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Unterwasserfotografie ist die Praxis, mit wasserdicht gekapselten Kamerasystemen unter der Wasseroberfläche zu fotografieren – mit speziellen Techniken für Licht, Farbe und Schärfe im aquatischen Milieu.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Fotografie-Gattungen · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Tauchfotografie, Unterwasser-Bildgebung, Scuba Photography


Was ist Unterwasserfotografie?

Unterwasserfotografie vereint zwei anspruchsvolle Disziplinen: das Tauchen und die Fotografie. Unter Wasser gelten andere physikalische Gesetze als an der Oberfläche – Licht verhält sich anders, Farben werden geschluckt, der Auftrieb muss kontrolliert werden. Das macht diese Gattung technisch fordernd, aber auch visuell einzigartig: Kein anderes Umfeld bietet die gleichen Möglichkeiten für dreidimensionale Kompositionen, Weichheit der Bewegung und biologische Vielfalt.

Das Spektrum reicht von Makroaufnahmen winziger Garnelen an Korallenriffen bis zu Freiwasser-Begegnungen mit Walhaien. Zubehör und Technik variieren erheblich je nach Motiv und Tiefe.


Erklärung

Gehäuse (Housing): Jede Kamera muss in einem wasserdichten Gehäuse betrieben werden. Unterschieden wird zwischen:

  • Kompakten Underwater-Housings (z. B. Ikelite, Nauticam für Sony ZV-1 / GoPro): günstig, für bis zu 40 m geeignet
  • Professionellen Aluminiumgehäusen (z. B. Nauticam NA-A1, Seacam für Sony Alpha 1 / Canon EOS R5): bis 100 m+ Tiefe, mit Bajonettanschluss für Ports und Ports-Extensions

Ports (Gläser vor dem Objektiv) gibt es in zwei Hauptformen:

  • Dome Ports: Für Weitwinkelobjektive, korrigieren die Lichtbrechung und ermöglichen Split-Shot (halb über, halb unter Wasser)
  • Flat Ports: Für Makro- und Standardobjektive, erhöhen die effektive Brennweite um Faktor 1,33 (Brechung)

Rotlicht-Verlust: Wasser absorbiert rotes Licht stark und je nach Gewässer (Trübung, Algendichte, Tiefe) auch Grün. Ab ca. 3 m Tiefe beginnt die Rotabsorption spürbar zu werden. Folge: Aufnahmen ohne Kunstlicht erscheinen blau-grün und farblos.

Lösungen:

  1. Rotlicht-Korrekturfilter (z. B. Magic Filter, UR/PRO): Rot-Filter vor dem Dome Port, die das fehlende Rot für natürliches Licht kompensieren. Wirkt nur bei Verfügbarem Licht bis ca. 10–15 m.
  2. Unterwasserblitz (Strobe): Zwei externe Blitze (z. B. Inon Z-330, Sea&Sea YS-D3) auf Armen montiert, geben Weißlicht direkt am Motiv ab und kompensieren den Farbverlust vollständig. Standard für professionelle UW-Fotografie.
  3. Videolicht (LED-Lights): Für Videofilmer und für Makrofotografie sinnvoll, bei Weitwinkel zu schwach.

Backscatter vermeiden: Schwebeteilchen im Wasser (Plankton, Partikel) reflektieren Blitzlicht als störende weiße Flecken (Backscatter). Gegenmaßnahmen:

  • Blitze seitlich positionieren (nicht parallel zur optischen Achse)
  • Abstand Blitz–Motiv minimieren (Blitzarm nach vorne ausstrecken)
  • In klarem Wasser arbeiten
  • Nahaufnahmen bevorzugen (kürzere Lichtdistanz)

Weißabgleich: Manueller Weißabgleich auf ein weißes Objekt in der aktuellen Tiefe einstellen – oder RAW fotografieren und im Nachbearbeitungsprogramm (Lightroom, Capture One) die Farbtemperatur ziehen.

Schärfe und Buoyancy: Unter Wasser ist die Tarierung (Buoyancy Control) entscheidend für scharfe Bilder. Unkontrollierter Auftrieb führt zu Verwacklungen. Mit einem perfekt eingestellten BCD und Trimmgewichten schwebend neutral fotografiert man stabiler.


