruppen (z. B. nur Farbton, nur Tonkurve)
- Preset-Stacks: Mehrere Partial-Presets werden kombiniert
Erstellen eines eigenen Presets:
- Bild in Lightroom entwickeln
- Rechtsklick auf Preset-Bereich → Preset erstellen
- Nur relevante Parametergruppen einbeziehen (Checkboxen)
- Im Preset-Ordner speichern
Presets von Drittanbietern: Große Preset-Packs (z. B. VSCO Presets, Mastin Labs, Tribe Archipelago) emulieren Film-Emulsionen und Looks. VSCO (Visual Supply Company, gegründet 2011) war Pionier der hochwertigen Film-Emulations-Presets. Mastin Labs spezialisiert sich seit 2013 auf analogtreue Preset-Pakete.
LUTs im Detail
Dateiformat: .cube (Adobe-Standard), .3dl, .look Dimensionen: 1D-LUT (nur Tonwert-Kurven) oder 3D-LUT (vollständige RGB-Farbmanipulation, deutlich präziser)
LUTs in Photoshop: Bild > Korrekturen > Farbtabelle nachschlagen
- Verschiedene LUT-Pakete wählbar (inklusive Film-Stocks und cineastische Looks)
- Als Einstellungsebene anwendbar (nicht-destruktiv)
LUTs in Lightroom: Lightroom Classic unterstützt LUTs nativ nicht ohne Plugin. Alternative: LUTs über Kamera Kalibrierung oder via Preset-Erstellung einbinden.
Technischer Unterschied Preset vs. LUT:
| Preset | 3D-LUT | |
|---|---|---|
| Flexibilität | Editierbar (Einzelregler) | Fix, nur Intensität anpassbar |
| Präzision | Mittel–Hoch | Sehr hoch |
| Anwendung | Lightroom, Camera RAW | Photoshop, DaVinci, Premiere |
| Dateigröße | Klein (<5 KB) | Klein–Mittel (500 KB .cube) |
Film-Emulations
Ein wichtiger Anwendungsbereich von Presets und LUTs ist die Emulation analoger Filmemulsionen:
- Kodak Portra 400: Warme Hauttöne, gedämpfte Sättigung, grüner Schatten-Tint
- Fujifilm Velvia: Gesättigte Farben, hoher Kontrast, perfekt für Landschaft
- Ilford HP5 (SW): Körnig, hoher Kontrast mit guten Mitteltönen
VSCO, Mastin Labs und RNI (Really Nice Images) gelten als Marktführer für Film-Emulations-Presets.
Beispiele
Konsistente Hochzeitsbildserie
Photographer hat seinen persönlichen Look als Preset definiert (helle, warme, leicht entsättigte Hauttöne). Nach dem Shooting: Batch-Anwendung auf 400+ Bilder via Batch-Verarbeitung in Lightroom & Photoshop → konsistente Galerie in 30 Minuten.
Cineastischer Look für Portrait-Serie
LUT aus DaVinci Resolve exportiert (.cube) → in Photoshop als Einstellungsebene angewendet → Intensität via Deckkraft der Ebene reduziert → individuell per Maske auf Hintergrund beschränkt.
Eigenen Preset aus erfolgreichem Edit extrahieren
Gut funktionierendes Bearbeitungsergebnis → als Partial-Preset nur für Farbton/Sättigung speichern → fortan als Ausgangsbasis für ähnliche Lichtsituationen verwenden.
In der Praxis
Presets und LUTs sind Ausgangspunkte, keine fertigen Ergebnisse. Ein professioneller Workflow:
- Preset/LUT als Basis anwenden
- Für jedes Bild individuelle Belichtungskorrekturen vornehmen
- Hauttöne und Schatten kontrollieren
Preset-Kauf-Empfehlung: Presets mit Vorher-/Nachher-Ansicht testen; Camera Matching-Presets für spezifische Kameraprofile (Fujifilm X-Trans vs. Sony vs. Nikon) wählen.
Eigene Presets entwickeln: Der eigene visuelle Stil entsteht durch jahrelange Bildbearbeitung. Anfänger neigen dazu, zu viele fremde Presets einzusetzen; Profis erkennen sich an ihrem wiedererkennbaren Look aus eigener Entwicklung.
Vergleich & Abgrenzung
| Ansatz | Kontrolle | Reproduzierbarkeit | Integration |
|---|---|---|---|
| Eigener Preset | Hoch | Sehr hoch | Lightroom |
| Fremder Premium-Preset | Mittel | Hoch | Lightroom |
| 3D-LUT | Niedrig (fix) | Sehr hoch | Photoshop, Premiere, DaVinci |
| Manueller Farbkorrektur-Workflow in Photoshop | Sehr hoch | Mittel | Universal |
Häufige Fragen (FAQ)
Sind Lightroom-Presets auf Camera RAW übertragbar? Ja, Lightroom 2019+ und Camera RAW teilen dasselbe .xmp-Format. Presets lassen sich wechselseitig verwenden.
Kann ich LUTs für Druckausgabe nutzen? Ja, aber LUTs werden meist für Bildschirm-Ausgabe (Web, Video) erstellt. Für Druckvorbereitung ist Druckvorbereitung für Fotografien mit ICC-Profil-basiertem Softproof der korrekte Weg.
Verliere ich Qualität durch Presets? Presets verändern die Bearbeitungsparameter, nicht die Rohdaten. Bei RAW-Dateien ist kein Qualitätsverlust möglich. Bei JPEG-Bearbeitung entsteht Qualitätsverlust bei erneutem Speichern.
Wie erstelle ich einen LUT aus meinem Lightroom-Edit? Mit dem Plugin Dehancer oder Lutify.me lassen sich Lightroom-Entwicklungseinstellungen in .cube-LUTs exportieren.
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Weiterführend
- Westfall, Pat (2022): Color Grading with DaVinci Resolve. Rocky Nook.
- VSCO (2024): Film-Emulations für Lightroom. vsco.co
- Mastin Labs (2024): Lightroom Presets für Filmemulation. mastinlabs.com
- Adobe Help Center (2024): Farbkorrekturen mit Farbtabellen. helpx.adobe.com/de
