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Catchlights (Augenlichter) sind die hellen Lichtreflexe in den Augen eines fotografierten Motivs, die durch direkte Reflexion der Lichtquelle auf der feuchten Augenoberfläche entstehen und maßgeblich zur Lebendigkeit und Ausdrucksstärke eines Portraits beitragen.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Catchlight, Augenlicht, Eyelight, Spitzlicht im Auge, Lichtpunkt


Was ist ein Augenlicht / Catchlight?

Catchlights entstehen, weil die Hornhaut des menschlichen Auges eine stark spiegelnde, feuchte Oberfläche ist. Jede Lichtquelle im Bildfeld wird auf ihr als kleiner Reflex abgebildet – in Form, Größe und Position direkt proportional zur verwendeten Lichtquelle und deren Platzierung.

Portraits ohne Catchlights wirken oft leblos, müde oder unnahbar – die Augen erscheinen „tot". Portraits mit gut platzierten, klar definierten Catchlights dagegen strahlen Energie und Präsenz aus. Deshalb ist der Catchlight kein Zufallsprodukt guter Fotografie, sondern ein bewusst gesetztes Gestaltungsmittel, auf das erfahrene Portraitfotografen systematisch achten.


Erklärung

Form und Größe: Die Form des Catchlights entspricht der Form der Lichtquelle. Eine quadratische Softbox erzeugt ein quadratisches Spitzlicht; eine runde Octabox ein rundes; ein Beauty Dish ein ringförmiges Spitzlicht; ein Fenster ein rechteckiges. Die Größe des Catchlights verhält sich proportional zur Größe der Lichtquelle relativ zum Auge – eine große Softbox nah am Motiv erzeugt einen großen, weiches Catchlight; eine kleine, weit entfernte Lichtquelle erzeugt einen kleinen, punktförmigen Reflex.

Position: Die Position des Catchlights im Auge verrät, wo die Lichtquelle stand. Befindet sich das Catchlight bei 10–11 Uhr oder 1–2 Uhr (also oben im Auge), wirkt es natürlich und einladend – ähnlich dem Licht, das von oben durch ein Fenster fällt. Catchlights bei 6 Uhr (unten im Auge) entstehen durch Licht von unten (z. B. Reflektor oder Bodenlicht) und werden gelegentlich als unnatürlich oder unheimlich wahrgenommen.

Anzahl: Bei mehreren Lichtquellen entstehen mehrere Catchlights. In der klassischen Portraitfotografie ist ein dominanter Catchlight (vom Hauptlicht) bevorzugt; ein zweiter kleiner (vom Fülllicht) ist akzeptabel. Viele gleichgroße Catchlights können das Bild unruhig wirken lassen und werden in der Nachbearbeitung oft auf einen reduziert.

Ringlichter (Ringflash, LED-Ringlicht) erzeugen ein charakteristisches kreisförmiges Catchlight rund um die Pupille – ein Erkennungsmerkmal von Beauty- und Fashion-Shootings, das einen eigenen Stil definiert.

Kein Catchlight ist manchmal bewusst gewählt – etwa für surreale, entmenschlichende oder beängstigende Bildwirkungen in der konzeptuellen oder Horror-Fotografie.

In der Nachbearbeitung (Retouching) werden Catchlights gelegentlich hinzugefügt, verstärkt oder unerwünschte entfernt. Das ist Standardpraxis in der kommerziellen Portraitfotografie. Adobe Photoshop und Capture One ermöglichen präzises Retouching im Augenbereich.


Beispiele

  1. Portrait-Fotografie: Ein großes, rundes Catchlight bei 11 Uhr von einer Octabox verleiht dem Portrait Tiefe und lässt die Augen leuchten – Standard in der professionellen Headshot-Fotografie.
  2. Beauty-Fotografie: Das kreisförmige Ringblitz-Catchlight ist ein ikonisches Erkennungszeichen der Beauty-Industrie. Es lässt die Augen groß und strahlend erscheinen und spiegelt das Licht in der Pupille wider.
  3. Film/Cinematografie: Cinematografen setzten ein dediziertes „Eyelight" (kleines Licht direkt vor dem Gesicht, auf Augenhöhe) ein, um Catchlights in Nahaufnahmen zu sichern, ohne die Haupt-Beleuchtung zu verändern.
  4. Bekannte Fotografen: Annie Leibovitz achtet systematisch auf starke Catchlights in ihren Celebrities-Portraits und verstärkt sie in der Retusche. Chase Jarvis hat mehrfach über die Bedeutung des Catchlights für Headshots geschrieben.
  5. DIY-Umsetzung: Eine einfache weiße Sperrholzplatte oder ein weißes Stück Karton als Reflektor, nahe dem Gesicht und leicht unter Kameraebene gehalten – erzeugt ein großes, weiches Catchlight von unten als Ergänzung zum Fensterlicht.

In der Praxis

  1. Lichtquelle positionieren: Hauptlicht so platzieren, dass das Catchlight bei 10–11 Uhr oder 1–2 Uhr im Auge erscheint.
  2. Probeaufnahme: Aus der Aufnahme zoomen und die Augen kontrollieren – sichtbar, klar, kein unerwünschter zweiter Reflex?
  3. Größe anpassen: Lichtquelle näher ans Motiv = größeres Catchlight; weiter weg = kleiner.
  4. Mehrere Catchlights: Wenn ein zweites Catchlight stört, das Fülllicht reduzieren oder einen schwarzen Reflektor (Gobo) gegenüber positionieren.
  5. Nachbearbeitung: In Photoshop über den Ebenen-Modus „Luminosity" oder Dodge-Tool gezielt aufhellen; unerwünschte Catchlights mit Healing-Brush entfernen.

Vergleich & Abgrenzung

Catchlights sind Reflexe, keine direkten Lichtquellen. Sie unterscheiden sich von Haarlicht (Akzentlicht auf Haaren) und Aufhelllicht (Fülllicht für Schatten). Ein Eyelight ist eine dedizierte kleine Lichtquelle nahe der Kameraachse, die ausschließlich für den Catchlight eingesetzt wird, ohne die Gesamtbeleuchtung zu beeinflussen – eine Technik aus dem Filmbereich. Das Catchlight-Retouching in der Nachbearbeitung gehört zum Standardrepertoire kommerzieller Portraitretusche.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Catchlights sind in einem Portrait akzeptabel? Ein dominanter Catchlight vom Hauptlicht gilt als Ideal. Ein zweiter kleiner vom Fülllicht oder Reflektor ist vertretbar. Mehr als zwei gleichgroße Catchlights wirken unruhig und werden in der professionellen Retusche auf einen reduziert. Es gibt keine absolute Regel, aber Symmetrie und Natürlichkeit sind leitende Prinzipien.

Warum wirken Augen ohne Catchlight „tot"? Augen ohne Lichtreflexe fehlt der visuelle Hinweis auf Feuchtigkeit und Leben. Das menschliche Gehirn ist darauf trainiert, leuchtende Augen mit Vitalität zu verbinden. Dieser Effekt wird auch in Illustration und Animation gezielt eingesetzt: Böse oder tote Figuren haben oft keine oder sehr kleine Catchlights, um Leblosigkeit zu suggerieren.


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Weiterführend

  • Hunter, F. / Biver, S. / Fuqua, P. (2015): Light: Science and Magic. 4. Aufl. Focal Press.
  • Kelby, S. (2015): The Digital Photography Book. Bd. 2. Peachpit Press.
  • Online: PetaPixel – „Why Catchlights Matter (And How to Get Them Right)"
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