← Zurück zu Fotografie
Tierfotografie im Haustier- und Zoo-Bereich ist ein Teilbereich der Naturfotografie und des kommerziellen Porträts, der sich auf domestizierte Tiere und Zoo-Tiere als Hauptmotive konzentriert und dabei Tierverhalten, Licht und schnelle Reaktion verbindet.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Fotografie-Gattungen · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: Haustierfotografie, Pet Photography, Zoofotografie, Tierportrait, Dog Photography, Cat Photography


Was ist Tierfotografie – Haustiere und Zoo?

Tierfotografie im Kontext von Haustieren und Zoos unterscheidet sich grundlegend von der freien Wildtierfotografie: Der Zugang zum Tier ist kontrollierter, aber das Verhalten bleibt unvorhersehbar. Haustierfotografie boomt seit den 2010er-Jahren als eigenständiges kommerzielles Berufsfeld – Hunde und Katzen werden zu Protagonisten von Porträtsessions, die in Stil und Aufwand Menschenportraits ebenbürtig sind. Zoofotografie verbindet Tierfotografie mit den Einschränkungen des Gitterschutzes und der Gehege-Architektur.

Gesellschaftlich spiegelt die Professionalisierung der Haustierfotografie den wachsenden Status von Heimtieren als Familienmitglieder wider. In Deutschland werden nach Statista (2023) über 34 Millionen Heimtiere gehalten – ein enormes Potenzial für spezialisierte Fotografinnen und Fotografen.


Besonderheiten: Licht, Timing, Equipment, Herausforderungen

Augenhöhe – die wichtigste Regel

Anders als bei Menschenportraits ist die Kamera-Position bei Tierfotografie fast immer auf Augenhöhe des Tieres oder darunter. Vogelperspektive lässt Tiere klein und uninteressant wirken. Bauch auf den Boden, Kamera auf Hundeaugenhöhe – das erzeugt Verbindung und Tiefe.

Fokus auf die Augen

Scharf gestellte Tieraugen sind das Fundament jedes überzeugenden Tierportraits. Modernes Eye-Tracking (Sony AI-AF, Canon iTR AF X, Nikon Deep Learning AF) erkennt Tieraugen automatisch. Diese Funktion ist bei der Haustierfotografie kaum mehr wegzudenken.

Licht

Outdoor Haustiere: Offener Schatten (unter Bäumen, an der Hausschattenseite) liefert weiches, gleichmäßiges Licht ohne Blinzeln des Tieres. Goldene Stunde für Fell-Texturen und warme Farbstimmung.

Studio Haustiere: Weitgehend wie bei Menschenportraits; aber Tiere reagieren empfindlicher auf Blitzlicht. Dauerlicht (LED-Panele mit hohem CRI) ist stressfreier und ermöglicht Anpassung ohne erneutes Aufzucken.

Zoo: Gitter, Scheiben und wechselndes Licht sind die größten Herausforderungen. Trick gegen Gitter: Tele-Objektiv weit öffnen (f/2.8–f/4), Objektiv so nah wie möglich ans Gitter halten – bei kurzer Distanz zum Gitter wird es unscharf. Bei Scheiben: Objektiv direkt gegen die Scheibe halten und Gegenlichtblende nutzen, um Reflexionen zu minimieren.

Equipment

AusrüstungEmpfehlung
KameraVollformat oder APS-C mit Animal-Eye-Tracking
Objektiv Haustier50 mm f/1.8 oder 85 mm f/1.8 (Porträt)
Objektiv Zoo/Distanz70–200 mm f/2.8 oder f/4
Teleobjektiv Zoo100–400 mm f/4.5–5.6 (große Gehege)
Blendef/1.8–f/4 (Haustier), f/4–f/8 (Zoo mit mehr Tiefe)
ISO400–3200 je nach Licht
Serienaufnahme10–20 fps, Burst-Modus
Verschlusszeitmind. 1/500 s (bewegende Tiere), 1/1000 s+ (schnelle Hunde)
Auslöserlautloser elektronischer Verschluss bei schreckhaften Tieren

Herausforderungen

  • Unvorhersehbares Verhalten: Tiere warten keine Anweisungen ab. Schnelle Reaktionszeit und Serienaufnahmen sind Pflicht.
  • Fell-Textur vs. Hintergrund: Dunkle Hunde vor dunklem Hintergrund verlieren Kontur. Lichtakzente oder gezielt hellerer Hintergrund helfen.
  • Weiße Fell-Partien: Überbelichtung zerstört Textur; Belichtungskorrektur -0,3 bis -0,7 EV bei weißen oder hell-gemischten Tieren.
  • Stressfreies Shooting: Keine langen Sessions, viele Pausen, positive Verstärkung mit Leckerlis.

