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Produktfotografie für Hard Goods ist ein kommerzieller Zweig der Studiofotografie, der technische Gegenstände wie Elektronik, Werkzeuge und Maschinen für Kataloge, E-Commerce und Werbung optimal in Szene setzt.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Fotografie-Gattungen · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: Technische Produktfotografie, Hard-Good Photography, Katalogfotografie, E-Commerce-Fotografie, Industrieprodukt-Fotografie


Was ist Produktfotografie für Hard Goods?

Produktfotografie für Hard Goods bezeichnet die fotografische Darstellung fester, technischer Gegenstände, im Unterschied zu weichen Gütern (Textilien) oder verderblichen Waren (Food). Typische Motive sind Laptops, Smartphones, Küchenmaschinen, Werkzeuge, Industriekomponenten, Messgeräte oder ganze Maschinenanlagen.

Die Herausforderung liegt in der Materialvielfalt: Glänzende Metallflächen, spiegelnde Displays, matte Kunststoffoberflächen, Chrom-Elemente und strukturierte Gummidichtungen können in einem einzigen Produkt zusammentreffen. Jedes Material reagiert anders auf Licht, der Fotograf muss ein Setup finden, das alle Oberflächen gleichzeitig überzeugend darstellt.

Anwendungsfelder: Amazon-Produktbilder, Unternehmenskataloge, Bedienungsanleitungen, Pressemitteilungen, Messeauftritte, Online-Shops.


Besonderheiten: Licht, Timing, Equipment, Herausforderungen

Glanzoberflächen: Der Feind des Hobbyfotografen, die Disziplin des Profis

Spiegelnde Metall- und Chromflächen erzeugen Reflexionen von allem, was sich im Raum befindet, einschließlich der Kamera selbst. Die Lösung:

  • Zelt-Beleuchtung (Light Tent): Das Produkt wird in einen halbdurchsichtigen Würfel gestellt, der von außen beleuchtet wird. Das Zelt diffundiert das Licht gleichmäßig und verhindert direkten Spot.
  • Stripbanks und Reflected-Light-Techniques: Schmale Lichtquellen (Stripbox) werden so positioniert, dass sie sich im Produkt als kontrollierte Reflexions-Highlights abbilden.
  • Schwarze und weiße Gobos: Schwarze Pappen absorbieren unerwünschte Reflexionen; weiße Gobos fügen gewünschte Aufhellungen hinzu.

Displays und Screens

Smartphone- und Laptop-Displays erscheinen auf Fotos oft schwarz oder spiegelnd. Lösung:

  1. Compositing: Produktfoto + separater Screenshot werden in Photoshop zusammengeführt. Der Screen wird in der Dunkelkammer in den Blitz-Shot einmontiert.
  2. Niedrige Iso + lange Belichtung: Das Display leuchtet mit eigener Helligkeit, eine lange Belichtung bei abgedunkeltem Studio macht beides sichtbar.

Equipment

AusrüstungEmpfehlung
KameraMittelformat (Fujifilm GFX, Phase One) oder Vollformat mit hoher Auflösung
Objektiv100 mm Makro f/2.8 (Details), 90 mm Tilt-Shift (Fluchtlinien korrigieren)
Normalobjektiv50–90 mm f/5.6–f/11 (Produktgesamtansicht)
StativSchwerlast-Stativ mit Feinverstellung (Gitzo, Really Right Stuff)
AufnahmetischEndlospapier, Plexiglas, Acryl, Holz je nach Stil
Licht2–4 Kompaktblitze (Profoto B10, Broncolor Siros), Scrim-Rahmen
Blendef/8–f/16 (maximale Produktschärfe)
ISO100 (immer)
Belichtungszeit1/160 s (Synchronzeit mit Blitz)

Tethered Shooting

Professionelle Hard-Goods-Fotografie erfolgt fast immer tethered: die Kamera ist per USB-C oder Tether-Tools-Kabel mit dem Computer verbunden, Bilder werden sofort in Capture One oder Lightroom angezeigt. Der Kunde kann live am Bildschirm die Aufnahmen beurteilen, Änderungen werden direkt umgesetzt.


Beispiele: 5 konkrete Aufnahmen mit Kamera-Settings

  1. Laptop, dreiviertelperspektive, weißer Hintergrund

Canon EOS R5 · 90 mm f/11 · 1/160 s · ISO 100 · zwei Stripboxen seitlich + Bodenreflexion Display durch Compositing eingefügt, keine Reflexionen auf Gehäuse, freigestellter Hintergrund.

