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RAW-Video bezeichnet Videoaufnahmen, bei denen die Rohdaten des Bildsensors ohne (oder mit minimaler) kamerainternen Bildverarbeitung aufgezeichnet werden, was maximale Kontrolle über Belichtung, Weißabgleich und Farbkorrektur in der Post-Produktion ermöglicht.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik Fortgeschritten · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Camera RAW, Sensor RAW, RAW Footage, Digital Negative Video


Was ist RAW-Video?

Bei normalen Videoformaten (H.264, H.265, ProRes) verarbeitet die Kamera intern bereits die Rohdaten des Sensors: Sie demosaickt das Bayer-Muster, wendet eine Gamma-Kurve an, komprimiert die Daten stark und speichert nur das fertige Bild. Dabei gehen Informationen unwiederbringlich verloren.

RAW-Video-Formate hingegen speichern die Sensordaten vor dieser Verarbeitung – oder zumindest vor den verlustbehafteten Teilen davon. Das bedeutet: Rauschen, Belichtung, Weißabgleich und Gamut-Mapping können in der Postproduktion noch nachträglich beeinflusst werden, ohne Qualitätsverlust.


Erklärung

Was ist in RAW-Daten enthalten?

RAW-Video enthält typischerweise:

  • Bayer-Matrix-Daten: Jeder Pixel hat nur einen Farbkanal (R, G oder B). Die finale Farbe wird durch Demosaicking berechnet.
  • Metadaten: ISO, Weißabgleich, Belichtungsparameter – als non-destruktive Hinweise, nicht als Verarbeitung.
  • Log-Gamma oder lineares Licht: Je nach System wird die Luminanz als lineare oder logarithmische Kurve gespeichert.

RAW vs. Log

Log (z. B. S-Log3, Log-C) ist ein verarbeitetes Format: Die Kamera hat bereits demosaickt, eine Gamma-Kurve angewendet und komprimiert. RAW ist noch früher im Signalpfad. Allerdings sind manche RAW-Formate (z. B. BRAW) intern komprimiert und trotzdem sehr flexibel – sie liegen qualitativ zwischen echtem unkomprimiertem RAW und Log.

Kompression in RAW-Formaten

  • Unkomprimiertes RAW (z. B. CDNG unkomprimiert): Maximale Qualität, riesige Dateien.
  • Verlustfreies RAW (z. B. ARRIRAW unkomprimiert): Bit-für-Bit identisch mit dem Original, aber komprimiert. Sehr groß.
  • Leicht verlustbehaftetes RAW (z. B. BRAW 3:1): Minimale Kompression, praktisch nicht sichtbarer Qualitätsunterschied.
  • Stärker komprimiertes RAW (z. B. BRAW 8:1, ProRes RAW): Deutliche Dateigrößenreduktion, minimale Qualitätseinbußen.

Gängige RAW-Formate

FormatKameraKompressionBesonderheit
ARRIRAWArri AlexaVerlustfrei / unkomprimiertHollywood-Standard
BRAWBlackmagic3:1, 5:1, 8:1, 12:1DaVinci integriert
CDNGDiverseVariabelOpen Standard
ProRes RAWApple/externe RecorderVerlustfreiFinal Cut integriert
R3DREDVariabelRED-Kameras
Canon RAW / CRMCanonVariabelCinema EOS

Beispiele

Dateigrößen im Vergleich

Eine Minute 4K/25fps RAW-Video:

FormatKompressionDateigröße (ca.)
ARRIRAW 4KVerlustfrei~120 GB
BRAW 4K 3:1Leicht~15 GB
BRAW 4K 12:1Stärker~4 GB
ProRes 4444 (Log)Nicht RAW~25 GB
H.265 4K 10-BitStark~2 GB

In der Praxis

Workflow-Anforderungen

RAW-Video stellt hohe Anforderungen an Hardware und Workflow:

  1. Speicher: RAW-Kameras benötigen sehr schnelle Medien (CFExpress, NVMe-Laufwerke, externe RAW-Recorder).
  2. Rechnerleistung: Demosaicking in Echtzeit erfordert leistungsstarke CPUs/GPUs. Für ARRIRAW sind oft dedizierte Hardware-Decoder nötig.
  3. Software: RAW-Formate sind oft proprietär. ARRIRAW benötigt Arri-Software oder ACES-kompatible NLEs, BRAW ist hauptsächlich in DaVinci Resolve nativ.
  4. Proxies: Für flüssiges Editing werden oft niedrig-aufgelöste Proxies erzeugt.

Wann lohnt sich RAW-Video?

  • Werbefilm, Musikvideo, Spielfilm: RAW für maximale Kontrolle in der Farbkorrektur.
  • Dokumentarfilm mit kritischen Lichtsituationen: RAW bietet Rettung in über- oder unterbelichteten Szenen.
  • Broadcast und News: Selten, zu aufwendig im Workflow.
  • YouTube/Social-Media-Produktion: Nur wenn ausgefeiltes Grading geplant ist.

RAW-Video an Systemkameras

Moderne Systemkameras wie die Canon EOS R5 C, Sony FX3 (via HDMI auf externe Recorder) oder Nikon Z9 bieten RAW-Video-Ausgabe über HDMI. Ein externer Recorder (z. B. Atomos Shogun / Ninja) wandelt das Signal in ProRes RAW oder BRAW um.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalRAW-VideoLog-VideoStandard-Video
Belichtungskorrektur (Post)Mehrere Stops1–2 StopsKaum
Weißabgleich (Post)Vollständig änderbarEingeschränktNicht änderbar
DateigrößeSehr großGroßKlein
Workflow-AufwandHochMittelNiedrig
BildqualitätMaximumSehr hochStandard

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich RAW-Video in Premiere Pro bearbeiten? Einige RAW-Formate ja (ProRes RAW, ARRIRAW über Plugin). BRAW ist primär für DaVinci Resolve optimiert; für Premiere gibt es ein offizielles Plugin.

Ist RAW-Video immer besser als Log? Nicht automatisch. Bei perfekt belichteten Aufnahmen ist der Unterschied minimal. RAW lohnt sich besonders bei schwierigen Lichtsituationen und wenn ISO, Weißabgleich oder Belichtung nachträglich korrigiert werden müssen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Arri (2023): ARRIRAW Technical Reference. Arnold & Richter Cine Technik, München.
  • Blackmagic Design (2023): Blackmagic RAW SDK Documentation. Blackmagic Design, Melbourne.
  • Kennel, Glenn (2014): Color and Mastering for Digital Cinema. Focal Press, Burlington, MA.
  • Apple (2021): ProRes RAW White Paper. Apple Inc., Cupertino, CA.
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