Crop-Faktor (auch: Formatfaktor) bezeichnet das Verhältnis der Diagonale eines Bildsensors zur Diagonale des Kleinbildformats (36 × 24 mm) und gibt an, um welchen Faktor sich Bildwinkel und äquivalente Brennweite im Vergleich zu Kleinbild verändern.
Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Formatfaktor, Focal Length Multiplier, Sensor Crop Factor, EFL-Faktor
Was ist der Crop-Faktor?
Der Crop-Faktor beschreibt, wie viel kleiner ein Sensor im Vergleich zum Kleinbildformat ist. Ein APS-C-Sensor mit einem Crop-Faktor von 1,5× ist 1,5-mal kleiner (in der Diagonale) als Kleinbild. Das bedeutet, dass ein 50-mm-Objektiv auf einer APS-C-Kamera einen Bildwinkel erzeugt, der einem 75-mm-Objektiv auf Kleinbild entspricht (50 mm × 1,5 = 75 mm Äquivalentbrennweite).
Erklärung
Das Kleinbildformat (35-mm-Film, 36 × 24 mm) ist seit der analogen Ära der historische Referenzstandard für Bildwinkelangaben. In der digitalen Fotografie kommen Sensoren unterschiedlichster Größen vor, weshalb die Brennweite allein keine eindeutige Aussage über den resultierenden Bildwinkel macht.
Gängige Sensorformate und ihre Crop-Faktoren:
- Kleinbild (Vollformat): 36 × 24 mm, Crop-Faktor 1,0×
- APS-H (Canon 1D bis Mk III): ca. 27,9 × 18,6 mm, Crop-Faktor 1,3×
- APS-C (Nikon, Fujifilm, Sony): ca. 23,5 × 15,6 mm, Crop-Faktor 1,5×
- APS-C (Canon): ca. 22,2 × 14,8 mm, Crop-Faktor 1,6×
- Micro Four Thirds (Panasonic, Olympus/OM System): 17,3 × 13 mm, Crop-Faktor 2,0×
- 1-Zoll-Sensor (Sony RX100): 13,2 × 8,8 mm, Crop-Faktor 2,7×
- Mittelformat (Fujifilm GFX): 43,8 × 32,9 mm, Crop-Faktor ca. 0,79× (negativ = größer als Kleinbild)
Auswirkungen auf die Fotografie:
Bildwinkel: Eine Brennweite auf Crop-Kamera erzeugt einen schmaleren Bildwinkel, was einem stärkeren „Zoom" entspricht. Vorteilhaft für Natur- und Sportfotografie (günstigere Tele-Reichweite), nachteilig für Weitwinkelfotografie.
Schärfentiefe: Bei gleicher Äquivalentbrennweite und gleichem Bildwinkel ist die Schärfentiefe auf Crop-Sensoren größer. Wer Bokeh möchte, muss auf Crop-Sensoren zu größeren Blenden greifen. Formel: Äquivalente Blende = echte Blende × Crop-Faktor.
Rauschverhalten: Größere Pixel auf größeren Sensoren fangen mehr Licht pro Fläche und rauschen weniger. Vollformat-Sensoren übertreffen bei gleicher Pixelanzahl APS-C-Sensoren in der Rauschleistung.
Systemgröße und Gewicht: Kleinere Sensoren erlauben kleinere Objektive und Kamerabodies. Das ist ein Hauptvorteil von Micro-Four-Thirds und APS-C für Reise- und Street-Fotografie.
Beispiele
- Tele-Vorteil APS-C (Nikon DX): Ein 400-mm-Teleobjektiv auf einer Nikon D500 (Crop 1,5×) liefert den Bildwinkel von 600 mm auf Vollformat – bei deutlich niedrigerem Gewicht und Preis des Systems.
- Weitwinkel-Herausforderung Micro Four Thirds: Um auf einem OM System OM-1 Mark II den Bildwinkel eines 28-mm-Objektivs auf Vollformat zu erreichen, wird ein 14-mm-Objektiv benötigt (14 × 2 = 28 mm äquivalent).
- Schärfentiefe-Vergleich: Fujifilm X-T5 (APS-C) mit Fujinon 35mm f/1.4 = äquivalent zu 52mm f/2.1 auf Kleinbild. Sony A7 IV mit 50mm f/1.4 = 50mm f/1.4. Deutlich mehr Bokeh-Potential auf Vollformat.
- Crop im 4K-Video: Sony A7R V schneidet beim 4K-Videobetrieb auf APS-C-Crop zurück, um alle Pixel für 4K zu nutzen – der Crop-Faktor ändert sich dabei temporär von 1,0× auf 1,5×.
- Mittelformat-Vorteil Fujifilm GFX: Mit Crop-Faktor 0,79× bietet das GFX-System bei gleicher nomineller Brennweite einen breiteren Bildwinkel als Kleinbild. Ein 45-mm-Objektiv entspricht ca. 35 mm auf Kleinbild.
In der Praxis
Berechne immer die Äquivalentbrennweite deiner Objektive, wenn du zwischen Systemen vergleichst. Nutze die Tele-Reichweite von APS-C und Micro-Four-Thirds gezielt für Wildlife und Sport. Beim Kauf von Weitwinkelobjektiven für Crop-Kameras: auf native Crop-Objektive achten (z. B. Fujifilm XF-Linie für APS-C), da Vollformat-Objektive auf Crop-Sensoren einen schmaleren Bildwinkel haben als ausgewiesen. Beachte beim Video-Crop-Modus der Kamera, dass sich der Bildwinkel ändert.
Vergleich & Abgrenzung
Crop-Faktor ist kein Qualitätsmerkmal – er beschreibt nur die Größenrelation. Ein hochwertiger APS-C-Sensor (z. B. Fujifilm X-Trans 40 MP im X-T5) kann einen älteren Vollformat-Sensor in Auflösung, Dynamikumfang und Farbtreue übertreffen. Crop-Faktor sollte nicht mit „Crop-Modus" verwechselt werden, den viele Vollformatkameras im Video-Betrieb nutzen und der den Bildwinkel temporär verkleinert.
Häufige Fragen (FAQ)
Macht der Crop-Faktor meine Blende schwächer? Für die Belichtung (Menge des Lichts auf den Sensor) ändert sich durch den Crop-Faktor nichts – f/1.8 ist f/1.8. Für das Äquivalent der Schärfentiefe im Vergleich zu Kleinbild muss man jedoch f/1.8 × Crop-Faktor rechnen. Auf APS-C (1,5×) entspricht f/1.8 einer Schärfentiefen-Äquivalenz zu f/2.7 auf Kleinbild.
Hat Crop-Format eine geringere Bildqualität? Nicht generell. Moderne APS-C- und MFT-Sensoren liefern hervorragende Bildqualität. Der Hauptunterschied liegt im Rauschverhalten bei sehr hohen ISO-Werten und im maximalen Bokeh-Potenzial. Für die meisten Anwendungen (bis ISO 3200, f/4 und enger) ist der Unterschied in der Praxis marginal.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Nasim Mansurov (2023): Crop Factor Explained. Photography Life (Online).
- David D. Busch (2022): Mastering Mirrorless Photography. Rocky Nook.
- Michael Rieger (2020): Kameratechnik für Einsteiger und Fortgeschrittene. Rheinwerk Verlag.
- Lenstip (2024): Sensor-Size Comparison Database:
