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Diffusoren sind Lichtmodifikatoren, die harte Lichtquellen in weiches, gestreutes Licht verwandeln — von der einfachen Schirmbox bis zur präzisen Stripbox — und sich in Form, Lichtqualität, Catchlight und Einsatzbereich deutlich unterscheiden.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Lichtformer, Light Modifier, Softboxen, Diffusionsschirm


Was sind Diffusoren?

In der Fotografie bezeichnet Diffusor jede Vorrichtung, die eine harte, gerichtete Lichtquelle (Studioblitz, LED-Panel, Dauerlicht) in eine weiche, diffuse Lichtquelle verwandelt. Das Prinzip dahinter ist die Vergrößerung der scheinbaren Lichtquelle: Je größer die leuchtende Fläche im Verhältnis zum Motiv-Abstand, desto weicher das Licht und desto sanfter die Schattenübergänge.

Der richtige Diffusor zu wählen ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Lichtsetzung. Er bestimmt nicht nur die Weichheit des Lichts, sondern auch die Form des Catchlights, die Ausbreitung des Lichts auf dem Hintergrund, die Kontrollierbarkeit und das ästhetische Erscheinungsbild des Portraits.


Erklärung

Schießschirm (Durchlicht- und Reflexionsschirm)

Typ: Reflexionsschirm (Licht wird hinter dem Schirm ausgerichtet, trifft den Schirm und wird zurückgeworfen) oder Durchlichtschirm (Licht durchdringt das transluzente Material) Lichtqualität: Sehr weich, diffus und unkontrolliert (Licht strahlt in alle Richtungen) Catchlight-Form: Rund mit Stiel-/Streben-Muster Größen: 70–120 cm Vorteile: Günstig, schnell aufzubauen, universell Nachteile: Wenig Kontrolle, viel Streulicht, hellt gesamten Raum auf

Schirme sind das günstigste und handlichste Diffusionswerkzeug. Sie eignen sich gut für Schul- und Pressefotografie, wo schnelle Aufbauten wichtig sind. Im Studiobereich werden sie durch präzisere Lichtformer ergänzt oder ersetzt.

Softbox (rechteckig)

Form: Rechteckig; Standardformate: 40 × 60, 60 × 90, 80 × 120, 100 × 150 cm Lichtqualität: Weich bis sehr weich, abhängig von Größe und Abstand Catchlight-Form: Rechteck Vorteile: Vielseitig, gute Lichtrichtung, reduziertes Streulicht durch Seitenwände Nachteile: Aufbauzeit höher als Schirm

Rechteckige Softboxen sind die meistverwendeten Lichtformer im Portraitstudio. Das Rechteck-Catchlight gilt als natürlich (ähnelt einem Fenster) und schmeichelhaft. Die Seitenwände der Box konzentrieren das Licht und reduzieren Streulicht.

Oktobox / Octabox

Form: Achteckig (8 Seiten); Standardformate: 75, 95, 120, 150 cm Durchmesser Lichtqualität: Sehr weich, durch größere runde Fläche oft sanftere Übergänge als Rechteck Catchlight-Form: Rundes Achteck (nähert sich Kreis an) Vorteile: Rundes, natürliches Catchlight; gleichmäßige Ausleuchtung; ideal für Ganzkörper-Portraits Nachteile: Voluminöser als Softbox; weniger gerichtetes Licht

Oktoboxen erzeugen ein rundes Catchlight, das vielen Fotografen ästhetisch ansprechend erscheint, da es an eine Sonne oder einen Mond erinnert. Besonders bei großen Formaten (120+ cm) erzeugen Oktoboxen eine sehr gleichmäßige, einwickelnde Ausleuchtung.

Stripbox (Streifen-Softbox)

Form: Sehr lang und schmal; Standardformate: 20–30 cm × 90–140 cm Lichtqualität: Weich, aber stark gerichtet durch das schmale Format Catchlight-Form: Schmales, vertikales Rechteck Vorteile: Ideal als Haarlicht; erzeugt schmale Lichtlinien; wenig Streulicht auf den Hintergrund Nachteile: Begrenzte Ausleuchtfläche; nicht für große Motive als Key Light geeignet

Stripboxen werden primär als Haarlicht oder Konturlicht eingesetzt. Ihr schmales Format erzeugt eine klare, vertikale Konturlinie auf dem Motiv. Als Key Light für Portraits sind sie weniger geeignet, können aber für spezielle Effekte (vertikale Lichtlinie auf dem Gesicht) interessant sein.

Beauty Dish

Form: Flache Schüssel (Dish) mit zentralem Reflektor; Durchmesser: 55–65 cm Lichtqualität: Halbhart — weicher als ein Standardreflektor, härter als eine Softbox Catchlight-Form: Großer Kreis mit kleinem dunklem Punkt in der Mitte (durch den zentralen Reflektor) Vorteile: Charakteristisches, konturiertes Licht; betont Gesichtsstruktur; klassisches Beauty-Licht Nachteile: Nicht sehr groß, ungeeignet für sehr weiches Licht; teurer als Softboxen

Der Beauty Dish erzeugt ein charakteristisches Licht, das weicher als ein Standardreflektor, aber kontrastreicher als eine große Softbox ist. Das Licht des Beauty Dish trifft zunächst einen zentralen Reflektor in der Mitte der Schüssel, der es nach außen streut. Das Ergebnis ist ein Licht mit einem interessanten Charakter: Es schmeichelt dem Gesicht, zeigt aber trotzdem Textur und Struktur.