  1. Bohrmaschine, dramatisches Produkt-Lifestyle-Foto

Sony A7R V · 50 mm f/8 · 1/160 s · ISO 100 · Hauptlicht oben-vorne, schwarzer Hintergrund Harte Schlagschatten als dramatisches Element, Chrom-Akzente mit gezielten Highlights.

  1. Smartwatch, Makro-Detailaufnahme

Canon EOS R5 · 100 mm Makro f/5.6 · 1/200 s · ISO 100 · Ringlicht + Diffusor Zifferblatt-Textur und Metall-Gehäuse im Detail, keine Reflexion der Kamera sichtbar.

  1. Industrieventil, Schemadarstellung

Nikon Z7 II · 90 mm TS-E f/11 · 1/160 s · ISO 100 · 4 Blitze (vollständige Rundum-Beleuchtung) Technisch präzise, alle Details scharf (Tilt-Shift ermöglicht flache Schärfeebene über das gesamte Bauteil).

  1. Küchenmaschine, Ambient-Licht-Stil für Online-Shop

Fujifilm GFX 50R · 110 mm f/8 · 1/200 s · ISO 100 · weiße Light-Box 60×60 cm Klassischer E-Commerce-Stil: weißer Hintergrund, alle Seiten gleichmäßig beleuchtet.


In der Praxis

Ablauf eines Hard-Goods-Shootings

  1. Produktvorbereitung: Produkt reinigen (Fingerabdrücke, Staub) mit Mikrofasertuch und Druckluft; Schrauben und Fugen mit Wattestäbchen und Isopropanol säubern.
  2. Test-Setup: Erst ohne Produkt Licht optimieren (weiße Styropor-Box als Platzhalter).
  3. Tethered Live-View: Bildschirm für Kundenfreigabe einrichten.
  4. Serienschuss verschiedener Winkel: Front, dreiviertelvorne, Seite, Rücken, Detailaufnahmen.
  5. Retusche: Staubblinzel entfernen, Oberflächen perfektionieren, Hintergrund freistellen, Compositing (Display, Reflexionen).

Lieferformate für E-Commerce

  • Amazon: JPG, mind. 1.000 × 1.000 px auf weißem Hintergrund (#ffffff), Produkt füllt 85% des Frames.
  • Eigener Online-Shop: TIFF für Druck, JPG 2.000–4.000 px für Web.

Tarife

  • Einzelprodukt (3 Ansichten, freigestellt): 80–200 €
  • Katalog-Tagessatz (bis 30–50 einfache Produkte): 800–1.500 €
  • Komplexe Maschinen/Anlagen (ganzer Tag, wenige Produkte): 1.500–3.000 €
  • Retuschen-Stundensatz: 60–120 €/h

(AGF-Honorarempfehlungen 2022; BVPA Bildhonorare 2023.)


Vergleich & Abgrenzung

GattungAbgrenzung
Schmuck-FotografieExtreme Makroaufnahmen, andere Reflexionskontrolle
Food PhotographyLebensmintelstillleben, verderbliche Güter, andere Lichtsetzung
Automotive-FotografieGroßobjekte, Location-abhängig, andere Licht-Skala
IndustriefotografieMaschinen in Betrieb, mehr reportageartig, Umgebung wichtig

Häufige Fragen (FAQ)

Wie vermeide ich Reflexionen in Displays und Glasscheiben? Das wichtigste Mittel ist ein Polarisationsfilter (Zirkular-Polarisationsfilter vor dem Objektiv kombiniert mit polarisierten Lichtquellen). Durch Drehen des Filters werden Reflexionen eliminiert, während die eigentliche Oberfläche sichtbar bleibt. Alternativ: Position der Lichtquellen und Kamera so wählen, dass Reflexionen außerhalb des Bildrahmens fallen. Für Displays ist Compositing die verlässlichste Methode.

Brauche ich Mittelformat für Produktfotografie? Für viele E-Commerce-Anwendungen (Web-Auflösung, kleine Prints) ist Vollformat absolut ausreichend. Mittelformat-Kameras (Fujifilm GFX, Phase One) kommen bei Großdruck-Anwendungen, Hochglanzmagazinen und komplexer Retusche zum Tragen, wo extreme Bildreserven benötigt werden. Der Einstieg in professionelle Produktfotografie ist problemlos mit einer Sony A7R V oder Canon EOS R5 (45 bzw. 45 MP) möglich.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Don Giannatti: Lighting for Product Photography, Amherst Media, 2014
  • Steve Bavister: Product Photography: The Complete Guide, Rotovision, 2010
  • Karl Taylor: Commercial Photography Masterclass (Online-Kurs), KarlTaylor Education, 2022
  • Bundesverband Professioneller Bildanbieter (BVPA): Bildhonorare 2023, Berlin 2023
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