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Automotive-Licht bezeichnet die spezialisierten Lichtsetz- und Aufnahmetechniken in der professionellen Fahrzeugfotografie, bei denen Karosserieform, Lackoberfläche und Designlinien durch gezielten Einsatz reflektierter, geformter und positionierter Lichtquellen zur Geltung gebracht werden.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Fahrzeugfotografie-Licht, Car Photography Lighting, Autostudio-Licht


Was ist Automotive-Licht?

Die Fotografie von Fahrzeugen unterscheidet sich fundamental von der Portraitfotografie: Eine Karosserie ist kein menschliches Gesicht, sondern eine hochreflektierende, großflächige, dreidimensional gebogene Metalloberfläche. Was ein Portrait mit einer Softbox löst, erfordert bei einem Fahrzeug sorgfältig geplante, über das gesamte Fahrzeug verteilte Lichtquellen – und das tiefe Verständnis, dass das Fahrzeug nicht direkt beleuchtet wird, sondern Reflexionen in der Karosserie geformt werden.

Automotive-Fotografie findet in drei Hauptumgebungen statt: im Fotostudio (volle Kontrolle, aber extrem hoher Aufwand), auf Location bei kontrolliertem Licht (z. B. in der blauen Stunde oder bei bewölktem Himmel) und auf der freien Straße (dynamische Fahraufnahmen). Jede Umgebung stellt andere lichttechnische Anforderungen.


Erklärung

Das Reflexionsprinzip: Eine glänzende Karosserie verhält sich wie ein Spiegel. Sie zeigt nicht das Licht selbst, sondern die Umgebung. Darum ist das Ziel in der Automotive-Fotografie nicht, das Fahrzeug "anzustrahlen", sondern die Umgebung des Fahrzeugs so zu gestalten, dass ihre Reflexion in der Karosserie die Form des Autos betont. Im Studio geschieht das durch riesige weiße oder graue Diffusorflächen (sogenannte Poly-Boards oder Gator-Foam-Platten), die das Fahrzeug umringen und in der Karosserie als saubere, geformte Lichtstreifen erscheinen.

Studioaufbau für Fahrzeuge:

  • Große Studios mit Deckenschienen-Blitzsystemen und herabhängenden Softboxen (bis 2 m × 4 m) über dem Fahrzeug.
  • Seitliche Poly-Boards (weiß oder schwarz) zur Reflexionskontrolle.
  • Schwarze Fahnen (Flags) absorbieren Reflexionen an ungewünschten Stellen.
  • Weißblech-Hintergrundbogen (Cyc-Wall) oder nahtloser Papierhintergrund in Studiobreite.
  • Separate Beleuchtung für Innenraum (durch Fenster hindurch blitzen oder Tageslicht-LED-Streifen).

Außenaufnahmen – Blaue Stunde: Die Stunde nach Sonnenuntergang bietet diffuses, blaues Umgebungslicht, das in der Karosserie gleichmäßige Reflexionen erzeugt. Autofotografen schätzen diese Zeit besonders, da kein direktes Sonnenlicht harte Reflexionen erzeugt. Blitze oder LED-Panels können ergänzend eingesetzt werden.

Driving/Motion-Shots: Fahraufnahmen bei schlechtem Umgebungslicht erfordern oft externe Lichtquellenfahrzeuge oder Kranwagen mit LED-Panels, die neben dem Fahrzeug herfahren. Alternativ werden längere Belichtungszeiten eingesetzt, um den Hintergrund verwischt darzustellen (Motion Blur) und das Fahrzeug mit Blitz scharf einzufrieren.

CGI und Compositing: In der Automobilwerbung wird reale Fotografie häufig mit computergenerierten Hintergründen kombiniert. Das Fahrzeug wird im Studio auf einem reflektierenden Boden aufgenommen, der Hintergrund wird in der Postproduktion ersetzt. Reflexionen im Boden und in der Karosserie müssen dabei konsistent sein – eine Aufgabe für Retuscheure und CGI-Artists.


