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Raw-Formate sind herstellerspezifische Bilddateiformate, die die unverarbeiteten Sensordaten einer Digitalkamera mit minimaler Kompression oder Verarbeitung speichern und dem Fotografen maximale Kontrolle in der Nachbearbeitung geben – im Gegensatz zu JPEG, das bereits in der Kamera fertig entwickelt wird.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Rohbildformat, Digital Negative, Kamera-Raw, Bayer-Raw

Was sind Raw-Formate?

Raw-Dateien enthalten die rohen Sensorinformationen: die Ladungswerte jedes einzelnen Pixels, noch vor der Demosaicing-Interpolation, Rauschreduktion oder Schärfung. Zusätzlich speichert jede Raw-Datei Metadaten (EXIF), Kameraeinstellungen (Weißabgleich, Bildprofil, Objektivdaten) und ein eingebettetes JPEG-Vorschaubild. Die eigentliche Entwicklung – Demosaicing, Farbprofil, Rauschreduktion, Schärfung – erfolgt in der Nachbearbeitung durch Raw-Konverter-Software.

Erklärung

Jeder Kamerahersteller entwickelt sein eigenes Raw-Format, das an die spezifische Sensorarchitektur angepasst ist. Das bedeutet Inkompatibilität zwischen Herstellern und macht Softwareunterstützung für neue Kameras erforderlich.

Wichtige Raw-Formate im Überblick:

Canon CR2 / CR3: CR2 ist das ältere Format (TIFF-basiert), CR3 das seit 2018 (EOS R) verwendete Format (ISOBMFF-Container, moderner). CR3 unterstützt 14-Bit-Aufnahmen und den C-Raw-Modus (Canon komprimiertes Raw mit ca. 40 % Dateigröße-Reduktion, leicht verlustbehaftet). Lightroom unterstützt CR3 seit 2019.

Nikon NEF (Nikon Electronic Format): NEF unterstützt 12 oder 14 Bit, komprimiert (verlustbehaftet oder verlustlos) oder unkomprimiert. Seit Nikon Z9 auch hocheffiziente verlustlose Kompression (High Efficiency NEF). NEF-Dateien schließen Verzerrungskorrektur-Daten ein, die von manchen Konvertern automatisch angewendet werden.

Sony ARW (Alpha Raw): ARW-Format nutzt verlustlos komprimierte 14-Bit-Daten. Ab Sony A1 / A7R V: Komprimiertes ARW (lossy compressed, ca. 50 % Größenreduktion, minimaler Qualitätsverlust) und verlustlos komprimiertes ARW. Sony nutzt mehrfach in der Branche erstmalig eingesetzte Kompressionsverfahren, die von manchen Konvertern unterschiedlich gut unterstützt werden.

Fujifilm RAF (Raw Format): RAF ist besonders wegen des X-Trans-Sensors interessant: Fujifilms X-Trans-Sensoren nutzen kein Bayer-Pattern, sondern ein 6×6-Farbfilter-Muster für bessere Moire-Unterdrückung. Das Demosaicing von X-Trans-RAFs ist rechnerisch aufwändiger – manche Konverter (ältere Lightroom-Versionen) zeigen hier Probleme mit Farbartefakten. Capture One und aktuelles Lightroom Classic beherrschen X-Trans-RAF sehr gut.

Olympus/OM System ORF: ORF ist ein TIFF-basiertes Format mit 12 Bit. Olympus/OM System bietet auch komprimierte ORF-Varianten. High-Res-Shot-Stacks werden als ORF-Stack abgespeichert.

Panasonic RW2: Das Panasonic-Format RW2 (Raw 2) ist 12-Bit und wird von allen gängigen Konvertern unterstützt.

Leica DNG: Leica (und auch Pentax) nutzt Adobe DNG direkt. DNG (Digital Negative) ist ein offenes Format von Adobe, das als universelles Raw-Format konzipiert wurde. Leica-DNGs sind direkt in Lightroom, Capture One und anderen Konvertern ohne Kamera-spezifisches Update nutzbar.

Adobe DNG als universelles Zielformat: Viele Fotografen konvertieren herstellerspezifische Raw-Dateien beim Import in Lightroom zu DNG, um langfristige Kompatibilität zu gewährleisten. DNG ist ein ISO-Standard (ISO 12234-4:2022). Der Nachteil: Konvertierung braucht Zeit und erhöht den Workflow-Aufwand.

