Filtersysteme sind standardisierte Systeme zur Befestigung von Glasfiltern vor einem Objektiv – entweder durch Einschrauben (Schraubfilter) oder durch einen Halter mit einschiebbaren Filterplatten (Systeme wie Lee, NiSi oder Cokin).
Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Objektive & Optik · Niveau: Einsteiger
Was sind Filtersysteme?
Kamerafilter werden zwischen Lichtquelle und Sensor geschaltet, um das Licht zu manipulieren: abschwächen (ND), polarisieren (Pol), Farbe beeinflussen (Farbfilter) oder schützen (UV/Schutzfilter). Die Art der Befestigung – durch Verschrauben oder durch ein Haltesystem – bestimmt, welche Filter genutzt werden können und wie flexibel der Fotograf ist.
Erklärung
Schraubfilter
Der einfachste Filtertyp: Ein Filter mit Innengewinde wird direkt auf das Außengewinde der Frontlinse geschraubt. Die Filtergröße entspricht dem Frontlinsendurchmesser des Objektivs, angegeben in Millimetern und mit dem Symbol Ø oder ⌀.
Typische Schraubfiltergrößen: 49 mm, 52 mm, 58 mm, 67 mm, 72 mm, 77 mm, 82 mm, 95 mm
Vorteile:
- Kompakt, leicht, immer griffbereit
- Günstiger in der Anschaffung
- Unverlierbar am Objektiv
Nachteile:
- Jedes Objektiv mit anderem Durchmesser braucht eigene Filter oder Adapter
- Rund = keine Grauverlaufsfilter möglich (außer kreisrunde Graduierfilter, die aber kaum nutzbar sind)
- Dickere Filter können bei Weitwinkel-Objektiven mechanische Vignettierung erzeugen
Adapter-Ringe: Filteradapter-Ringe (Step-Up, Step-Down) erlauben, einen 77-mm-Filter auf einem 67-mm-Gewinde zu nutzen (Step-Up) oder umgekehrt (Step-Down). Ein Set Universalfilter in 82 mm plus Step-Up-Ringe für alle kleineren Gewinde ist eine kosteneffiziente Lösung.
Rechteckige Systeme (Plattenfilter / Slotted Systems)
Modulare Systeme bestehen aus:
- Adapterring (auf das Objektiv geschraubt)
- Filterhalter (auf den Adapterring gesteckt/verschraubt)
- Filterplatten (eingeschoben in den Halter)
Marktführende Systeme:
| System | Format | Preis (Einstieg) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Lee Filters | 100 mm × 150 mm | ca. 200 Euro (Halter) | Profi-Standard, breites Sortiment |
| NiSi | 100 mm × 150 mm | ca. 180 Euro (Starter-Kit) | Sehr gute Optik, modernes Design |
| Cokin P (M) | 84 mm × 100 mm | ca. 30 Euro (Halter) | Günstig, aber kleine Filterfläche |
| Cokin X-Pro | 130 mm × 130 mm | ca. 80 Euro | Für Weitwinkel besser geeignet |
| Kase Wolverine | 100 mm × 150 mm | ca. 200 Euro | Magnetisches System, sehr komfortabel |
Vorteile von Rechtecksystemen:
- Grauverlaufsfilter (Graduated ND) lassen sich frei positionieren
- Ein Satz Filter für alle Objektive (mit verschiedenen Adapterringen)
- Einfaches Wechseln und Stapeln von Filtern
Nachteile:
- Größer und schwerer
- Höherer Anschaffungspreis
- Bei Ultrawei nklobjektiven (unter 16 mm) spezielle, breitere Filter nötig (150 mm × 150 mm oder 170 mm-Systeme wie NiSi S6/S7)
UV-Filter (Schutzfilter)
UV-Filter transmittieren sichtbares Licht und blockieren UV-Strahlung. Da moderne digitale Sensoren mit UV-Sperrfiltern ausgestattet sind, ist die UV-Filterwirkung für die Bildqualität irrelevant. Die Hauptfunktion moderner UV-Filter ist der Schutz der Frontlinse vor Kratzern, Feuchtigkeit und Staub.
Qualitätsunterschiede bei UV-Filtern sind erheblich: Günstige UV-Filter (< 20 Euro) können Bildschärfe, Kontrast und Gegenlichtverhalten negativ beeinflussen. Hochwertige UV-Filter (Hoya Pro1D, B+W XS-Pro MRC Nano, ca. 50–100 Euro) sind optisch neutral und vernachlässigbar im Einfluss.
