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Schärfentiefe (engl. Depth of Field, DoF) ist der Bereich vor und hinter dem Fokuspunkt, der auf dem fertigen Bild noch als scharf wahrgenommenen wird.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Objektive & Optik · Niveau: Einsteiger

Was ist Schärfentiefe?

Kein Objektiv kann mehr als eine einzige Ebene absolut scharf abbilden. Vor und hinter dieser Fokusebene werden Punkte zu kleinen Kreisen – sogenannten Zerstreuungskreisen (engl. Circle of Confusion, CoC). Solange diese Kreise kleiner sind als die menschliche Wahrnehmungsschwelle (typisch ca. 0,03 mm auf einem Vollformat-Ausbelichtung, je nach Betrachtungsabstand), gelten sie als „scharf". Die Schärfentiefe bezeichnet eben jene Tiefenausdehnung, innerhalb derer dieser Schwellenwert nicht überschritten wird.

Erklärung

Drei physikalische Parameter beeinflussen die Schärfentiefe. Sie lassen sich als einprägsames Dreieck merken: Blende – Abstand – Sensorformat.

1. Blende (f-Zahl)

Die Blende ist der stärkste und direktest steuerbare Faktor. Eine große Blende (kleiner f-Wert, z. B. f/1,4) erzeugt viel Licht, aber einen engen Schärfebereich. Eine kleine Blende (großer f-Wert, z. B. f/16) gibt weniger Licht hindurch, dehnt die Schärfentiefe aber stark aus. Die Beziehung ist nicht linear: Jede Blendenstufe (1 EV) verdoppelt bzw. halbiert die Lichtmenge, während die Auswirkung auf die Schärfentiefe ebenfalls signifikant, aber von Aufnahmesituation zu Aufnahmesituation unterschiedlich stark ist.

2. Fokusdistanz (Motivabstand)

Je näher das Motiv an der Kamera, desto geringer die Schärfentiefe. Diese Abhängigkeit ist bei Makro-Aufnahmen extrem spürbar: Bei einem 1:1-Abbildungsmaßstab (Makro) kann die Schärfentiefe selbst bei f/16 nur wenige Millimeter betragen. Im Porträtbereich (1,5–3 m Abstand) erlaubt selbst f/5,6 noch brauchbares Bokeh, während bei Landschaftsaufnahmen (unendlich) selbst f/4 eine enorme Tiefenschärfe liefert.

3. Sensorformat und Brennweite

Größere Sensoren produzieren – bei gleichem Bildwinkel und gleicher Blende – weniger Schärfentiefe als kleinere Sensoren. Das liegt daran, dass größere Sensoren längere physikalische Brennweiten erfordern, um denselben Bildwinkel zu erzielen, und längere Brennweiten weniger Schärfentiefe erzeugen. Ein Vollformatsensor mit einem 85-mm-Objektiv bei f/1,8 liefert deutlich mehr Freistellung als ein APS-C-Sensor mit einem 56-mm-Objektiv bei f/1,8 – obwohl die äquivalente Brennweite identisch ist.

Der Zerstreuungskreis

Der zulässige Zerstreuungskreis (CoC) richtet sich nach Sensorgröße und beabsichtigter Ausgabegröße. Übliche Richtwerte:

  • Vollformat (35 mm): CoC ≈ 0,030 mm
  • APS-C: CoC ≈ 0,019–0,020 mm
  • Micro Four Thirds: CoC ≈ 0,015 mm

Schärfentiefen-Apps und Tabellenrechner (z. B. der „PhotoPills DoF Calculator") nutzen diese Werte für genaue Vorausberechnungen.

Bokeh-Zusammenhang

Schärfentiefe und Bokeh sind verwandt, aber nicht identisch. Schärfentiefe beschreibt den messbaren Bereich, Bokeh beschreibt die ästhetische Qualität der unscharfen Bereiche. Ein Objektiv mit geringer Schärfentiefe kann trotzdem hässliches Bokeh erzeugen, wenn die Zerstreuungskreise unregelmäßig geformt sind (vgl. Eintrag Bokeh).

