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Short Lighting ist eine Portraitlicht-Technik, bei der die Hauptlichtquelle die schmalere, der Kamera zugewandte Seite des Gesichts beleuchtet, während die breitere, von der Kamera abgewandte Seite im Schatten liegt — was das Gesicht optisch schmaler und dreidimensionaler wirken lässt.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Lichtsetzung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Short-side Lighting, Schmalseiten-Beleuchtung, Narrow Lighting


Was ist Short Lighting?

Short Lighting ist keine eigenständige Lichtsetzungstechnik mit fixer Lichtposition, sondern vielmehr ein Prinzip zur Beschreibung der Beziehung zwischen Lichtquelle, Motiv und Kamera. Der Begriff bezieht sich darauf, welche Seite des Gesichts beleuchtet wird: die „kurze" (schmale) Seite, also diejenige, die im Kamerabild weniger Fläche einnimmt.

Wenn eine Person leicht aus der Kamera herausgedreht ist, zeigt die dem Kameraobjektiv nähere Seite des Gesichts weniger Fläche (die „kurze" Seite). Short Lighting beleuchtet diese schmalere Seite. Das Ergebnis ist ein Gesicht, das durch die Schattenpartien auf der größeren, hinteren Fläche optisch schmaler wirkt.

Short Lighting kann in Kombination mit nahezu allen klassischen Lichtmustern realisiert werden: Short Loop Lighting, Short Rembrandt Lighting oder Short Split Lighting. Der Begriff short beschreibt nur das Prinzip, nicht den Winkel oder die Intensität.


Erklärung

Die Geometrie des Short Lighting

Um Short Lighting zu verstehen, hilft eine einfache Übung: Man dreht das Gesicht eines Motivs um etwa 30–45° aus der Kameraachse. Jetzt gibt es:

  • Eine kurze Seite: Die der Kamera nähere Wange — sie ist kleiner im Bild
  • Eine lange Seite: Die der Kamera abgewandte Wange — sie ist größer im Bild

Bei Short Lighting wird die kurze Seite (kleinere, sichtbare Fläche) beleuchtet. Da die größere Fläche im Schatten liegt, wirkt das Gesicht insgesamt schmaler.

Wirkung auf die Gesichtsform

Short Lighting ist besonders wirkungsvoll bei:

  • Runden Gesichtsformen: Der Schatten auf der breiteren Seite reduziert die wahrgenommene Breite erheblich.
  • Ovalen Gesichtsformen: Verstärkt die elegante Länge des Gesichts.
  • Quadratischen Gesichtsformen: Nimmt der Breite und Kantigkeit optisch Gewicht.

Weniger empfohlen bei:

  • Sehr schmalen, länglichen Gesichtsformen: Short Lighting könnte das Gesicht zu schmal und eingefallen wirken lassen. Hier ist Broad Lighting oft besser geeignet.

Rembrandt als Short Lighting

Ein klassisches Rembrandt-Setup ist fast immer Short Lighting, wenn das Motiv aus der Kamera herausgedreht ist: Das Licht fällt auf die kurze Seite (die der Kamera zugewandte Wange), und das Rembrandt-Dreieck entsteht ebenfalls auf dieser Seite. Das ist der häufigste und schmeichelhafteste Einsatz von Short Lighting.

Lichtformer-Empfehlung

Short Lighting funktioniert mit allen gängigen Lichtformern:

  • Softbox (80–120 cm): Für schmeichelndes, weiches Short Lighting im Porträt
  • Oktabox (80–100 cm): Guter Allrounder
  • Beauty Dish (55–65 cm): Für kontrastreichereres Short Lighting mit mehr Modellierung