Filterqualität und Auswahl
Für die Bildqualität gilt:
- Günstige Resinfilter (Kunststoff): Für Experimente und Einsteiger; deutliche Qualitätseinbußen in Schärfe und Kontrast
- Standardglas-Filter: Ausreichend für UV und einfache ND-Anwendungen
- Optisches Glas mit MC (Mehrschichtvergütung): Professioneller Standard; kaum Einfluss auf Bildqualität
- B+W, Hoya ProND, NiSi True Color: Marken mit konsistent hoher Qualität
Beispiele
- Landschaftsfotograf mit Lee 100mm-System: Stativ am Meeresküstenrand – 6-Stop-ND-Filter für 30 Sekunden Belichtung (weiche Meeresoberfläche), davor GND-Filter (Graduated ND) für die helle Horizontlinie.
- Videofotograf mit variablem ND: Kameramann dreht in wechselnden Lichtverhältnissen; der variable ND-Filter ermöglicht Anpassung der Belichtung ohne Blendenänderung (Blendenänderung würde Schärfentiefe verändern).
- Architekturfotograf mit Polfilter: Spiegelglasfront eines Hochhauses – Polfilter reduziert Reflexionen und zeigt die dahinterliegenden Räume.
- Einsteiger mit Step-Up-Ring: 67-mm-Objektiv an 77-mm-Filter – günstige Lösung, die alle Filterinvestitionen „nach oben skaliert".
- Makrofotograf ohne Filter: Konsequent keine Filter vor dem Objektiv – jede zusätzliche Glasfläche kostet Kontrast und kann Reflexionen erzeugen; Filter werden nur wenn nötig eingesetzt.
In der Praxis
Welches System für den Einstieg? Für Einsteiger in die Landschaftsfotografie ist ein Rechtecksystem (NiSi Starter-Kit 100 mm, ca. 200 Euro) die sinnvollste Investition – ein 6-Stop-ND und ein Polfilter decken die häufigsten Anwendungsfälle ab.
Für die Portraitfotografie und den Alltag genügt ein hochwertiger UV-Schutzfilter (B+W, Hoya) auf der Festbrennweite.
Für Videodreh ist ein variabler ND-Filter (Tiffen Variable ND, ca. 80 Euro; Hoya Variable Density, ca. 100 Euro) praktisch, da er eine Verschlusszeit-Kontrolle ohne Blendenänderung ermöglicht.
Filterkennzeichnung: Filter werden mit ihrer Größe (in mm) und Art (UV, ND, CPL) bezeichnet. „ND 8×" oder „ND 0.9" bedeuten 3 Blendenstufen Abschwächung; ND 1000× / ND 3.0 bedeuten 10 Blendenstufen.
Vergleich & Abgrenzung
Schraubfilter vs. Rechtecksystem: Schraubfilter für einfache, schnelle Anwendungen (UV-Schutz, fester Polfilter, fester ND); Rechtecksystem für Grauverlaufsfilter und flexible Filterkombinationen in der Landschaftsfotografie.
Glasfilter vs. digitale Simulation: Vignettierung, Polfiltereffekt und ND-Effekte lassen sich digital simulieren (Lightroom, DaVinci Resolve). Echter Polfiltereffekt (Reflexionsreduktion) lässt sich jedoch nicht digital nachahmen – Reflexionen, die nicht fotografiert wurden, kann keine Software zaubern.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich einen UV-Filter auf jedem Objektiv? Nicht zwingend. Der Nutzen liegt hauptsächlich im mechanischen Schutz der Frontlinse. Gegner argumentieren, dass UV-Filter Bildqualität kostet; Befürworter sagen, ein hochwertiger Filter (B+W MRC) sei optisch neutral. Als Kompromiss: UV-Filter bei Outdoor-Einsatz, kein Filter im kontrollierten Studio.
Kann ich günstige Cokin-Filter mit teuren Objektiven nutzen? Ja – optisch akzeptabel für UV und einfache Effekte. Für ND-Belichtungen mit langen Zeiten kann aber ein Cokin-Resinfilter einen leichten Farbstich (Sepia-Ton) hinzufügen, der in der Nachbearbeitung korrigiert werden muss.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Lee Filters – Produktübersicht und Anleitungen:
- NiSi Filters Deutschland:
- Hoya Filter Guide:
- B+W Filterprogramm (Schneider-Kreuznach):
