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Brennweite ist die in Millimetern angegebene optische Kenngröße eines Objektivs, die bestimmt, wie groß ein Motiv abgebildet wird und wie weit der Bildausschnitt reicht.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Objektive & Optik · Niveau: Einsteiger

Was ist Brennweite?

Die Brennweite beschreibt den Abstand zwischen dem optischen Mittelpunkt (Hauptebene) eines Objektivs und dem Sensor bzw. Film, wenn das Objektiv auf unendlich fokussiert ist. Je kürzer die Brennweite, desto weiter ist der Bildwinkel – das Objektiv „sieht" mehr von der Szene. Je länger die Brennweite, desto enger ist der Bildwinkel – entfernte Motive werden stärker herangezoomt.

Erklärung

Der Bildwinkel ist die direkte Konsequenz aus Brennweite und Sensorgröße. Ein Vollformatsensor (24 × 36 mm) liefert bei einem 50-mm-Objektiv einen Bildwinkel von rund 47°, der dem menschlichen Sehfeld sehr nahe kommt – daher der Begriff „Normalobjektiv". Bei einem APS-C-Sensor (ca. 23,5 × 15,6 mm bei Canon; 23,6 × 15,6 mm bei Nikon) beträgt der Crop-Faktor je nach Hersteller 1,5 (Nikon, Sony, Fujifilm) oder 1,6 (Canon). Eine 50-mm-Linse an einem APS-C-Gehäuse verhält sich bildwinkelmäßig wie eine 75-mm- bzw. 80-mm-Linse an Vollformat.

Diese Umrechnung nennt sich Brennweitenäquivalenz (oft auch: Kleinbildäquivalenz). Herstellerangaben bei Micro-Four-Thirds-Kameras (Crop-Faktor 2,0) müssen entsprechend verdoppelt werden; ein Olympus 25mm f/1,8 entspricht einem 50mm f/1,8 auf Vollformat was den Bildwinkel betrifft – die tatsächliche physikalische Brennweite bleibt jedoch 25 mm.

Die klassische Einteilung

KategorieVollformat-ÄquivalentTypischer Bildwinkel
Ultra-Weitwinkelunter 21 mmüber 90°
Weitwinkel21–35 mm63°–90°
Normalobjektiv35–58 mm40°–63°
Kurzes Tele58–105 mm24°–40°
Langes Teleüber 105 mmunter 24°

Die physikalische Definition der Brennweite geht auf die Linsengleichung zurück: 1/f = 1/g + 1/b, wobei f die Brennweite, g die Gegenstandsweite und b die Bildweite darstellt (vgl. Hecht, Optik, 5. Aufl., S. 159 ff.).

Brennweite und Perspektive

Brennweite und Kameraabstand gemeinsam bestimmen die Perspektive. Eine kurze Brennweite nah am Motiv erzeugt verzerrte, dynamische Perspektiven; eine lange Brennweite mit größerem Abstand komprimiert den Raum und lässt Vorder- und Hintergrund näher zusammenrücken. Dieser als Perspektivkompression bekannte Effekt ist unabhängig von der Sensorgröße – er entsteht durch den Kameraabstand, nicht durch die Brennweite selbst.

Beispiele

  1. 18 mm (Vollformat): Reisegruppe vor dem Kölner Dom – der gesamte Dom passt von wenigen Metern Abstand ins Bild, die Strebepfeiler wirken leicht gebogen.
  2. 35 mm: Straßenfotografie in der Berliner Markthalle – natürlicher Bildwinkel, minimale Verzerrung, handliches Objektivformat.
  3. 50 mm: Porträt auf einem Stadtfest – entspricht annähernd dem menschlichen Sehfeld, wirkt unaufgeregt und dokumentarisch.
  4. 135 mm: Sportfotografie am Spielfeldrand – der Läufer füllt den Bildausschnitt, Zuschauerreihen wirken komprimiert und cinematisch.
  5. 400 mm: Wildlife-Fotografie im Naturreservat – ein Seeadler in 200 Meter Entfernung erscheint formatfüllend; geringste Verwacklung erfordert Bildstabilisierung oder hohe Verschlusszeit.

In der Praxis

Einsteiger greifen häufig zum Kit-Zoom 18–55 mm (APS-C) oder 24–105 mm (Vollformat), das die wichtigsten Alltagsbrennnweiten abdeckt. Für die erste feste Brennweite empfiehlt sich ein 50 mm f/1,8 an Vollformat oder ein 35 mm f/1,8 an APS-C – beide kosten ca. 150–300 Euro und übertreffen Kit-Zooms in Lichtstärke und Schärfe deutlich.

Beim Kauf eines Objektivs sollte stets die Äquivalenzrechnung berücksichtigt werden. Wer von einer APS-C-Kamera auf Vollformat wechselt, muss Objektive nicht neu kaufen – nur die Referenzbrennnweite verschiebt sich.

Vergleich & Abgrenzung

Brennweite vs. Zoomfaktor: Der Zoomfaktor (z. B. 3×) gibt nur das Verhältnis von kürzester zu längster Brennweite an. Ein 3×-Zoom kann 20–60 mm oder 100–300 mm abdecken – der Zoomfaktor allein sagt nichts über den tatsächlichen Bildwinkel aus.

Brennweite vs. Lichtstärke: Die Brennweite beeinflusst den Bildwinkel; die Lichtstärke (f-Zahl) bestimmt die Lichtmenge pro Fläche. Beide sind unabhängige Kenngrößen, die gemeinsam auf der Objektivbezeichnung stehen – z. B. „Canon EF 50mm f/1,4 USM".

Physikalische vs. äquivalente Brennweite: Herstellerangaben auf Micro-Four-Thirds- und APS-C-Objektiven nennen immer die physikalische Brennweite. Vergleiche mit Vollformatobjektiven erfordern die Multiplikation mit dem Crop-Faktor.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Brennweite ist die beste für Einsteiger? Ein 35-mm-Objektiv (Vollformat) oder 24 mm (APS-C) gilt als vielseitigste Einsteiger-Festbrennweite: Es eignet sich für Reise, Straße, Reportage und halbwegs enge Räume. Für Portrait-Einsteiger empfiehlt sich dagegen ein 85 mm (Vollformat) oder 56 mm (APS-C).

Verändert sich die Brennweite beim Fokussieren? Bei einfachen Retrofokus-Konstruktionen nein, bei modernen Floating-Elements-Konstruktionen variiert die effektive Brennweite minimal beim Nahfokus. Für die Praxis ist der Unterschied vernachlässigbar; Makroobjektive verlieren bei 1:1-Abbildung jedoch effektiv bis zu einer halben Blendenstufe Lichtstärke.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Hecht, Eugene: Optik, 5. Auflage, De Gruyter Oldenbourg, 2014. Kapitel 5: Linsen und optische Instrumente.
  • Freeman, Michael: Das Auge des Fotografen, Stiebner Verlag, 2012.
  • Canon Camera Museum – Objektiv-Glossar:
  • Zeiss Lenses – Understanding Focal Length:
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