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Blitzeinsatz bei Events bezeichnet die Nutzung von Aufsteck- oder Systemblitzen bei Veranstaltungsfotografie, um in dunklen Umgebungen ausreichend Licht zu erzeugen – mit dem Ziel, natürlich wirkende Bilder zu schaffen, die das Ambiente der Veranstaltung erhalten.

Rubrik: Fotografie · Unterrubrik: Event & Konzert · Niveau: Einsteiger

Was ist Blitzeinsatz bei Events?

Blitze sind bei Konzerten im Fotograben in der Regel verboten. Bei vielen anderen Event-Typen – Hochzeiten, Corporate Events, Galas, Partys, Konferenzen – sind sie jedoch das wichtigste Lichtinstrument des Fotografen. Der korrekte Blitzeinsatz entscheidet darüber, ob Bilder natürlich und atmosphärisch wirken oder ob sie das typische „Blitzfoto-Look" haben: harter Schattenwurf, ausgebrannter Vordergrund, dunkler Hintergrund.

Erklärung

Direkt vs. Bounce

Direktblitz: Blitz direkt auf das Motiv gerichtet. Erzeugt hartes, unschmeichelhaftes Licht mit Schatten hinter dem Motiv und ausgebrannten Gesichtern. Nur in Notfällen empfehlenswert; wirkt unprofessionell.

Bounce-Technik (Indirektblitz): Der Blitz wird gegen die Decke oder eine helle Wand gerichtet. Das Licht wird reflektiert und trifft als große, weiche Lichtquelle auf das Motiv. Ergebnis: natürlich wirkendes, schattenarmes Licht ohne harte Kontraste.

Voraussetzungen für Bounce:

  • Helle Decke (weiß oder hell beige) in erreichbarer Höhe (max. 3–4 m ideal)
  • Ausreichend Blitzleistung (hohe Leitzahl notwendig)
  • Weißabgleich beachten: farbige Decken/Wände übertragen ihren Farbton auf das Bild

Bei farbigen Decken hilft das FlatCap-System oder eine weiße Rückreflektionskarte am Blitz, die einen Teil des Lichts direkt nach vorn umlenkt (1/4 direkt, 3/4 Bounce).

Diffusor

Soft-Boxen und Diffusoren werden direkt auf den Aufsteckblitz montiert:

  • Mini-Softbox (z. B. Lastolite EZYBOX): Erzeugt weiches Licht direkt am Blitz; sperrig
  • Sphere-Diffusor (z. B. Gary Fong Lightsphere): Runder Diffusor, der Licht in alle Richtungen streut; vielseitig, aber Lichtverlust
  • Snoot: Konzentriert das Blitzlicht auf einen engen Bereich; für gezielte Beleuchtung

TTL vs. manuell

TTL (Through-the-Lens): Die Kamera misst die Szene vor dem Blitz und stellt die Blitzstärke automatisch ein. TTL ist besonders bei wechselnden Distanzen und Lichtverhältnissen hilfreich – z. B. beim Bewegen durch eine Hochzeits-Locations. Der Nachteil: TTL kann bei schwierigen Situationen (dunkle Kleidung, sehr helle Hintergründe) falsch messen.

Manuelle Blitzsteuerung: Der Fotograf stellt die Blitzstärke (z. B. 1/4 oder 1/8 Leistung) selbst ein. Präziser und konsistenter; erfordert mehr Erfahrung und Testing.

Slow-Sync-Flash (Langzeitsynchronisation)

Slow-Sync kombiniert Blitz mit langer Verschlusszeit:

  • Das Blitzlicht belichtet das Hauptmotiv scharf
  • Die lange Verschlusszeit belichtet den Hintergrund (Ambiente, Bühnenlicht, Stadtlichter)
  • Ergebnis: Scharfes Motiv vor einem belichteten, stimmungsvollen Hintergrund

Zwei Modi:

  • 1st Curtain (Vorderhangensynchronisation): Blitz zuerst, Bewegungsunschärfe dann
  • 2nd Curtain (Hinterhangensynchronisation): Umgebung belichtet zuerst, Blitz fixiert das Motiv zum Schluss – natürlicheres Ergebnis bei bewegten Motiven

Typische Einstellungen für Slow-Sync bei Party/Hochzeit:

  • Verschlusszeit: 1/30 s – 1/60 s
  • Blende: f/4 – f/5.6
  • ISO: 800–1600

Off-Camera-Blitz

Für professionelleres Licht können ein oder mehrere Blitze separat aufgestellt und drahtlos ausgelöst werden:

  • Godox-System: Günstige und zuverlässige Funkkontrollgeräte
  • Profoto-System: Profi-Standard, teurer, robuster

Off-Camera-Blitz ermöglicht Seitenlicht, Rim-Light und kreative Bildgestaltung, erfordert aber mehr Aufbauzeit.

Beispiele

Hochzeitsfeier in einem dunklen Festsaal:

  • Aufsteckblitz (z. B. Godox V1) mit Bounce zur weißen Decke
  • TTL-Steuerung mit -0,7 EV Korrektur (leicht unterbelichtet für natürlichere Wirkung)
  • Verschlusszeit 1/80 s für leichte Ambiente-Wirkung des Saals

Party-Fotografie bei Nacht:

  • Slow-Sync 2nd Curtain, 1/30 s, f/4, ISO 1600
  • Hintergrund: Tanzfläche mit farbigen LEDs sichtbar
  • Blitz fixiert die tanzenden Personen

In der Praxis

Vor dem Event sollte der Blitz getestet werden. Blitz-Einstellungen am Anfang einer Veranstaltung überprüfen (Testshots in der Veranstaltungslocation), da Deckenhöhe und Raumfarbe stark variieren. Ein frischer Akku im Blitz ist essentiell – leere Akkus verlängern die Aufladezeit des Blitzes und führen zu verpassten Momenten.

Vergleich & Abgrenzung

Bei Konzerten im Fotograben ist Blitzeinsatz fast immer verboten. Bei Corporate Events, Hochzeiten und Galas ist er hingegen Standard. Das Wissen, wann und wie man den Blitz einsetzt – und wann man es lässt – unterscheidet den erfahrenen Eventfotografen vom Einsteiger.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum wirken meine Blitzfotos so unnatürlich? Wahrscheinlich Direktblitz ohne Bounce oder Diffusor. Blitz zur Decke richten und Slow-Sync ausprobieren.

Welcher Aufsteckblitz ist für Events zu empfehlen? Godox V1 (Systemblitz für alle großen Kameramarken, günstiger Preis, gute Leistung) ist ein häufiger Einsteigertipp. Profis greifen zu Metz, Nikon SB, Canon Speedlite oder Profoto A-Serie.

Kann ich den internen Kamerablitz für Events nutzen? Für Notfälle ja, aber der interne Blitz ist zu schwach, zu direkt und nicht kippbar. In der professionellen Eventfotografie nicht empfehlenswert.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kelby, Scott (2019): The Flash Book. San Francisco: Rocky Nook.
  • Strobist (David Hobby) (2006–2024): Lighting 101 und Lighting 102. Online: strobist.com.
  • Harnischmacher, Cyrill (2018): Blitzfotografie – Professionell beleuchten. Heidelberg: dpunkt.verlag.
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