Butterfly Lighting ist eine klassische Portraitlicht-Technik, bei der die Hauptlichtquelle direkt vor dem Motiv und deutlich oberhalb der Augenhöhe positioniert wird, sodass ein symmetrischer, schmetterlingsförmiger Schatten unter der Nase entsteht.
Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Paramount Light, Hollywood-Licht, Glamour-Beleuchtung, Schmetterlingslicht
Was ist Butterfly Lighting?
Butterfly Lighting, im amerikanischen Sprachraum oft als Paramount Light bezeichnet, ist eine Lichtführung, die direkt aus dem goldenen Zeitalter Hollywoods stammt. Die großen Filmstudios — allen voran Paramount Pictures — nutzten diese Technik in den 1930er und 1940er Jahren, um ihre Stars wie Marlene Dietrich, Greta Garbo und Audrey Hepburn in besonderem Glanz erscheinen zu lassen.
Das Charakteristikum dieser Technik ist der symmetrische Schatten, den die Nase direkt unter sich auf die Oberlippe wirft. Dieser Schatten ähnelt in seiner Form einem Schmetterling oder einer Fliege mit zwei gespannten Flügeln — daher der Name. Das Gesicht wird symmetrisch und gleichmäßig ausgeleuchtet, Wangenknochen und Kieferlinie werden betont.
Erklärung
Positionierung der Lichtquelle
Die Lichtquelle wird direkt in der Kameraachse (oder sehr nah daran) positioniert, jedoch deutlich erhöht — in einem Winkel von ca. 45° über Augenhöhe des Motivs. Der Fotograf schaut von hinten durch oder unter der Lichtquelle hindurch, oder die Lichtquelle wird direkt über der Kamera montiert (z. B. auf einem Auslegerarm/Boom).
Winkel: 0° seitlich, 45° von oben (Variationen: 30–60° möglich je nach Gesichtsform) Abstand: typischerweise 1–2 m je nach Lichtformer und gewünschter Weichheit
Der Schmetterlings-Schatten
Der Nasenschatten fällt symmetrisch nach unten und berührt idealerweise nicht die Oberlippe. Er sollte klar konturiert sein, aber nicht zu dunkel wirken. Die Länge des Schattens ist ein direktes Ergebnis des Höhenwinkels: Je steiler die Lichtquelle, desto länger der Schatten.
Kontrolle: Das Motiv leicht nach oben blicken lassen (Kinnneigung nach oben) verkürzt den Schatten. Leichtes Senken des Kinns verlängert ihn.
Reflektoren und Fill
Butterfly Lighting wird häufig mit einem Aufhellreflektor direkt unter dem Gesicht des Motivs kombiniert. Dieser liegt auf einem Tisch oder in den Händen des Motivs und füllt die entstehenden Augenhöhlenschatten auf. Ohne Reflektor entstehen dunkle Augenhöhlen, die das Gesicht müde wirken lassen können.
Lichtformer-Empfehlung:
- Beauty Dish (55–65 cm): Der klassische Lichtformer für Butterfly Lighting; erzeugt halbhartes, konturiertes Licht mit schönem Übergang
- Ringlicht: Erzeugt einen ringförmigen Catchlight und nahezu schattenfreies Licht; modern, beliebt in Social Media und Beauty-Fotografie
- Große Softbox von oben: Sehr weich, weniger kontrastreiche Variante
Beispiele
- Classic Hollywood Portrait: Beauty Dish (60 cm) direkt über der Kamera auf Boom-Arm, weißer Reflektor unter dem Kinn des Motivs. Motivkopf leicht nach oben geneigt. Schwarzer Hintergrund. Der symmetrische Schatten unter der Nase ist klar sichtbar.
- Beauty-Fotografie: Ringlicht direkt an der Kamera, großer weißer Reflektor unter dem Gesicht des Modells. Kein separates Haarlicht nötig; das Ringlicht erzeugt einen Ringleflekt in den Augen. Sehr modernes, glattes Erscheinungsbild.
- Modefotografie (Magazine): Softbox (120 × 120 cm) von oben (ca. 50° Winkel), direkt vorne ausgerichtet. Aufhellreflektor als Fill, ein Haarlicht von hinten für Kontur. Der Schmetterlingsshatten wirkt weich und schmeichelhaft.
- Low-Budget Butterfly mit Fenster: Große Fensterfläche, Motiv ca. 1 m vom Fenster entfernt, Fensterunterkante etwa auf Augenhöhe. Motiv so positionieren, dass das Licht leicht von oben-vorne fällt. Weißes Styropor unter dem Kinn als Reflektor.
- Beauty-Dish mit Gitter: Beauty Dish (65 cm) mit aufgesetztem Wabengitter (Grid), um Lichtstreuung zu minimieren. Ergibt einen kontrastreichen Butterfly-Look für Hochglanzmagazin-Ästhetik.
In der Praxis
Setup-Anleitung:
- Motiv platzieren, Blickrichtung zur Kamera (leicht nach oben geneigtes Kinn).
- Beauty Dish oder Softbox direkt vor und über dem Motiv positionieren (Mittelpunkt ca. 45° über Augenhöhe), Auslegerarm/Boom oder hoher Lichtständer nötig.
- Probeaufnahme: Schmetterlings-Schatten unter der Nase prüfen. Er sollte sichtbar und symmetrisch sein.
- Weißen Reflektor oder Styropor direkt unter das Kinn des Motivs halten (oder auf einen Tisch legen), um Augenhöhlenschatten aufzuhellen.
- Optional: Haarlicht (Stripbox) von hinten-oben für Trennung vom Hintergrund.
- Blendenmessung, Feinabstimmung.
Wichtig: Butterfly Lighting betont symmetrische Gesichtszüge und Wangenknochen sehr stark. Es eignet sich hervorragend für Gesichter mit ausgeprägten Wangenknochen und schlanken Zügen. Für runde oder breite Gesichtsformen kann es weniger schmeichelhaft sein — hier bietet Loop Lighting mehr Kontrolle.
Kameraeinstellungen: 85–135 mm Brennweite (Vollformat), ISO 100, Blende f/8–f/11 für scharfe Beauty-Aufnahmen, alternativ f/2,8–f/4 für sanften Bokeh-Hintergrund.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Butterfly Lighting | Loop Lighting | Rembrandt |
|---|---|---|---|
| Lichtposition seitlich | 0° (frontal) | 30–45° | 45° |
| Lichtposition Höhe | 45° | 30–45° | 45° |
| Nasenschatten | Symmetrisch unter Nase | Kleiner seitlicher Schatten | Dreieck auf Wange |
| Wirkung | Glamourös, symmetrisch | Natürlich, universal | Dramatisch, malerisch |
| Wangenbetoning | Stark | Moderat | Moderat |
Butterfly Lighting unterscheidet sich von allen anderen Lichtmustern durch seine frontale Ausrichtung. Alle anderen Muster (Loop, Rembrandt, Split) arbeiten mit mehr oder weniger ausgeprägtem seitlichem Versatz. Die Symmetrie ist das Alleinstellungsmerkmal: Beim Butterfly Lighting sehen beide Gesichtshälften beinahe identisch aus.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum heißt es auch Paramount Light? Der Name Paramount Light stammt direkt aus den Paramount Studios in Hollywood. Das Lichtsystem wurde dort in den 1930er Jahren zum Standard-Setup für Glamour-Portraits der Filmstars. Paramount-Fotografen wie George Hurrell und Clarence Sinclair Bull perfektionierten diese Technik und machten sie ikonisch. Die Bezeichnung ist heute vor allem im amerikanischen Sprachraum geläufig; im europäischen Raum dominiert der Begriff Butterfly Lighting.
Kann ich Butterfly Lighting ohne Boom-Arm umsetzen? Ja — eine Möglichkeit ist die Verwendung eines sehr hohen Lichtständers in Kombination mit einem stark nach vorne geneigten Kopf. Alternativ kann ein spezieller Auslegerarm (Boom) verwendet werden, der seitlich aufgestellt und über das Motiv geschwenkt wird. Ringlicht-Systeme sind besonders einfach, da sie direkt an der Kamera montiert werden und die Lichtquelle automatisch über dem Objektiv positioniert ist.
Verwandte Einträge
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- Catchlight — Wie Beauty Dish und Ringlicht unterschiedliche Augenlicht-Reflexionen erzeugen
Weiterführend
- Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015.
- Schäfer, Robert: Professionelle Portraitfotografie. Galileo Design, Bonn 2013. S. 106–120.
- Kelby, Scott: Das Geheimnis professioneller Porträtfotografie. dpunkt.verlag, Heidelberg 2012.
- Hurrell, George: Hollywood Glamour Portraits. Dover Publications, New York 1976. (Historische Referenz.)
