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Immobilienfotografie ist ein Teilbereich der Architekturfotografie, der Innen- und Außenräume von Wohn- und Gewerbeimmobilien für Verkaufslisten, Vermietungsangebote, Makler-Websites und Immobilienmarketing dokumentiert.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Fotografie-Gattungen · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: Real Estate Photography, Wohnungsfotografie, Makler-Fotografie, Interior Photography (im Immobilienkontext)


Was ist Immobilienfotografie?

Immobilienfotografie zielt darauf ab, Räume so vorteilhaft wie möglich darzustellen, um potenzielle Käufer oder Mieter anzusprechen. Sie unterscheidet sich von der künstlerischen Interieur-Fotografie durch ihren klaren kommerziellen Zweck: Die Aufnahmen müssen Fläche, Proportionen und Stimmung eines Raums kommunizieren und gleichzeitig auf kleinen Bildschirmen (Immobilienportale auf dem Smartphone) sofort wirken.

Die Nachfrage in Deutschland ist durch die Digitalisierung des Immobilienmarkts stark gewachsen. Portale wie ImmobilienScout24, Immowelt und Kleinanzeigen verlangen hochwertige Bilder als Standard; Makler-Büros beauftragen Fotografen für professionelle Aufnahmen. Parallel boomt der Bereich virtuelle Touren und 360°-Fotografie.


Besonderheiten: Licht, Timing, Equipment, Herausforderungen

Das Fenster-Problem: Mixing von Innen- und Außenlicht

Die größte Herausforderung der Immobilienfotografie ist das Hochkontrastproblem: Innenräume sind dunkler als das Fenster. Belichtet man auf den Innenraum, verbrennt das Fenster aus; belichtet man auf das Fenster, ist der Raum zu dunkel.

Lösungsansätze:

  1. HDR (High Dynamic Range): Bracketing mit 3–7 Aufnahmen (meist –2, 0, +2 EV), Zusammenführung in Lightroom, Photomatix oder Flambient-Workflow.
  2. Flambient-Technik: Kombination aus Ambient-Aufnahme (nur vorhandenes Licht, Fenster korrekt belichtet) und Blitz-Aufnahme (Innenraum durch Blitz aufgehellt). Übereinanderlegen in Photoshop per Masking.
  3. Window Pull: Separate Aufnahme des Ausblicks durch das Fenster und Einmontage in den Innenraum-Blitz-Shot.

Timing: Blaue Stunde und Goldene Stunde

Für Außenaufnahmen gilt die blaue Stunde (ca. 20–40 Minuten nach Sonnenuntergang) als ideal: Das Außenlicht passt natürlich zum warmem Innenlicht; Innen- und Außenbelichtung sind ausgeglichen. Für Tageslicht-Außenaufnahmen funktioniert leicht bewölktes Wetter am besten (kein Schattenwurf auf Fassaden).

Equipment

AusrüstungEmpfehlung
KameraVollformat für maximalen Dynamikumfang
Weitwinkelobjektiv16–35 mm f/4 (Standardobjektiv der Gattung)
Tilt-Shift-Objektiv17 mm oder 24 mm TS-E/PC-E (stürzende Linien korrigieren ohne Nachbearbeitung)
StativStabil, mit Wasserwaage; unverzichtbar für Langzeitbelichtung und HDR-Bracketing
Blitz/Aufheller2–3 Kompaktblitze (Godox AD200, 200 Ws) mit Stative und Diffusoren
Farbkorrektur-KarteX-Rite ColorChecker für konsistenten Weißabgleich
SoftwareLightroom + Photoshop (Masking/Flambient), Photomatix (HDR)
DrohneDJI Mavic 3 oder Air 3 für Außen-/Luftaufnahmen (optional)

Einstellung: Immer Stativ, Selbstauslöser oder Fernauslöser ISO so niedrig wie möglich (100–200), Blende f/7.1–f/11 für maximale Tiefenschärfe im Raum, Belichtungszeit variabel je nach Lichtmenge.

Stürzende Linien und Korrekturen

Weitwinkelobjektive erzeugen stürzende Linien (Wände laufen nach oben zusammen). Lösung:

  • Kamera exakt waagerecht und auf Brusthöhe (nicht nach oben geneigt) ausrichten.
  • Nachbearbeitung in Lightroom (Geometry > Level/Vertical) oder Photoshop.
  • Tilt-Shift-Objektiv verhindert das Problem optisch ohne Digitalkorrektur.

Beispiele: 5 konkrete Aufnahmen mit Kamera-Settings

  1. Wohnzimmer, Flambient-Technik

Canon EOS R5 · 16 mm f/9 · Stativ · Ambient: 1/15 s ISO 200 + Blitz-Shot: 1/160 s ISO 200 Godox AD200 × 2 Raum gleichmäßig ausgeleuchtet, Fensterausblick korrekt belichtet, keine Überbelichtung.

