Broad Lighting ist eine Portraitlicht-Technik, bei der die Hauptlichtquelle die breitere, von der Kamera abgewandte Seite des Gesichts beleuchtet, sodass die größere Gesichtsfläche hell ist und das Gesicht breiter und fülliger erscheint.
Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Broad-side Lighting, Breitseiten-Beleuchtung, Wide Lighting
Was ist Broad Lighting?
Broad Lighting ist das direkte Gegenstück zu Short Lighting. Während Short Lighting die kleinere, der Kamera zugewandte Gesichtsseite beleuchtet, fällt bei Broad Lighting das Licht auf die größere, von der Kamera abgewandte Seite. Das Ergebnis: Die im Kamerabild größere Fläche des Gesichts ist beleuchtet, die kleinere liegt im Schatten — das Gesicht wirkt optisch breiter und voluminöser.
Broad Lighting ist in der Portrait-Praxis seltener eingesetzt als Short Lighting, weil die meisten Kunden und Fotografen ein schlankes, dreidimensionales Erscheinungsbild bevorzugen. Es gibt jedoch Situationen und Gesichtsformen, für die Broad Lighting die bessere Wahl ist — insbesondere bei sehr schmalen, eingefallenen oder hageren Gesichtern.
Erklärung
Die Geometrie des Broad Lighting
Wie bei Short Lighting ist die Grundlage eine Drehung des Motivs aus der Kameraachse:
- Kurze Seite: Die der Kamera nähere, kleinere Fläche
- Lange Seite: Die der Kamera abgewandte, größere Fläche
Bei Broad Lighting wird die lange Seite (größere Fläche im Kamerabild) beleuchtet. Das Licht fällt somit auf die Rückseite des Gesichts, während die zugewandte Seite im Schatten liegt.
Wann ist Broad Lighting vorteilhaft?
Broad Lighting ist selten die erste Wahl, aber es gibt klare Anwendungsszenarien:
- Sehr schmale Gesichter: Menschen mit sehr langen, schmalen Gesichtszügen können durch Short Lighting noch schlanker und eingefallen wirken. Broad Lighting gibt diesen Gesichtern etwas Volumen zurück.
- Hochzeitsfotos mit Veil oder Kopfschmuck: Wenn ein großer Schleier oder Kopfschmuck die Schattenseite des Gesichts verdeckt, kann Broad Lighting optisch sinnvoller sein.
- Bewusste Formbetonung: In Mode- und Charakterportraits kann die breite, füllende Wirkung von Broad Lighting eine ästhetische Entscheidung sein.
- Ältere Personen mit eingefallenen Wangen: Broad Lighting kann Wangen auffüllen und ein frischeres, gesünderes Erscheinungsbild erzeugen.
Technische Umsetzung
Broad Lighting nutzt dieselben Lichtmuster wie Short Lighting — Loop, Rembrandt, Split — jedoch wird die Lichtquelle auf die gegenüberliegende Seite gestellt. Wenn man ein Motiv um 45° aus der Kamera herausdreht und nun das Licht auf die der Kamera abgewandte Seite richtet, entsteht Broad Lighting.
Lichtformer-Empfehlung:
- Große Softbox (120 × 80 cm): Weiches Broad Lighting für schmeichelhafte Wirkung
- Parabolschirm (100 cm): Schnell und unkompliziert
- Oktabox (80 cm): Für mehr Modellierung
Beispiele
- Portrait einer sehr schmalen Gesichtsform: Motiv 30° aus der Kamera herausgedreht, Softbox auf der langen Seite (Broad Side). Das Licht füllt das Gesicht optisch auf, der Kontrast zwischen Short- und Broad-Ergebnis ist beim Vergleich deutlich erkennbar.
- Broad Rembrandt (Fehler in der Praxis): Manchmal entsteht Broad Lighting ungewollt, wenn ein Fotograf einen Rembrandt-Winkel (45°/45°) einstellt, aber das Motiv falsch dreht. Das Lichtdreieck erscheint dann auf der Seite, die im Kamerabild mehr Fläche hat — Broad Rembrandt entsteht.