Para (Parabolreflektor)

Form: Tiefe parabolische Schüssel; Größen: 50 cm bis 200 cm (offener Para) Lichtqualität: Sehr gerichtet und präzise, mit einem Kern aus hartem Licht und einem weichen Rand Catchlight-Form: Großer Kreis mit komplexem Reflexionsmuster Vorteile: Sehr präzise Lichtführung; bei offener Para mit Diffusor sehr weich; große Reichweite Nachteile: Teuer; komplexe Handhabung; Abstand vom Blitzkopf kritisch


Beispiele

  1. Schirm vs. Softbox: Gleiche Position, gleiche Intensität. Der Schirm hellt mehr den Raum auf (Wände werden sichtbar heller), die Softbox konzentriert das Licht stärker auf das Motiv. Im kleinen Studio macht das einen großen Unterschied.
  2. Rechteck-Catchlight (Softbox) vs. rundes Catchlight (Oktobox): Beide Lichtformer in gleicher Position und Größe. Im Auge des Motivs: Oktobox erzeugt ein rundes, weiches Licht; die Softbox erzeugt ein klares Rechteck. Persönliche Präferenz und Stilentscheidung.
  3. Beauty Dish für Konturportraits: Beauty Dish (60 cm) als Key Light bei 45°/40°. Das Licht modelliert das Gesicht stärker als eine gleichgroße Softbox — Wangenknochen, Nasenstruktur und Lippenkonturen werden plastischer. Für modische Hochglanzportraits sehr beliebt.
  4. Stripbox als Haarlicht: Eine 25 × 120 cm Stripbox von hinten-oben mit Grid. Der schmale Lichtformer erzeugt eine präzise Konturlinie entlang Haaren und Schultern, ohne den Hintergrund zu überfluten.
  5. Großer Oktobox für Ganzkörper: 150-cm-Oktobox als Key Light bei 45°/35°. Das große Format ermöglicht eine gleichmäßige Ausleuchtung von Kopf bis Knie ohne Belichtungsgradienten. Ideal für Mode und Ganzkörper-Portraits.

In der Praxis

Auswahlkriterien:

AnwendungEmpfohlener Lichtformer
Schnelles Portrait (Presse, Schule)Parabolschirm
Sanftes Beauty-PortraitGroße Softbox oder Oktobox
Konturiertes Fashion-PortraitBeauty Dish
Haarlicht / KonturlichtStripbox
Ganzkörper-ModeGroßer Oktobox (120–150 cm)
Dramatisches PortraitKleinere Softbox oder Standardreflektor

Grid-Einsatz: Fast alle Lichtformer können mit einem Wabengitter (Grid) ausgerüstet werden. Das Grid begrenzt den Abstrahlwinkel und reduziert Streulicht, erhöht aber gleichzeitig den Kontrast leicht und reduziert die Lichtmenge (ca. 0,5–1 Blende Verlust).


Vergleich & Abgrenzung

LichtformerWeichheitKontrolleCatchlightTypischer Einsatz
SchirmSehr weichGeringRund m. StielPresse, Schule
Softbox (eckig)WeichMittelRechteckPortrait, Beauty
OktoboxSehr weichMittelRundes AchteckPortrait, Ganzkörper
StripboxMittelHochSchmales RechteckHaarlicht, Kontur
Beauty DishHalbhartMittel-hochKreis mit PunktBeauty, Mode
ParaPräzise variabelSehr hochKreis komplexHigh-End Studio

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Softbox-Größe ist für Portraits optimal? Als Richtwert gilt: Eine Softbox sollte im Verhältnis zum Motiv-Abstand eine scheinbare Größe haben, die ein angenehmes Licht erzeugt. Für Halbportrait (Brust aufwärts) in ca. 1–1,5 m Abstand ist eine 80–100 cm Softbox ideal. Für Nahportraits kann eine 60 × 90 cm Softbox näher positioniert werden. Sehr große Softboxen (120+ cm) sind für Ganzkörper oder weiche Beauty-Aufnahmen besser geeignet.

Ist ein teurer Beauty Dish einen günstigeren wert? In Maßen. Das Grundprinzip des Beauty Dish ist einfach und auch günstige Modelle funktionieren gut. Teure Beauty Dishes bieten bessere Verarbeitung (formstabile Schüssel, präziserer zentraler Reflektor) und sind robuster. Für gelegentlichen Einsatz reichen günstige Modelle (40–80 €); für intensiven Studio-Einsatz lohnt sich Qualität (150–300 €).


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015. Kapitel 4.
  • Schäfer, Robert: Professionelle Portraitfotografie. Galileo Design, Bonn 2013. S. 30–55.
  • Kelby, Scott: Das Geheimnis professioneller Porträtfotografie. dpunkt.verlag, Heidelberg 2012.
  • Eastaway, Michael: Commercial Photography Handbook. Amherst Media, Buffalo 2010.
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