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Videofeatures einer Kamera bezeichnen alle videospezifischen Aufnahmemodi, Farbprofile und Ausgangsformate, die über die Basisaufnahme hinausgehen — darunter Log-Gammas, internes RAW-Video, Zeitlupen-Modi, Cine-Profile und professionelle Audio-Routing-Optionen.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Cine-Funktionen, Kinofunktionen, Video-Kamerafunktionen


Was sind Videofeatures einer Kamera?

Moderne Systemkameras haben sich zu vollwertigen Videoequipment entwickelt. Neben Auflösung und Bildrate entscheiden spezialisierte Videofeatures darüber, wie viel Bildinformation erhalten wird, wie gut die Postproduktion skaliert und welche professionellen Workflows möglich sind. Die Kernfeatures umfassen Log-Profile, RAW-Videoausgabe, Abtastraten, Crop-Faktoren bei 4K/6K und Audiomanagement.


Erklärung

Log-Profile

Log (logarithmisches Gammaprofil) ist eine Aufnahmekurve, die den Dynamikumfang des Sensors maximal in den verfügbaren Helligkeitsbereich des Videosignals quetscht. Im Vergleich zu einem normalen Gamma-Profil erscheint das Bild flach und entsättigt — aber es enthält deutlich mehr Detail in Lichtern und Schatten, das in der Farbkorrektur wiederhergestellt werden kann.

Jeder Hersteller nutzt eigene Log-Profile:

  • S-Log2 / S-Log3 (Sony): S-Log3 bietet bis zu 15,3 Blendenstufen Dynamikumfang
  • V-Log / V-Log L (Panasonic): ähnlich wie S-Log3, Basis für Lumix-Kameras
  • C-Log / C-Log2 / C-Log3 (Canon): C-Log3 ist besonders highlight-robust
  • N-Log (Nikon): bis zu 12 Blendenwerte, nur in bestimmten Z-Kameras
  • HLG (Hybrid Log-Gamma, ITU-R BT.2100): SDR/HDR-kompatibler Standard, kein LUT nötig für SDR-Ausgabe

Der Vorteil von Log: In der Postproduktion lassen sich mit LUTs (Look Up Tables) präzise Farbstimmungen aufbauen, die auf jedem Material konsistent wirken.

Internes RAW-Video

RAW-Video speichert die rohen Sensordaten ohne Demosaicing oder In-Camera-Verarbeitung. Das maximiert die Farbtiefe (12–14 Bit statt 8 Bit bei H.264) und ermöglicht flexiblere Nachbearbeitung. Aktuelle Kameras mit internem RAW-Video:

  • Canon EOS R5 II: 8K RAW intern auf CFexpress
  • Nikon Z8 / Z9: RAW-Video bis 8K 60p
  • Sony FX3 / FX6: 4K RAW-Ausgabe über HDMI an externe Recorder (z. B. Atomos Sumo 19)
  • Blackmagic Pocket Cinema Camera: BRAW (Blackmagic RAW) intern auf SSD

RAW-Daten erzeugen sehr große Dateien (oft 1–6 GB/min), erfordern leistungsfähige Speicher und erhebliche Rechenkapazität in der Post.

4K-Crops und Oversampling

Nicht jede Kamera liest den vollen Sensor für 4K-Video aus. Viele ältere Modelle verwenden einen Ausschnitt (Crop) des Sensors — das reduziert effektiv den Bildwinkel (typischerweise 1,5× bis 1,7× Crop) und verschlechtert bei kleineren Sensoren das Rauschen.

Oversampling hingegen liest mehr Pixel aus als im finalen Video enthalten sind und rechnet diese herunter. Eine 45-MP-Kamera, die 4K-Video aus einem vollen Vollformat-Crop rendert, tastet etwa 8K intern ab — das Downsampling ergibt schärferes, rauschärmeres 4K als ein nativer 4K-Sensor.

Pixel-Binning ist ein Mittelweg: Mehrere Pixel werden zu einem zusammengefasst, was Auslesegeschwindigkeit und Rauschen verbessert, aber nicht die volle Oversampling-Qualität erreicht.