Beispiele: 5 konkrete Aufnahmen mit Kamera-Settings

  1. Hundeportrait, Gegenlicht, goldene Stunde

Sony A7 IV · 85 mm f/2.0 · 1/800 s · ISO 400 · natürliches Abendlicht von hinten + Reflektor Labrador auf Augenhöhe, Fell von hinten beleuchtet, Augen mit natürlichem Catch-Light.

  1. Katze auf Fensterbrett, Fensterlicht

Canon EOS R6 II · 50 mm f/2.0 · 1/400 s · ISO 800 · Fensterlicht seitlich Katze schaut aus dem Fenster, Profil scharf, Hintergrund weich unscharf.

  1. Hund im Sprint, Outdoor-Action

Sony A1 · 70–200 mm f/2.8 · 1/2000 s · ISO 1600 · Serienbild, Animal-Tracking-AF Hund springt nach Ball, alle vier Pfoten in der Luft, Fokus auf Augen.

  1. Zoo: Löwin hinter Scheibe

Nikon Z9 · 200 mm f/4 · 1/640 s · ISO 3200 · Objektiv gegen Scheibe, kein Blitz Löwin frontal, Scheibe unsichtbar, Körnung in der Aufnahme durch hohe ISO akzeptiert.

  1. Kleinsäuger Studioportrait: Kaninchen auf Holzuntergrund

Canon EOS R8 · 100 mm Makro f/4 · 1/200 s · ISO 200 · LED-Dauerlicht + Reflektor Aufnahme von vorne, Augen als Fokuspunkt, Holzstruktur im Vordergrund für Tiefe.


In der Praxis

Ablauf eines Haustier-Shootings

  1. Onboarding: Tierbesitzer nach Verhalten und Vorlieben des Tieres fragen (was mögen sie? Welche Geräusche stressen sie?).
  2. Warm-up: Zehn Minuten Spielen und Schnuppern lassen, bevor die Kamera auftaucht.
  3. Leckerli-Einsatz: Helfer hält Leckerli neben dem Objektiv, um die Aufmerksamkeit des Tieres zu lenken.
  4. Burst-Aufnahmen: Serienbilder in jeder spannenden Situation, Auswahl danach.
  5. Nachbearbeitung: Fell-Details, Augenaufhellung, Fleckenentfernung, Hintergrundanpassung.

Tarife

  • Haustier-Outdoor-Session (60 min, 10 Bilder): 180–350 €
  • Studio-Session (45 min, 8 Bilder): 150–280 €
  • Produktshooting mit Hund (für Futtermarken, Zubehör): ab 500 € Tagessatz

Vergleich & Abgrenzung

GattungAbgrenzung
Wildlife-FotografieWildtiere in natürlichem Habitat, mehr Distanz, Tarnung, andere Ethik
VogelfotografieSpezialisierter Teilbereich, extremes Tele, weniger Interaktion
FamilienfotografieTiere als Nebenmotiv neben Personen
ProduktfotografieTier als Werbeträger (Futtermittel, Zubehör)

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich für Zoofotografie eine Genehmigung? Private Aufnahmen für den eigenen Gebrauch sind in den meisten deutschen Zoos ohne Genehmigung gestattet. Für kommerzielle Aufnahmen – also Bilder, die verkauft, veröffentlicht oder in Werbung eingesetzt werden – ist eine Genehmigung des Zoo-Betreibers erforderlich. Manche Zoos bieten spezielle Fotokurse und Fotomorgen an, bei denen besondere Zugangsmöglichkeiten gewährt werden.

Welches Objektiv ist am vielseitigsten für Haustierfotografie? Das 85 mm f/1.8 (Vollformat) gilt als ideales Einzel-Objektiv für Haustierportraits: Es erlaubt ausreichend Abstand zum Tier (weniger störend), liefert schöne Unschärfe im Hintergrund und bildet Gesichtsgeometrie natürlich ab. Wer mehr Vielseitigkeit benötigt, greift zum 70–200 mm f/2.8 – es deckt sowohl Porträts als auch Actionaufnahmen ab.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Carli Davidson: Shake: A Top-Selling Dog Photography Book, Harper Design, 2013
  • Rachael Hale McKenna: The Art of Pet Photography, Firefly Books, 2015
  • Lynn Terry: Dog Photography for Everyone, Amherst Media, 2016
  • Statista: Anzahl Heimtiere in Deutschland 2023, Hamburg 2023
← Zurück zu Fotografie
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar