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Dauerlicht (Continuous Light) und Blitz sind zwei grundlegend unterschiedliche Beleuchtungstechnologien für Foto und Video — beide haben spezifische Stärken und Schwächen, die je nach Anwendungsfall, Budget und Arbeitsweise entscheiden, welches System vorzuziehen ist.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Continuous Light, Permanent Light, LED-Panel, HMI, Studioblitz, Monolight, Speedlight


Was ist der Unterschied zwischen Dauerlicht und Blitz?

Dauerlicht (Continuous Light): Die Lichtquelle leuchtet konstant und dauerhaft — was der Fotograf sieht, ist auch das, was die Kamera aufnimmt. Zu den Dauerlichtquellen zählen LED-Panels, Neonröhren (Kino Flo), HMI-Scheinwerfer, Glühlampen und Halogen-Spots.

Blitz (Strobe): Die Lichtquelle gibt einen sehr kurzen, intensiven Lichtblitz ab — typischerweise 1/1000 s bis 1/10000 s. In dieser kurzen Zeit ist die Lichtintensität um ein Vielfaches höher als bei Dauerlicht gleicher Nominalleistung. Zu den Blitzsystemen zählen Studioxenon-Blitze (Monolights, Packsets) und Systemblitze (Speedlights).


Erklärung

Lichtleistung und Beleuchtungsstärke

Der wichtigste Unterschied ist die Lichtleistung:

Blitz: Ein typischer 600-Ws-Studioblitz erzeugt beim Zünden eine Lichtintensität von ca. 5000–10000 Lux in 1 m Entfernung (je nach Lichtformer). Diese Intensität ist für eine sehr kurze Zeit vorhanden (1/1000 s bis 1/5000 s), aber sie ist so stark, dass sie selbst bei Tageslichtsituationen im Freien das Umgebungslicht übersteigen kann.

LED-Panel: Ein modernes, professionelles LED-Panel mit 200–500 W (elektrisch) erzeugt ca. 1000–3000 Lux in 1 m Entfernung — dauerhaft, aber viel schwächer als ein Blitz. Für helle Studiobedingungen (ISO 100, f/8) reicht ein einzelnes LED-Panel meist nicht aus; mehrere Panels oder höhere ISO-Werte sind nötig.

Faustformel: Blitz ist in der Lichtintensität beim Zünden typischerweise 5–20 Mal heller als gleichwertige LED-Panels.

Dauerlicht-Stärken

  1. WYSIWYG (What You See Is What You Get): Das Licht ist genau so sichtbar, wie es im Bild erscheint. Lichter und Schatten sind live beurteilbar — kein mentales Vorstellungsvermögen nötig.
  2. Video-tauglich: Dauerlicht ist für Videoaufnahmen unerlässlich. Blitze funktionieren nur für Einzelbilder, nicht für Videos (außer spezielle Blitz-Serien für Slowmotion).
  3. Einfache Bedienung: Kein Auslöser-Sync nötig; keine Sender/Empfänger-Systeme; keine Kabelverbindungen zwischen Kamera und Blitz.
  4. Einfrieren von Bewegung: Mit Dauerlicht wird die Verschlusszeit der Kamera für Bewegungseinfrierung verwendet, was intuitiver ist.
  5. Günstig im Einstiegsbereich: Einfache LED-Panels sind bereits ab 50–100 € erhältlich.

Blitz-Stärken

  1. Hohe Lichtleistung: Selbst kompakte Studioblitze erzeugen genug Licht, um mit Tageslichtsituationen zu konkurrieren. Das erlaubt niedrige ISO-Werte (100–200) und kleine bis mittlere Blenden (f/5,6–f/11).
  2. Einfrieren schneller Bewegungen: Die kurze Blitzdauer (1/1000 s bis 1/10000 s) friert selbst schnelle Bewegungen (Sprünge, Splashfotografie) scharf ein — unabhängig von der Kamera-Verschlusszeit.
  3. Kühl im Betrieb: Da das intensive Licht nur für einen Bruchteil einer Sekunde abgegeben wird, entstehen keine Wärmeprobleme. LED-Panels erhitzen bei längerer Nutzung die Szene.
  4. Tageslicht-Balance möglich: Blitze haben typischerweise eine Farbtemperatur von ca. 5500 K (Tageslicht), was sie einfach mit Tageslicht zu balancieren macht.
  5. Konsistenz: Professionelle Studioblitze liefern über tausende von Auslösungen eine konsistente Lichtmenge (Farbtemperatur und Intensität).

Wärmeentwicklung und Arbeitsbedingungen

LED-Panel: Moderierte Wärmeentwicklung; bei langen Shootings (3+ Stunden) wird das Licht warm, aber nicht gefährlich heiß. Modelle mit aktivem Lüfter (Kühlgebläse) sind kühler, aber laut.

HMI und Halogen (ältere Dauerlichtquellen): Sehr hohe Wärmeentwicklung; HMI-Scheinwerfer erzeugen intensive Hitze, die in geschlossenen Räumen die Lufttemperatur deutlich anhebt. Weniger relevant für moderne LED-Setups.