  1. Küche, Tageslicht + ein Blitz

Sony A7R V · 24 mm f/8 · Stativ · 1/60 s · ISO 200 · ein Aufhellblitz auf Küchenschrank gerichtet Alle Schränke und Arbeitsflächen gut sichtbar, natürliche Atmosphäre.

  1. Außenansicht Einfamilienhaus, blaue Stunde

Nikon Z7 II · 24 mm f/8 · Stativ · 2 s · ISO 100 Warmgelbes Innenlicht durch Fenster, tiefblauer Himmel im Hintergrund, kein Ausbleichen.

  1. Schlafzimmer, Weitwinkel mit Tiefe

Canon EOS R8 · 16 mm f/9 · Stativ · 1/30 s ISO 400 · 2 Blitze hinter Kamera Raumtiefe durch Fluchtlinie des Bettes, gerade Linien durch korrekte Kameraposition.

  1. Drohnen-Außenansicht, Luftperspektive

DJI Mavic 3 (eingebaute Kamera) · f/2.8 äquiv. · 1/800 s · ISO 100 · 30 m Höhe Grundstück und Lage im Kontext der Umgebung erkennbar.


In der Praxis

Vorbereitung und Home Staging

Immobilienfotografie beginnt nicht mit der Kamera, sondern mit der Vorbereitung der Räume. Der Fotograf ist nicht verantwortlich für das Aufräumen, aber er oder sie sollte Makler und Eigentümer vorab briefen:

  • Alle Oberflächen frei
  • Persönliche Gegenstände und Dekorationsflut entfernen
  • Vorhänge öffnen, alle Lichter einschalten (auch Nachttischlampen für Atmosphäre)
  • Toilettendeckel schließen, Handtücher gerade hängen

Ablauf eines Shooting-Tages

  1. Außenaufnahmen bei Tageslicht (Fassade, Garten, Stellplatz)
  2. Innenaufnahmen Raum für Raum mit Stativ und HDR/Flambient
  3. Blaulichtstunde für atmosphärische Außenaufnahme
  4. Drohnenflug (wenn gebucht), früh morgens oder abends

Tarife

  • Wohnung bis 80 m² (bis 12 Aufnahmen): 150–300 €
  • Einfamilienhaus (bis 20 Aufnahmen inkl. Außen): 250–500 €
  • Luxusimmobilien und Gewerbeobjekte: ab 600 €
  • Drohnenaufnahmen (Zuschlag): 100–200 €
  • Virtuelle 3D-Tour (Matterport): ab 300 € zusätzlich

(Preise variieren stark regional; München/Hamburg deutlich über Bundesdurchschnitt.)


Vergleich & Abgrenzung

GattungAbgrenzung
ArchitekturfotografieStärkerer künstlerischer Anspruch, Bücher, Wettbewerbe, höhere Honorare
Interieur-Fotografie (Magazin)Styling durch Art Director, Stunden für ein Bild, für Hochglanzmagazine
DrohnenfotografieErgänzung, keine eigenständige Immobilienfotografie
Virtuelle Touren / 360°Andere Technologie (Ricoh Theta, Matterport), anderes Ziel

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich stürzende Linien immer korrigieren? In der Immobilienfotografie ist die Korrektur stürzender Linien Standard und Kundenerwartung. Schräg verlaufende Wände wirken unprofessionell und verfälschen die Proportionswahrnehmung. Ausnahme: sehr dynamische Architekturfotografie für Fachzeitschriften, wo bewusste Perspektive als Stilmittel eingesetzt wird.

Reicht ein Smartphone für Immobilienfotografie? Neuere Smartphones (iPhone 15 Pro, Samsung Galaxy S24 Ultra) liefern in guten Lichtverhältnissen brauchbare Aufnahmen, stoßen aber bei Gegenlicht/Fenster-Hochkontrast, Stürzende-Linien-Korrekturen und Abendaufnahmen an Grenzen. Für einfache Vermietungsinserate in mittlerem Preissegment mag ein Smartphone genügen; für professionellen Makler-Einsatz und Hochpreissegment ist dediziertes Equipment unumgänglich.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Larry Lohrman: Professional Real Estate Photography, Focal Press, 2012
  • Scott Hargis: Lighting Interiors: New Approaches for Photographers, Rocky Nook, 2010
  • Mike Kelley: Photographing Architecture, Rocky Nook, 2016
  • ImmobilienScout24: Qualitätsanforderungen Bildmaterial, Berlin 2022 (Online-Leitfaden)
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