Beispiele

  1. Portrait-ähnliches Studiosetup: Ein Fahrzeug in einem weißen Studio, komplett von weißen Poly-Boards umgeben; drei Blitzköpfe hinter großflächigen Panels; Kamera auf einer Leiter oder einem Kran für die Vogelperspektive. Typisch für Pressefotos und Katalogaufnahmen.
  2. Produktfotografie-Prinzip: Detailaufnahmen von Designelementen (Felgen, Logos, Scheinwerfer) funktionieren wie klassische Produktfotografie – kleines Lichtzelt oder Softbox, schwarze Flags für Kantenbetonung.
  3. Film/Cinematografie: Automobilhersteller-Imagefilme und Werbespots nutzen Kran-Shots mit auf das Fahrzeug gerichteten mobilen LED-Lichtträgern, die parallel zum fahrenden Auto bewegt werden.
  4. Bekannte Fotografen: Tim Wallace (Großbritannien) ist einer der bekanntesten Automotive-Fotografen, bekannt für atmosphärische Low-Key-Studioaufnahmen mit präziser Reflexionskontrolle. Mark Riccioni ist bekannt für spektakuläre Outdoor-Automotive-Aufnahmen.
  5. DIY-Umsetzung: Fahrzeug auf einem Parkplatz kurz nach Sonnenuntergang (blaue Stunde) aufstellen; weiße Kartonplatten seitlich als Reflexionsflächen positionieren; eine LED-Baustrahler auf die Seite und eine auf die Motorhaube richten. Stativ, langer Belichtungszeitraum, Fernauslöser.

In der Praxis

  1. Standortwahl: Gleichmäßige Umgebung ohne störende Reflexionen (offene Fläche, leerer Parkplatz, Studio).
  2. Blaue Stunde nutzen: Aufnahmen kurz nach Sonnenuntergang für natürliche, gleichmäßige Umgebungsreflexion.
  3. Reflexionen planen: Vor der Aufnahme das Fahrzeug von allen Aufnahmewinkeln inspizieren: Welche Reflexionen sind zu sehen? Welche sind störend?
  4. Poly-Boards positionieren: Große weiße Flächen neben dem Fahrzeug platzieren; schwarze Flags dort, wo unerwünschte Reflexionen erscheinen.
  5. Beleuchtung aufbauen: Mindestens zwei Hauptlichtquellen für gleichmäßige Karosseriehelligkeit; Fülllicht für Bodenbereich.
  6. Compositing vorbereiten: Wenn Hintergrund getauscht wird, auf konsistente Lichtrichtung und Bodenreflexion achten.

Vergleich & Abgrenzung

Automotive-Licht unterscheidet sich von Portraitlicht fundamental: Beim Portrait wird das Licht auf die Person gerichtet; beim Fahrzeug wird die Umgebung als Lichtquelle gestaltet, die in der Karosserie reflektiert wird. Es ist im Prinzip eine Erweiterung der Produktfotografie auf sehr große, stark reflektierende Objekte. Architektur- und Interieur-Fotografie teilt das Prinzip der Reflexionskontrolle, arbeitet aber mit fest installierten Raumlichtverhältnissen.


Häufige Fragen (FAQ)

Warum schlägt direktes Blitzlicht auf Fahrzeugen fehl? Direktes, hartes Licht erzeugt auf glänzenden Karosserien eine winzige, blendend helle Reflexion (Hotspot), die die Form des Fahrzeugs zerstört, statt sie zu betonen. Professionelle Automotive-Fotografie vermeidet hartes Direktlicht grundsätzlich und arbeitet ausschließlich mit großflächigen weichen Reflexionsflächen.

Wie viele Lichtquellen braucht man für ein Fahrzeug im Studio? Das hängt von der Fahrzeuggröße ab. Typische professionelle Setups verwenden 8 bis 20 Lichtköpfe, verteilt über Decke, Seiten und Hintergrund – plus separate Innenraumbeleuchtung. Für einfachere Setups reichen 4–6 Lichtköpfe mit großflächigen Modifiern aus, wenn sie durch Poly-Boards ergänzt werden.


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Weiterführend

  • Hunter, F. / Biver, S. / Fuqua, P. (2015): Light: Science and Magic. 4. Aufl. Focal Press.
  • Wallace, T. (2013): Tim Wallace: Automotive Photography. Ammonite Press.
  • Online: Fstoppers.com – „How to Light a Car in a Studio: Step-by-Step Guide"
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