Beispiele

  1. Portrait einer runden Gesichtsform: Motiv 45° aus der Kamera herausgedreht, Softbox (100 × 80 cm) als Key auf der kurzen (zugewandten) Seite, Blitzverhältnis 4:1. Das Gesicht wirkt sichtbar schlanker als bei einem direkten Frontlicht-Vergleich.
  2. Short Rembrandt: Motiv 35° gedreht, Key Light mit Beauty Dish bei 45°/45° auf der kurzen Seite positioniert. Das Rembrandt-Dreieck erscheint auf der kurzen Seite. Klassische, schmeichelhafte Portraitlichtsetzung.
  3. Short Loop: Lichtquelle bei 35°/35° auf der kurzen Seite. Kleiner Nasenschatten fällt zur schattenseitigen (langen) Wange. Natürlich wirkendes Licht mit vorteilhafter Formkorrektur.
  4. Vergleichsaufnahme Short vs. Broad: Dasselbe Motiv und Lichtsetup, aber einmal mit Short Lighting (Licht auf kurze Seite) und einmal mit Broad Lighting (Licht auf lange Seite). Der direkte Vergleich verdeutlicht den Unterschied in der Breitenwirkung eindrücklich.
  5. Hochzeitsportrait: Short Lighting mit großer Softbox (120 cm), Verhältnis 2:1, Haarlicht für Trennung. Die Braut erscheint schlanker, das Gesicht dreidimensionaler, ohne dramatisch zu wirken.

In der Praxis

Schritt-für-Schritt:

  1. Motiv positionieren und Gesicht 30–45° aus der Kamera herausdrehen. Klären: welche Gesichtsseite ist die kürzere (dem Objektiv nähere)?
  2. Lichtquelle auf die kurze Seite richten, bei dem gewünschten Lichtmuster (Loop, Rembrandt).
  3. Probeaufnahme: Im Kamerabild sollte die beleuchtete Gesichtsseite kleiner wirken als die schattenseitige.
  4. Reflektor oder Fill auf die Schattenseite (die größere, dem Kameraobjektiv abgewandte Seite) einstellen.
  5. Blitzverhältnis prüfen: 3:1 bis 4:1 für schmeichelnde Short-Lighting-Portraits; 6:1–8:1 für dramatische.

Praxistipp: Ein häufiger Fehler ist, das Motiv zwar zu drehen, aber die Lichtquelle nicht mitzudrehen. Damit die Beleuchtung auf die kurze Seite fällt, muss die Lichtquelle immer auf der Seite sein, zu der das Motiv blickt.

Verknüpfung mit Broad Lighting: Dreht man das Motiv um und beleuchtet nun die lange Seite, wechselt Short Lighting automatisch zu Broad Lighting. Beide Begriffe sind also zwei Seiten derselben Entscheidung.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalShort LightingBroad Lighting
Beleuchtete SeiteKurze (kleine) Wange im KamerabildLange (große) Wange im Kamerabild
WirkungSchmaler, dreidimensionalerBreiter, fülliger
Empfohlen fürRunde, volle GesichtsformenSehr schmale, eingefallene Gesichter
DramatikVariabel (je nach Muster)Variabel (je nach Muster)

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Short Lighting dasselbe wie Rembrandt-Licht? Nein. Rembrandt-Licht beschreibt einen spezifischen Lichtwinkel (45°/45°) und das charakteristische Lichtdreieck. Short Lighting beschreibt lediglich das Prinzip, welche Gesichtsseite beleuchtet wird. Rembrandt-Licht ist häufig Short Lighting, muss es aber nicht sein — wenn das Motiv so positioniert ist, dass das Dreieck auf der langen Seite entsteht, wäre es technisch Broad Rembrandt Lighting.

Wie erkenne ich im Vorhinein, welche Seite die kurze ist? Die kurze Seite ist immer die Seite, zu der das Motiv schaut. Wenn das Motiv leicht nach links blickt, ist die linke Wange die kurze (zur Kamera zugewandte, aber kleinere im Bild). Diese Wange beleuchtet man für Short Lighting.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hunter, Fil / Biver, Steven / Fuqua, Paul: Light – Science and Magic. An Introduction to Photographic Lighting. 5. Aufl. Focal Press, London/New York 2015.
  • Schäfer, Robert: Professionelle Portraitfotografie. Galileo Design, Bonn 2013.
  • Kelby, Scott: Das Geheimnis professioneller Porträtfotografie. dpunkt.verlag, Heidelberg 2012. S. 80–92.
  • Nurnberg, Walter: Lighting for Photography. 15. Aufl. Focal Press, London 1968. (Klassisches Werk mit ausführlicher Behandlung von Short und Broad Lighting.)
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