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Vignettierung ist der Helligkeitsabfall vom Bildzentrum zu den Bildecken, der durch optische, mechanische oder pixelbezogene Ursachen entsteht.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Objektive & Optik · Niveau: Einsteiger

Was ist Vignettierung?

Der Begriff stammt vom französischen vignette (Rankenornament, Randverzierung). In der Fotografie bezeichnet er einen Effekt, bei dem die Bildecken dunkler sind als das Zentrum. Dieser Helligkeitsabfall kann störend wirken (bei dokumentarischen Aufnahmen) oder bewusst als Stilmittel eingesetzt werden (für Portäts, Vintage-Ästhetik, Fokussierung auf das Bildmotiv).

Erklärung

Arten der Vignettierung

Es gibt vier unterschiedliche Ursachen:

#### 1. Optische Vignettierung (Natürliche Vignettierung)

Die häufigste Form. Entsteht, weil bei offener Blende die äußeren Lichtbündel einen längeren Weg durch das Objektiv haben und teilweise abgeschattet werden. Mathematisch folgt sie dem cos⁴-Gesetz: Die Helligkeit in einem Winkel θ zur optischen Achse fällt proportional zum cos⁴(θ) ab. Bei einem Bildwinkel von 45° beträgt die theoretische Helligkeitsabnahme allein durch diesen Effekt bereits ca. 50% (1 Blendenstufe).

Praktisch wirken optische Vignettierungen weich und gleichmäßig. Sie sind:

  • Am stärksten bei offener Blende (f/1,4–f/2,8)
  • Durch Abblenden um 2–3 Stufen stark reduzierbar
  • Mit Objektivprofilen in Lightroom/Capture One korrigierbar

#### 2. Mechanische Vignettierung

Entsteht durch physikalische Abschattung des Lichtwegs durch:

  • Den Objektivtubus selbst (zu enge Baulänge)
  • Zu dicke Schraubfilter (besonders problematisch bei Weitwinkelobjektiven)
  • Falsch dimensionierte Filteradapter oder Objektivadapter
  • Aufgesetzte Gegenlichtblenden, die zu tief in den Strahlengang ragen

Mechanische Vignettierung erzeugt harte, abgeschnittene Ecken – oft erkennbar an geraden Kanten im Abdunklungsbereich. Sie lässt sich durch Entfernen des Filters oder durch eine andere Gegenlichtblende beheben und wird durch Abblenden nicht wesentlich reduziert.

#### 3. Pixel-Vignettierung (Sensor-Vignettierung)

Besteht bei CCD- und CMOS-Sensoren, da Pixelelemente Licht effizienter erfassen, wenn es senkrecht auftrifft. Schräg einfallendes Licht wird weniger vollständig zum aktiven Bereich des Pixels gelenkt. Dieser Effekt ist bei spiegellosen Kameras mit kurzem Auflagenabstand relevant, wenn ältere DSLR-Objektive adaptiert werden (vgl. Eintrag Objektivadapter).

#### 4. Digitale Vignettierung

Bewusst hinzugefügter Abdunklungseffekt in der Nachbearbeitung – kein Fehler, sondern Gestaltungsmittel.

Messung und Quantifizierung

Vignettierung wird in EV (Exposure Values) oder Blendenstufen gemessen – der Helligkeitsunterschied zwischen Bildmitte und -ecke. Typische Werte:

  • < 0,5 EV: Kaum sichtbar
  • 0,5–1,0 EV: Sichtbar, bei vielen Objektiven bei offener Blende normal
  • 1,0–2,0 EV: Deutlich sichtbar, Korrektur empfohlen
  • > 2,0 EV: Stark – typisch bei lichtstarken Weitwinkelobjektiven bei offener Blende (z. B. Sony FE 16-35mm f/2.8 GM bei f/2.8: ca. 2,7 EV)

Abblenden als Korrektiv

Bei optischer Vignettierung reichen oft 2–3 Blendenstufen, um den Effekt auf unter 0,5 EV zu reduzieren. Das Canon EF 35mm f/1,4 L II hat bei f/1,4 ca. 2,0 EV Vignettierung – bei f/4 bereits unter 0,3 EV.

