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Gobo und Fahne sind schwarze oder dunkle Panels und Tafeln, die im Foto- und Filmstudio eingesetzt werden, um Licht gezielt zu blockieren, Reflexionen zu verhindern, Lichtstreuung zu kontrollieren und das Licht auf bestimmte Bildbereiche zu begrenzen.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Gobo (Go Between), Fahne, Flag, Black Panel, Lichtabschirmung, Negativ-Reflektor


Was sind Gobo und Fahne?

Der Begriff Gobo leitet sich aus dem Englischen ab: „Go Between" — ein Objekt, das zwischen zwei Bereiche gestellt wird. Im Filmbereich bezeichnet Gobo oft ein großes, dunkles Panel auf einem Ständer; in der Fotografie und im Theater kann der Begriff auch andere Bedeutungen haben (z. B. perforierte Linse im Theaterlicht). In der Fotostudio-Terminologie meint Gobo jedoch ein lichtblockierendes Panel.

Eine Fahne (engl. Flag) ist eine kleinere, meist handlichere Version des Gobos — oft auf Stativklemmen montierbar oder von Hand gehalten. Sie wird eingesetzt, um gezielt kleine Lichtbereiche zu kontrollieren: eine Reflexion abzudecken, einen Lens Flare zu verhindern oder einen Lichtstreif auf dem Hintergrund zu unterbrechen.

Beide Werkzeuge sind scheinbar simpel, aber in der professionellen Lichtsetzung unverzichtbar. Sie bilden das Gegenstück zum Reflektor: Während der Reflektor Licht hinzufügt, nehmen Gobo und Fahne Licht weg.


Erklärung

Funktionsprinzipien

Licht blockieren (primäre Funktion): Gobo und Fahne werden zwischen einer Lichtquelle und einem Bereich positioniert, der nicht beleuchtet werden soll. Typische Anwendungen:

  • Verhindern, dass Licht in das Kameraobjektiv fällt (Lens Flare-Prävention)
  • Verhindern, dass das Haarlicht auf den Hintergrund streut und einen unerwünschten Lichtfleck erzeugt
  • Abhalten von Licht von bestimmten Körperbereichen (z. B. Brust oder Hals, wenn nur das Gesicht beleuchtet werden soll)

Kontrast schärfen: Wenn ein Lichtformer Streulicht in den gesamten Raum abgibt, kann das die Schattenseite des Motivs unkontrolliert aufhellen. Ein Gobo auf der Schattenseite des Motivs (als „Negativ-Reflektor") verhindert, dass Raumreflexionen die Schatten aufhellen — so bleibt der Kontrast des Key Lights erhalten.

Hintergrund kontrollieren: Licht, das für das Motiv gedacht ist, fällt oft auch auf den Hintergrund und hellt ihn unkontrolliert auf. Ein Gobo zwischen Lichtquelle und Hintergrund verhindert das.

Materialien und Bauformen

Fabrikate:

  • Professionelle Gobo-Panels: Meist stabiler Alurahmen mit schwarzem Molton oder schwarzer Pappe; Größen 60 × 90 cm bis 100 × 150 cm; auf Stativkopf montierbar
  • Fahnen (Flags): Kompakte Tafeln, 20 × 30 cm bis 40 × 60 cm; klemmbar an Stativstangen (Super Clamps, Baby Pins)
  • Matthews-Flags: Im Filmbereich weit verbreitet; standardisierte Größen (4 × 4 Zoll bis 18 × 24 Zoll)

DIY-Gobo: Schwarzes Foam-Core (Styrodur mit schwarzem Papier kaschiert) oder schwarzer Karton; sehr günstig und im Studio häufig anzutreffen. Nachteil: weniger stabil, wird bei Hitze der Blitze leicht wellig.

Wabengitter (Grid) als Soft-Gobo: Ein Grid auf einem Lichtformer erfüllt eine ähnliche Funktion wie ein Gobo: Es begrenzt das Licht auf einen engeren Kegel und verhindert, dass Licht seitlich in unerwünschte Bereiche streut. Grid und Gobo sind komplementäre Werkzeuge.

Gobo als Negativ-Reflektor

Eine oft übersehene Einsatzmöglichkeit ist die Verwendung des Gobos als Negativ-Reflektor. Dabei wird ein schwarzes Panel auf der Schattenseite des Motivs positioniert — nicht um Licht zu blockieren, sondern um zu verhindern, dass weiße Wände oder Decken das Licht zurückreflektieren. Das erhöht den Kontrast der Schattenseite spürbar. In kleinen weißen Studios ist diese Technik besonders wertvoll, weil weiße Wände als unerwünschte, unkontrollierbare Fill-Quellen fungieren.


Beispiele

  1. Haarlicht-Gobo: Das Haarlicht (Stripbox) strahlt von hinten-oben. Ohne Abschirmung fällt Licht in das Kameraobjektiv → Lens Flare. Ein kleines schwarzes Flag (30 × 40 cm), das an einem Stativarm zwischen Haarlicht und Kameraobjektiv montiert wird, eliminiert den Flare.
  2. Negativ-Reflektor für Kontrast: Im weißen Studio mit Rembrandt-Lighting. Die weißen Wände reflektieren Licht auf die Schattenseite des Motivs → Dreieck wird verwaschen. Schwarzes Gobo-Panel (80 × 100 cm) auf die Schattenseite stellen, 50 cm vom Motiv entfernt. Das Dreieck wird schärfer und kontrastreicher.
  3. Hintergrundkontrolle: Key Light beleuchtet das Motiv und strahlt unkontrolliert auf den grauen Hintergrund → Hintergrund erscheint fleckig. Gobo zwischen Key Light und Hintergrund positionieren. Der Hintergrund wird nun nur durch das separate Hintergrundlicht beleuchtet.
  4. Fahne für Hautreflexion: In der Nahaufnahme (Beauty-Portrait) erzeugt eine nahe Softbox Glanzlichter auf der Nase oder Stirn. Eine kleine schwarze Fahne, direkt über dem Lichtformer positioniert und nach unten geneigt, begrenzt den Lichtstrahl und reduziert das Glanzlicht auf der Stirn.
  5. Theater-Gobo (Durchlicht-Gobo): Im Theater-Bereich sind Gobos durchlochte Metallscheiben, die in Scheinwerfer eingesetzt werden und Lichtmuster erzeugen (Fenster, Blätter, Gitter). Für fotografische Hintergrundgestaltung (Gobos in Fresnel-Spots) ebenfalls verwendbar — ergibt strukturierte Lichtmuster auf dem Hintergrund.

In der Praxis

Einsatz im Studioalltag:

  1. Nach dem Aufbau: Probeaufnahmen machen und genau prüfen, ob unerwünschtes Streulicht auf dem Hintergrund, dem Motiv oder Lens Flare sichtbar sind.
  2. Lens Flare: Gobo/Fahne zwischen Hinterlicht und Kamera positionieren; so weit wie nötig, ohne ins Bild zu kommen.
  3. Weiße Wände aufhellen verhindern: Schwarzes Panel links und rechts neben dem Motiv, je nach Raumgröße ca. 40–80 cm entfernt. Hilft bei kleinen Studios besonders.
  4. Hintergrund kontrollieren: Gobo zwischen Key Light und Hintergrund stellen. Winkel so, dass das Motiv noch vollständig beleuchtet ist.
  5. Grid statt Gobo: Wenn möglich, zuerst mit Grid-Vorsatz am Lichtformer testen. Grid ist bequemer als ein separates Gobo.

Praxistipp: In gut ausgestatteten Studios sind Dutzende von schwarzen Fahnen in verschiedenen Größen vorhanden. Ein Fotografenkoffer mit 3–4 verschiedenen schwarzen Karton-Fahnen ist für on-Location-Shootings ausreichend und kostet fast nichts.


Vergleich & Abgrenzung

WerkzeugFunktionWirkung
GoboLicht blockieren, Negativ-ReflektorKontrast erhöhen, Streulicht verhindern
Fahne (Flag)Licht kleinteilig begrenzenLens Flare verhindern, Bereiche abdecken
ReflektorLicht hinzufügenSchatten aufhellen, Motiv aufhellen
GridLicht bündelnStreulicht begrenzen, Lichtfleck formen
DiffusorLicht weich machenHärte reduzieren, Schattenkante weich

Gobo und Fahne werden oft gemeinsam mit dem Reflektor verwechselt. Der Reflektor fügt Licht hinzu (weiß, silber, gold); Gobo und Fahne entfernen oder blockieren Licht (schwarz). Beide sind unverzichtbar — sie arbeiten zusammen, um Licht präzise zu formen.


Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich einen echten Gobo oder reicht schwarzer Karton? Für viele Anwendungen reicht schwarzer Karton oder schwarzes Foam-Core vollständig aus. Professionelle Gobo-Panels haben den Vorteil, dass sie stabiler sind, sich nicht verbiegen und sicher auf Stative montiert werden können. Für on-Location-Shootings ist ein stabiler Gobo wichtig; für das eigene feste Studio ist günstiches Foam-Core eine pragmatische Lösung.

Wann brauche ich kein Gobo? In großen Studios mit schwarzen Wänden oder im Freien (bei Nacht) ist Gobo kaum nötig, da keine Wände Licht zurückreflektieren. Im Außeneinsatz am Tag kann Gobo jedoch trotzdem sinnvoll sein, um Hintergrundkontrolle zu wahren oder Streulicht von benachbarten Lichtquellen zu blockieren.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015. Kapitel 5.
  • Brown, Blain: Cinematography: Theory and Practice. 3. Aufl. Focal Press, London 2016. (Ausführliche Film-Gobo-Systematik.)
  • Box, Harry C.: Set Lighting Technician's Handbook. 4. Aufl. Focal Press, London 2010. (Professionelles Filmequipment inkl. Gobo/Flag-Systematik.)
  • Schäfer, Robert: Professionelle Portraitfotografie. Galileo Design, Bonn 2013.
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