- Charakterportrait mit bewusster Breitwirkung: Fotograf wählt Broad Lighting für ein Portrait eines Politikers, um Autorität und Gewicht zu kommunizieren. Das breitere, füllendere Erscheinungsbild unterstreicht die Statur der Person.
- Hochzeitsportrait mit seitlichem Schleier: Der Schleier der Braut bedeckt eine Seite vollständig. Broad Lighting beleuchtet das sichtbare Gesicht von der Seite, die größere Fläche zeigt. Die beschattete Seite ist ohnehin hinter dem Schleier.
- Vergleich Short vs. Broad (Didaktik): In Fotografie-Kursen wird das Umschalten zwischen Short und Broad Lighting ohne jegliche Änderung des Setups demonstriert — das Motiv dreht sich einfach in die andere Richtung. Das macht die Wirkung unmittelbar erfahrbar.
In der Praxis
Setup-Anleitung:
- Motiv positionieren und Gesicht 30–45° aus der Kameraachse drehen.
- Bestimmen: Welche Seite ist die lange (größere) Seite? Das ist die Seite, von der das Motiv wegschaut.
- Lichtquelle auf diese lange Seite richten.
- Lichtmuster (Loop, Rembrandt) nach Wunsch einstellen.
- Probeaufnahme: Die beleuchtete Seite sollte die größere im Kamerabild sein.
- Fill Light oder Reflektor auf der kurzen (schattenseitigen) Seite.
Wichtiger Hinweis: In der Praxis wird Broad Lighting häufig versehentlich angewendet, wenn Fotografen das Lichtmuster einstellen, aber vergessen zu prüfen, ob das Licht auf die kurze oder lange Seite fällt. Ein schneller Test: Welche Gesichtshälfte erscheint größer im Kamerabild? Wenn diese auch heller ist, handelt es sich um Broad Lighting.
Wann bewusst wählen: Wenn das Motiv ein sehr schmales Gesicht hat und ausdrücklich wünscht, etwas voller zu wirken — oder wenn die Szene (z. B. durch Requisiten, Kleidung, Hintergrund) ein breiteres Lichtbild erzwingt.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Broad Lighting | Short Lighting |
|---|---|---|
| Beleuchtete Gesichtsseite | Lange (große) Seite im Bild | Kurze (kleine) Seite im Bild |
| Wirkung auf Gesichtsform | Breiter, fülliger | Schmaler, dreidimensionaler |
| Typischer Einsatz | Sehr schmale Gesichter, Charakterportrait | Runde/ovale Gesichter, kommerzielles Portrait |
| Häufigkeit in der Praxis | Seltener | Häufiger |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum wird Broad Lighting seltener eingesetzt als Short Lighting? In der kommerziellen Portraitfotografie wünschen sich die meisten Kunden ein schlankes, dreidimensionales Erscheinungsbild. Short Lighting erfüllt diesen Wunsch besser. Broad Lighting kann das Gesicht breiter und flacher wirken lassen, was für die meisten Portraitkunden unerwünscht ist. Broad Lighting ist daher eher ein Werkzeug für Spezialfälle oder bewusste ästhetische Entscheidungen.
Kann ich Broad Lighting durch einfaches Drehen des Motivs aus Short Lighting machen? Ja — wenn dasselbe Licht-Setup vorhanden ist und das Motiv sich in die andere Richtung dreht (sodass nun die große Seite zur Lichtquelle zeigt), wechselt Short Lighting automatisch zu Broad Lighting. Diese Flexibilität ist ein großer praktischer Vorteil: Ein Setup, zwei Varianten.
Verwandte Einträge
- Short Lighting — Gegenteil von Broad Lighting, schmalere Wirkung
- Rembrandt-Licht — Meist als Short Lighting realisiert
- Loop Lighting — Vielseitiges Muster, kombinierbar mit Short oder Broad
Weiterführend
- Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015. Kapitel 7.
- Nurnberg, Walter: Lighting for Photography. 15. Aufl. Focal Press, London 1968.
- Schäfer, Robert: Professionelle Portraitfotografie. Galileo Design, Bonn 2013.
- Kelby, Scott: Das Geheimnis professioneller Porträtfotografie. dpunkt.verlag, Heidelberg 2012.
