Broad Lighting und Short Lighting beschreiben, welche Gesichtshälfte bei einem Dreiviertelporträt vom Hauptlicht beleuchtet wird: die zur Kamera zugewandte (broad) oder die abgewandte, schmalere Seite (short).
Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Breitlicht, Kurzlicht, Wide Lighting (Broad), Narrow Lighting (Short)
Was ist Broad / Short Lighting?
Broad und Short Lighting sind keine eigenständigen Lichtsetups, sondern Qualifizierungen bestehender Setups – sie beschreiben, auf welche Seite des Gesichts das Hauptlicht trifft, wenn das Motiv nicht direkt in die Kamera schaut, sondern leicht gedreht ist.
Wenn das Gesicht leicht zur Seite gedreht ist, zeigt die Kamera stets eine größere (breite) und eine kleinere (schmale) Gesichtshälfte. Das Licht kann nun auf die breite Seite (= Broad Lighting) oder auf die schmale Seite (= Short Lighting) fallen. Diese simple Wahl verändert die wahrgenommene Gesichtsbreite erheblich und ist damit eines der wichtigsten Werkzeuge zur schmeichelhaften Inszenierung unterschiedlicher Gesichtsformen.
Erklärung
Broad Lighting bedeutet, dass das Hauptlicht von der Seite kommt, die dem Betrachter (der Kamera) zugewandt ist. Die größere, sichtbarere Gesichtshälfte liegt im Licht, die schmalere abgewandte Hälfte liegt im Schatten. Da die beleuchtete Fläche größer wirkt, erscheint das Gesicht breiter. Broad Lighting findet daher Anwendung bei schmalen oder langen Gesichtern, die optisch breiter und fülliger dargestellt werden sollen. Es erzeugt ein offenes, helles Bild, kann aber bei zu wenig Fülllicht auch einen unnatürlich großen dunklen Schatten auf der Kameraseite erzeugen.
Short Lighting platziert das Hauptlicht auf der Seite, die der Kamera abgewandt ist – also die schmalere, kleinere Gesichtshälfte liegt im Licht, die größere, der Kamera zugewandte Seite liegt im Schatten. Das Ergebnis ist ein schlankeres, schmäleres Erscheinungsbild des Gesichts. Short Lighting ist das deutlich gebräuchlichere der beiden Konzepte in der Portraitfotografie, da es bei den meisten Gesichtsformen schmeichelhafter wirkt und mehr Tiefe sowie Dreidimensionalität ins Bild bringt.
Die Licht-Schatten-Ratio (Fill Light Ratio) bleibt von der Wahl zwischen Broad und Short unberührt: Sie beschreibt das Verhältnis zwischen Hauptlicht und Fülllicht und ist unabhängig davon, auf welche Seite das Hauptlicht trifft. Short Lighting in Kombination mit einem Rembrandt-Setup und einer starken Ratio (z. B. 4:1) erzeugt dramatische, kontrastreiche Resultate; Short Lighting mit 2:1-Ratio und weichem Hauptlicht wirkt natürlich und alltagstauglich.
Wichtig: Die Begriffe Broad und Short beziehen sich stets auf das Hauptlicht, nicht auf eventuelle Akzent- oder Fülllichter. Der Hintergrund und das Haarlicht bleiben davon unberührt.
Beispiele
- Portrait-Fotografie: Short Lighting ist der Standard in der klassischen Porträtfotografie. Wird mit einem Loop- oder Rembrandt-Setup kombiniert und liefert bei 3/4-Pose schlanke, ausdrucksstarke Gesichter.
- Produktfotografie / Commercial: Broad Lighting wird in der Food- und Produktfotografie genutzt, wenn ein breites Objekt flächig und appetitlich beleuchtet werden soll.
- Film/Cinematografie: In Spielfilmen wird Short Lighting für dramatische Charaktere bevorzugt, Broad Lighting für offene, sympathische Szenen.
- Bekannte Fotografen: Yousuf Karsh verwendete konsequent Short Lighting für seine ikonischen Weltführerportraits und erzielte so die skulpturale Tiefenwirkung, für die er bekannt ist.
- DIY-Umsetzung: Eine einzige Stehlampe reicht aus: Motiv leicht drehen, Lampe auf die der Kamera abgewandte Seite stellen (Short), oder auf die zugewandte (Broad). Der Unterschied ist sofort sichtbar.
In der Praxis
- Motiv ca. 30–45° zur Seite drehen (Dreiviertelpose).
- Entscheiden, welche Seite beleuchtet werden soll (abhängig von Gesichtsform und Ziel).
- Für Short Lighting: Hauptlicht auf die der Kamera abgewandte Seite setzen (45° seitlich, 30–45° erhöht).
- Für Broad Lighting: Hauptlicht auf die der Kamera zugewandte Seite setzen.
- Fülllicht oder Reflektor gegenüber positionieren, um Schatten zu kontrollieren.
- Belichtung und Ratio je nach gewünschter Dramatik einstellen.
Empfehlung: Short Lighting als Standard; Broad nur bei nachweislich schmalem Gesicht oder spezieller gestalterischer Absicht.
Vergleich & Abgrenzung
Broad und Short Lighting beschreiben nicht das Lichtsetup selbst, sondern die Orientierung des Hauptlichts relativ zur Kamera-Motiv-Ausrichtung. Dasselbe Rembrandt-, Loop- oder Paramount-Setup kann in Broad oder Short ausgeführt werden. Split Lighting beleuchtet exakt 50 % des Gesichts – dort entfällt die Broad-vs.-Short-Unterscheidung, da keine dominante beleuchtete Seite existiert. Gegenlicht steht hinter dem Motiv und fällt damit in eine komplett andere Kategorie.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann sollte ich Broad Lighting verwenden? Broad Lighting empfiehlt sich bei sehr schmalen oder langgezogenen Gesichtern, die optisch voller und breiter erscheinen sollen. Außerdem bei High-Key-Setups, wo ein gleichmäßig helles Gesichtsbild gefragt ist. In den meisten anderen Fällen ist Short Lighting die bessere Wahl.
Kann ich Broad und Short Lighting auch mit natürlichem Licht umsetzen? Ja. Am Fenster einfach das Motiv so positionieren, dass das Fensterlicht entweder die zugewandte (Broad) oder abgewandte Seite (Short) beleuchtet. Das Prinzip funktioniert identisch mit Available Light und ist eine hervorragende Übungsmethode ohne Studioequipment.
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Weiterführend
- Hunter, F. / Biver, S. / Fuqua, P. (2015): Light: Science and Magic. 4. Aufl. Focal Press.
- Eismann, K. / Duggan, S. (2004): Portrait and Candid Photography. O'Reilly.
- Online: The Lighting Tutor – „Short vs. Broad: When to Use Each" (lighttutorial.com)