Beispiele

  1. David Doubilet (National Geographic): Gilt als bedeutendster Unterwasserfotograf der Gegenwart. Bekannt für seine Split-Shot-Aufnahmen (halb über, halb unter Wasser) und seine Korallenriff-Dokumentationen. Über 70 Titelseiten für National Geographic.
  2. Kristian Laine: Spezialisiert auf abstrakte Unterwasser-Nahaufnahmen von Meereslebewesen – surreale Formen, extreme Makroarbeit.
  3. Andrey Nekrasov: Makrofotografie in der Lembeh Strait (Indonesien), dem Mekka für Critter-Fotografie – bizarre Kleinstlebewesen auf schwarzem Sandboden.
  4. Laurent Ballesta: Bekannt für die Untersuchung seltener mariner Lebewesen in arktischen und antarktischen Gewässern, mehrfach ausgezeichnet beim World Underwater Photography Contest.
  5. Tobias Friedrich: Wracks- und Höhlenfotograf aus Deutschland, spezialisiert auf natürliches Licht in Unterwasserhöhlen und Wrackinterieurs.

In der Praxis

Einstiegssetup: GoPro Hero 12 in originalem Housing (bis 10 m), dazu ein kleines Rotfilter-Set (ca. 15–30 €). Günstig und brauchbar für Schnorchelfotos.

Fortgeschrittenes Setup: Sony A7C II oder Canon EOS R7 in Nauticam-Housing, 10–17mm Fisheye + Dome Port, zwei Inon Z-330 Strobes auf Armen – Gesamtkosten ca. 5.000–8.000 €.

Vor dem Tauchgang:

  • Housing auf Dichtheit prüfen (Drucktest im Oberflächenwasser, Beschlag = Leck)
  • Dichtungsringe mit Silikon-Fett pflegen
  • Speicherplatz und Akkuladung sicherstellen

Im Wasser:

  • Langsam und ruhig bewegen, um Motive nicht aufzuschrecken
  • Immer auf Augenhöhe des Tieres bleiben
  • Korallen und Lebewesen nie berühren

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalUnterwasserfotografieMakrofotografieWildlife-Fotografie
UmfeldAquatischBeliebigLand/Luft/Wasser
SpezialausrüstungHousing, StrobesMakroobjektiv, TubusTele, Tarn-Ausrüstung
HauptherausforderungLicht, Farbe, AuftriebSchärfentiefe, VibrationNähe, Antizipation
MobilitätEingeschränktHochHoch

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich einen Tauchschein für Unterwasserfotografie? Für alle Aufnahmen unterhalb der Schnorcheltiefe (ca. 2–3 m) ist ein Tauchschein (mindestens PADI Open Water Diver oder CMAS*) obligatorisch. Fotografie unter Wasser erfordert außerdem erheblich mehr Kontrolle über die eigene Buoyancy, als für das Tauchen allein nötig ist – ein Kurs speziell für UW-Fotografen (z. B. PADI Underwater Photographer Specialty) lohnt sich.

Was ist der Unterschied zwischen einem Dome Port und einem Flat Port? Dome Ports sind geölte Kuppeln für Weitwinkelobjektive: Sie korrigieren die durch die Wassergrenzfläche entstehende optische Verzerrung und ermöglichen den berühmten Split-Shot. Flat Ports sind schlicht und flat – die Lichtbrechung vergrößert die effektive Brennweite um Faktor 1,33, was für Makroobjektive nützlich ist (mehr Abbildungsmaßstab), Weitwinkel aber zu Telebrennweiten macht.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Doubilet, David / Hayes, Jennifer (2013): Water Light Time. London: Phaidon.
  • Humann, Paul / DeLoach, Ned (2010): Reef Fish Identification. Jacksonville: New World Publications. (Standard-Referenz für Identifikation von Motiven)
  • Underwaterphotography.com (Online-Magazin mit Tutorials, Equipment-Reviews, regelmäßig aktualisiert)
  • c't Fotografie (2021): „Tauchen und Fotografieren – Housing, Strobes und die richtige Technik", Heft 2/2021.
  • Ludin, Danja / Ludin, Danja (2018): Unterwasserfotografie – Das große Praxis-Handbuch. Heidelberg: dpunkt.verlag.
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