Software-Korrektur

  • Adobe Lightroom Classic: Entwickeln → Korrekturen → Objektivprofil → automatische Vignettierungskorrektur; alternativ manuell unter „Effekte" (zum Hinzufügen digitaler Vignettierung)
  • Capture One: Vignettierung-Regler im Linsenkorrektur-Panel
  • In-Kamera: Fujifilm, Sony, Olympus/OM System korrigieren Vignettierung bei JPEG-Ausgabe automatisch

Beispiele

  1. Sony FE 85mm f/1,4 GM bei f/1,4: Ca. 1,8 EV Vignettierung – weicher, gleichmäßiger Abfall; bei Portraitfotografen oft als angenehm empfunden, weil es das Gesicht im Zentrum hervorhebt.
  2. Weitwinkelzoom 16–35mm f/2,8 bei 16 mm f/2,8: Ca. 2,7 EV – deutlich sichtbar bei Architekturaufnahmen; Profilkorrektur notwendig.
  3. Schraubfilter 77 mm an 16-mm-Weitwinkel: Mechanische Vignettierung durch zu dicken Filterrahmen – harte Abschneidung der Ecken.
  4. Leica M (1950er-Objektiv an Sony a7): Starke Pixel-Vignettierung und Farbwechsel in den Ecken durch schrägen Lichteinfall auf modernen CMOS-Sensor.
  5. Digitale Vignette, Lightroom-Porträt: -20 Punkte Vignettierung im Effekte-Panel zieht den Blick sanft auf das Gesicht – klassischer Porträt-Finish-Look.

In der Praxis

Wann Vignettierung korrigieren:

  • Dokumentarische Fotografie, Architektur, Produktfotos: Immer korrigieren
  • Reportage und Straßenfotografie: Nach Geschmack; leichte Vignettierung lenkt das Auge auf das Motiv
  • Portrait: Oft bewusst belassen oder leicht verstärkt

Wann Vignettierung kreativ einsetzen: In der analogen Fotografie war natürliche Vignettierung unvermeidlich und wurde zum ästhetischen Merkmal der Epoche. Digitale Retro-Ästhetik imitiert diesen Effekt. Kamerafilter-Apps (VSCO, Afterlight) verwenden Vignettierung als Standard-Look-Element.

Effiziente Korrektur im Workflow: Lightroom-Objektivprofile aktivieren und einen Entwicklungs-Preset mit aktivierter Profilkorrektur als Standard-Importpräset einstellen – Vignettierung wird dann bei jedem Import automatisch korrigiert.

Vergleich & Abgrenzung

Vignettierung vs. Verzeichnung: Verzeichnung verbiegt Linien; Vignettierung verdunkelt Ränder. Beide sind separate Objektivfehler.

Vignettierung vs. Lens Flare: Lens Flare entsteht durch Streulicht im Objektiv bei Gegenlicht; Vignettierung ist ein gleichmäßiger Abfall, der bei allen Lichtbedingungen auftritt.

Optische vs. digitale Vignette: Die optische hat eine natürlich fließende Kurve; die digitale Vignette in Lightroom ist parametergesteuert. Für authentischen Vintage-Look kopieren manche Fotografen optische Vignettierungsprofile statt digitaler Kreismasken.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich die Vignettierung durch Verwenden eines kleineren Sensors vermeiden? Wenn ein Vollformat-Objektiv an einer APS-C-Kamera eingesetzt wird, nutzt der Sensor nur den schärfsten, zentral beleuchteten Bereich des projizierten Bildkreises – Vignettierung reduziert sich dadurch oft deutlich.

Meine Fotos werden in den Ecken grünlich statt nur dunkler – was ist das? Dieses Phänomen (Farbvignettierung, Color Cast Vignetting) tritt auf, wenn Licht besonders schräg auf Pixel trifft. Ursache ist oft eine Kombination aus altem Objektiv, kurzem Auflagenabstand und empfindlichem CMOS-Sensor. Abhilfe: neuere Objektive mit passendem Auflagenabstand verwenden oder per Software korrigieren (Lightroom-Farbvignettierungskorrektur).

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Hecht, Eugene: Optik, 5. Auflage, De Gruyter Oldenbourg, 2014.
  • Nasse, H. H. (Zeiss): Vignetting, Zeiss Camera Lens Division, 2008. Kostenlos unter zeiss.com.
  • DxOMark – Messung von Vignettierung:
  • Adobe Lightroom Handbuch – Objektivkorrekturen:
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