Beispiele

  1. Canon CR3 vs. C-Raw: Ein Canon EOS R5 RAW-Datei (CR3) hat ca. 45 MB, die C-Raw-Variante nur ca. 27 MB bei kaum wahrnehmbarem Qualitätsunterschied – für Sport-Shootings mit großem Puffer-Bedarf ist C-Raw relevant.
  2. Fujifilm X-T5 RAF in Lightroom vs. Capture One: X-Trans-RAF in Capture One 23 zeigt an Grünflächen und Hauttönen messbar weniger Farbbrizzeln als in älterer Lightroom-Version; aktuelle Lightroom-Versionen haben diesen Rückstand weitgehend aufgeholt.
  3. Sony ARW komprimiert vs. verlustlos: Sony A7R V – ARW verlustlos komprimiert: ca. 80 MB. ARW komprimiert (lossy): ca. 35 MB. Im direkten Vergleich bei ISO 100 kein sichtbarer Unterschied. Bei ISO 12800 können leichte Quantisierungsartefakte im komprimierten Format auftreten.
  4. Nikon NEF High Efficiency: Nikon Z9 mit High Efficiency Compressed NEF: 45 MP bei ca. 25 MB statt 50 MB unkomprimiert. Verlustlose Kompression, praktisch identische Qualität für alle Anwendungen.
  5. DNG-Konvertierung Workflow: Lightroom-Workflow mit DNG-Konvertierung beim Import: Alle Raw-Dateien werden in DNG umgewandelt, Originals als Sidecar gespeichert. Vorteil: Einbettung der Entwicklungseinstellungen in die Datei selbst, keine separaten XMP-Dateien.

In der Praxis

Nutze das native Raw-Format deiner Kamera für beste Kompatibilität mit dem kameraeigenen Raw-Konverter (Sony Imaging Edge, Canon Digital Photo Professional, Nikon Capture NX-D). Für universellen Workflow: Adobe Lightroom Classic oder Capture One Pro. Prüfe bei neuen Kameras, ob die verwendete Software die aktuelle Firmware unterstützt (Software-Updates verzögern sich oft einige Wochen nach Kamerakauf). DNG-Konvertierung ist sinnvoll für Langzeitarchivierung.

Vergleich & Abgrenzung

Raw-Formate unterscheiden sich in Bittiefe (12 oder 14 Bit), Kompressionsverfahren (verlustlos, verlustbehaftet, unkomprimiert) und Metadaten-Implementierung. JPEG ist kein Raw-Format: Es ist ein fertig entwickeltes, stark komprimiertes Bild mit minimalem Nachbearbeitungsspielraum. TIFF kann Raw-ähnlich (16-Bit) gespeichert werden, ist aber kein Camera-Raw-Format. HEIF (High Efficiency Image Format) wird von manchen Kameras (Apple, neuere Sonys) als komprimiertes Bildformat angeboten, ist aber ebenfalls kein Raw-Format.

Häufige Fragen (FAQ)

Soll ich das kamera-eigene Raw-Format oder DNG verwenden? Für aktive Bearbeitungs-Workflows ist das native Format mit der breitest unterstützten Software (Lightroom, Capture One) ideal. Für Langzeitarchivierung ist DNG vorzuziehen, weil es ein offener Standard ist und nicht von der Existenz des Herstellers abhängt. Die DNG-Konvertierung fügt kaum Qualitätsverlust hinzu, wenn „eingebettetes Original" aktiviert ist.

Warum unterstützt meine Software eine neue Kamera noch nicht? Raw-Konverter-Software (Lightroom, Capture One, DxO PhotoLab) benötigt kamera-spezifische Profile, die die Sensorcharakteristik beschreiben. Diese Profile müssen nach Kamera-Veröffentlichung entwickelt und in die Software integriert werden. Das kann 2–8 Wochen nach Kamerarelease dauern. Alternative: Hersteller-eigene Software (Canon DPP, Sony Imaging Edge) unterstützt die Kamera oft vom ersten Tag an.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe (2023): Digital Negative (DNG) Specification. Version 1.7. Adobe Inc.
  • Jeff Schewe (2015): The Digital Negative: Raw Photography and the Art of Photo Editing. 2. Aufl. Peachpit Press.
  • Martin Evening (2022): Adobe Photoshop Lightroom Classic – The Missing FAQ. Rocky Nook.
  • DPReview (2024): Raw Format Comparison – File Size and Quality:
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