Blitz: Keine nennenswerte Wärme im Shooting-Bereich. Die Blitzröhre selbst erhitzt sich, ist aber vom Motiv weit entfernt.

Flimmern (Flicker)

Ein kritisches Problem bei Dauerlicht ist das Flimmern: Viele günstige LED-Panels flimmern mit der Netzfrequenz (50 Hz in Europa = 100 Schwingungen/Sekunde). Bei schnellen Verschlusszeiten (über 1/200 s) kann dieses Flimmern auf Aufnahmen als Hell-Dunkel-Streifen oder Belichtungsinkonsistenzen sichtbar werden.

Lösung: Anti-Flicker-LED-Panels kaufen (PWM-Frequenz von 10.000 Hz+), oder Kamera mit Flicker-Reduction-Funktion verwenden, oder langsame Verschlusszeiten einstellen (1/100 s oder 1/50 s).


Beispiele

  1. LED-Panel für Video-Interview: 2 LED-Panels (je 200 W Äquivalent) als Key und Fill. Einfache 3-Punkt-Beleuchtung für Video-Content ohne Blitzsynchronisation. ISO 800–1600, f/4, 1/100 s. Für YouTube, Corporate-Video, Podcast.
  2. Studioblitz für Portraitfotografie: Monolight (600 Ws) mit Oktabox (95 cm) als Key, Fill-Blitz (300 Ws) mit Reflektor. ISO 100, f/8, 1/200 s. Maximale Bildqualität und geringstes Rauschen.
  3. Hybrid-Setup (LED + Blitz): LED-Panel als konstantes Hintergrundlicht (Farbe oder Gradient), Studioblitz als Key Light für das Motiv. Kombiniertes Setup für kreative Flexibilität.
  4. Blitz für Splash-Fotografie: Wassertropfen fallen in ein Glas. Blitz mit sehr kurzer t0,1-Zeit (1/10000 s). Dauerlicht könnte diesen Moment nicht einfrieren — nur Blitz erzielt scharfe Momentaufnahmen.
  5. LED für Beauty-Session mit langen Takes: Makeup-Artist benötigt Zeit für das Styling; das Modell steht 30 Minuten im Licht. LED-Panels erzeugen kaum Wärme; mit Blitz wäre die Lichtmenge zwar besser, aber für Live-Begutachtung des Makeups während der Arbeit ist Dauerlicht komfortabler.

In der Praxis

Kaufentscheidung:

KriteriumDauerlicht (LED)Blitz
Nur FotografieGeht, aber limitiertEmpfohlen
Fotografie + VideoIdealEingeschränkt (Foto)
EinstiegsbudgetAb 50–100 €Ab 200–300 € (Monolight)
LichtleistungNiedrig bis mittelSehr hoch
PortabilitätVariabelKompakt (Speedlight)
WärmeModerat (LED)Gering
BedienungslernkurveGeringMittel

Praxistipp für Einsteiger: Wenn die Hauptanwendung Portraitfotografie ohne Video ist, sind Studioblitze die bessere Investition — sie liefern mehr Licht und bessere Bildqualität bei niedrigem ISO. Für Content Creator mit Video-Fokus sind hochwertige LED-Panels (Godox SL200II, Aputure 600D) die sinnvollere Wahl.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalLED-DauerlichtXenon-StudioblitzSpeedlight
LichtleistungMittelSehr hochMittel-hoch
VideotauglichJaNeinNein
Preis (Einstieg)GünstigMittelMittel
PortabilitätVariabelMittelSehr hoch
BewegungseinfrierungNein (nur Verschlusszeit)Ja (kurze Blitzdauer)Ja
Lebensdauer50.000+ Stunden (LED)40.000–80.000 Blitze20.000–50.000 Blitze

Häufige Fragen (FAQ)

Können LED-Panels mit Lichtformern (Softbox) kombiniert werden? Ja — die meisten LED-Panels können mit Softboxen, Modifikator-Adaptern und anderen Lichtformern ausgerüstet werden. Voraussetzung ist ein kompatibles Bajonett oder ein Universaladapter. Hersteller wie Godox, Aputure und Nanlite bieten eigene Lichtformer-Systeme für ihre LED-Panels an. Die Lichtqualität ist vergleichbar mit Blitz-Softboxen — nur die Intensität ist geringer.

Wann sind Blitze besser als LED, auch bei Video? Für Freeze-Frame-Slowmotion-Aufnahmen (Hochgeschwindigkeits-Video mit 1000+ fps) können gepulste Blitze als Dauerlichtquelle eingesetzt werden, wenn sie synchronisiert mit der Kamerafrequenz arbeiten. Diese Technik ist aber hochspezialisiert und erfordert spezielle Steuereinheiten. Für normale Video-Anwendungen (bis 120 fps) ist Dauerlicht immer die bessere Wahl.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015. Kapitel 3.
  • Brown, Blain: Cinematography: Theory and Practice. 3. Aufl. Focal Press, London 2016. (Dauerlicht in der Filmproduktion.)
  • Eastaway, Michael: Commercial Photography Handbook. Amherst Media, Buffalo 2010.
  • Hobby, John: Speedliter's Handbook. Peachpit Press, San Francisco 2011.
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