Beispiele

  1. Porträt mit 85 mm f/1,8 auf Vollformat, 2 m Abstand: Schärfentiefe nur ca. 3–4 cm. Augen scharf, Ohren bereits unscharf – klassische Portrait-Situation.
  2. Straßenfoto mit 35 mm f/8, 5 m Abstand: Schärfentiefe ca. 3–8 m. Alle Passanten auf dem Bürgersteig im Schärfebereich.
  3. Makro mit 100 mm f/11, 30 cm Abstand: Schärfentiefe ca. 5 mm. Nur ein Abschnitt eines Insektenauges erscheint scharf.
  4. Landschaftsfoto mit 24 mm f/11: Hyperfokaldistanz ca. 2 m. Alles von 1 m bis unendlich erscheint scharf.
  5. Wildlife mit 400 mm f/5,6, 15 m Abstand: Schärfentiefe ca. 40–50 cm. Tierkopf scharf, Körpermitte bereits weich – erfordert präzises Fokussieren.

In der Praxis

Für Porträtfotografie sind Blenden zwischen f/1,8 und f/2,8 üblich – die Augen des Motivs sollen scharf sein, der Hintergrund soll verschwimmen. Bei Gruppenporträts empfiehlt sich f/5,6 bis f/8, damit alle Gesichter scharf sind.

Für Landschaftsfotografie wird häufig mit der Hyperfokaldistanz gearbeitet: Durch Fokussieren auf diese Distanz erstreckt sich die Schärfe von der halben Hyperfokaldistanz bis unendlich. Apps wie PhotoPills berechnen diese Distanz für jedes Brennweite-Blende-Sensor-Kombination.

Für Produktfotografie im Studio wird oft abgeblendet (f/11–f/16), um das gesamte Objekt scharf abzubilden, und ggf. Focus-Stacking eingesetzt, um noch mehr Tiefe zu gewinnen.

Vergleich & Abgrenzung

Schärfentiefe vs. Schärfenebene: Die Schärfenebene ist geometrisch eine Ebene senkrecht zur optischen Achse. Bei Tilt-Shift-Objektiven kann diese Ebene gekippt werden (Scheimpflug-Prinzip), sodass sie schräg durch das Bild läuft.

Schärfentiefe vs. Unschärfe: Unschärfe kann auch durch Bewegung (Motion Blur) oder Fokusirrtum entstehen. Schärfentiefe bezieht sich ausschließlich auf geometrisch-optische Unschärfe.

Schärfentiefe vs. Auflösung: Selbst innerhalb des Schärfentiefenbereichs variiert die Schärfe. Nur die Fokusebene selbst ist maximal scharf; zur DoF-Grenze hin nimmt die Schärfe kontinuierlich ab.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist mein Porträt unscharf, obwohl ich f/1,8 gewählt habe? Bei f/1,8 und einem Abstand von 1,5 m (Halbporträt) beträgt die Schärfentiefe an einem Vollformat nur ca. 2–3 cm. Wenn der Autofokus auch nur minimal daneben liegt oder das Motiv sich minimal bewegt, fallen die Augen aus dem Schärfenbereich. Lösung: AF-Feldselektion auf das dem Auge zugewandte Feld reduzieren, ggf. auf f/2,8 abblenden.

Verbessert Abblenden immer die Schärfe? Nicht unbegrenzt. Ab etwa f/11 bis f/16 (Vollformat) setzt Beugungsunschärfe (Diffraktion) ein, die die Gesamtschärfe des Bildes trotz größerer Schärfentiefe verschlechtert. Der optimale Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Beugungsunschärfe liegt je nach Sensor und Pixelzahl häufig bei f/8.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Hecht, Eugene: Optik, 5. Auflage, De Gruyter Oldenbourg, 2014. Kapitel 6.3: Tiefenschärfe.
  • Freeman, Michael: Das Auge des Fotografen, Stiebner Verlag, 2012, S. 88–101.
  • PhotoPills DoF Calculator:
  • DXOMark Lens Scores & Depth of Field Data:
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