Cine-Modi und Picture Profiles

Unterhalb von Log bieten Kameras oft Cine-Profile, die eine kinotypische Tonwertkurve simulieren: weichere Highlights, leicht erhöhter Schwarzpegel. Canon nennt dies „Cine EOS Standard" oder „Wide DR", Sony nennt ähnliches „PP7-PP10".

Viele Hersteller bieten zudem Cine-Gamuts an, die einen größeren Farbraum als Rec. 709 abdecken — etwa S-Gamut3.Cine, BT.2020 oder Cinema Gamut — was für HDR-Deliverables relevant ist.

Audio

Professionelles Video erfordert kontrollierbares Audio. Relevante Features:

  • XLR-Eingänge (Canon EOS C70, Sony FX6): Phantomspeisung, Pegelregler, Dual-Recording
  • 3,5-mm-Klinke mit manuellem Pegelregler (auf Kameragehäuse oder per Menü)
  • TC-In/Out (Timecode): für Synchronisation mehrerer Kameras und Tongeräte am Set
  • 4-Kanal-Audio (z. B. Sony FX6, Canon EOS C300 Mark III): separate Aufzeichnung zweier Stereospuren

Beispiele

  • Sony α7S III: 4K 120p, S-Log3, HLG, keine interne RAW-Aufzeichnung
  • Canon EOS R5 II: 8K RAW intern, C-Log2, Animal-AF, aktives IBIS mit Korrekturdaten
  • Blackmagic Pocket 6K G2: BRAW intern, Dual Native ISO 400/3200, EF-Bajonett
  • Panasonic Lumix GH7: 5,7K intern, Open Gate, L-Log, wechselbare Codecs
  • DJI Ronin 4D: Integrierter 4-Achs-Gimbal, 6K Zenmuse X9-Sensor, interchangeable Optiken

In der Praxis

Für Dokumentarfilme und Imagefilme empfiehlt sich Log-Aufnahme, um in der Postproduktion maximale Kontrolle zu haben. Für Eventvideos und Hochzeiten ist HLG oft der praktische Kompromiss — SDR-kompatibel und direkt abspielbar ohne LUT.

Wer RAW-Video einsetzen möchte, sollte den Workflow-Aufwand nicht unterschätzen: Leistungsfähige NLE-Software (DaVinci Resolve, Adobe Premiere), ausreichend schneller Speicher (NVMe-SSD RAID) und Zeit für Farbkorrektur sind notwendige Investitionen.


Vergleich & Abgrenzung

FeatureNutzenAnforderungen
Log-ProfilMaximaler DynamikumfangLUT-Kenntnisse, Farbkorrektur
RAW-VideoVolle Bildinfo, max. FlexibilitätGroße Dateien, schneller Speicher
4K CropTelebrennweiteneffektBildwinkel-Verlust
OversamplingSchärfe, RauschreduktionRechenaufwand
HLGSDR/HDR-KompatibilitätKaum Nachbearbeitung nötig

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich immer Log aufnehmen? Nein. Log lohnt sich nur, wenn genug Zeit und Know-how für Farbkorrektur vorhanden ist. Für schnelle Abgabe reicht oft HLG oder ein optimiertes Cine-Profil.

Was ist der Unterschied zwischen S-Log2 und S-Log3? S-Log3 bietet eine gleichmäßigere Helligkeitsverteilung und ist besser für niedrige ISO-Werte geeignet. S-Log2 hat einen etwas höheren Kontrast in den Mitteltonbereichen. Sony empfiehlt für aktuelle Kameras S-Log3.

Kann jede Kamera RAW-Video aufnehmen? Nein. Internes RAW-Video erfordert entsprechende Prozessoren, sehr schnelle Speichermedien und Lizenzgebühren für Codecs. Es ist derzeit Profisegment-Kameras und spezialisierten Cinema-Kameras vorbehalten.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kenyon, D.: Video DSLR: A Filmmaker's Guide. Focal Press, 2012.
  • Hurkman, A.: Color Correction Handbook, 2. Aufl. Peachpit Press, 2013.
  • Reed Reibstein, B.: „Log Footage: What It Is and How to Use It", in: No Film School (online), 2022.
  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve Color Grading Reference Manual, Vers. 18. Blackmagic Design, 2023.
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