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Capture One ist eine professionelle RAW-Entwicklungs- und Bildverwaltungssoftware des dänischen Unternehmens Phase One, die sich durch exzellente Farbwiedergabe, kameraspezifische Profile und einen tethered-Shooting-Workflow besonders für Werbe- und Modefotografen auszeichnet.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: RAW-Workflow & Bildbearbeitung · Niveau: Fortgeschritten

Synonyme / Auch bekannt als: C1, Capture One Pro, CO


Was ist Capture One?

Capture One wurde ursprünglich als Tethering-Software für Phase-One-Mittelformatkameras entwickelt und ist heute eine vollwertige, eigenständige RAW-Entwicklungssoftware für Fotografen aller Kamerasysteme. Das Programm gilt unter vielen Modefotografen, Werbefotografen und Studiofotografen als Alternative zu Adobe Lightroom – und in bestimmten Bereichen, vor allem bei der Farbkorrektur, als überlegen.

Das Programm ist als Kauflizenz (Capture One Pro) sowie als Abonnement erhältlich. Für spezifische Kamerasysteme wie Sony oder Nikon bietet Phase One vergünstigte, kamerabeschränkte Versionen an.


Erklärung

Farbwiedergabe

Der wichtigste Vorteil von Capture One gegenüber Lightroom ist die Farbwiedergabe. Phase One pflegt für hunderte Kameramodelle individuelle ICC-Profile, die die spezifischen Farbcharakteristika jeder Kamera abbilden. Das Ergebnis: RAW-Bilder wirken in Capture One oft brillanter und „fertiger" direkt nach dem Import.

Capture One nutzt ein eigenes Farbengine-Modell mit einem breiteren Gamut als Lightroom. Besonders im Bereich Hauttöne und gesättigte Farben werden Unterschiede sichtbar.

Ebenen und lokale Korrekturen

Capture One unterstützt seit Version 11 Bearbeitungsebenen (Layer), die nichtdestruktiv über das Bild gelegt werden. Jede Ebene kann mit einer eigenen Maske versehen werden – gezeichnet mit Pinsel, Farbbereich oder Luminanzmaske. Dies ermöglicht ein granulares Korrektursystem ohne Photoshop.

Tethering

Das professionelle Tethering – die direkte Kabelverbindung zwischen Kamera und Computer zur sofortigen Bildübertragung – ist in Capture One besonders ausgereift. Studioaufnahmen können in Echtzeit am großen Monitor beurteilt werden. Unterstützte Kameras umfassen Nikon, Canon, Sony, Phase One, Hasselblad und weitere.

Filmkurven und Basischarakter

Capture One arbeitet mit sogenannten ICC-basierten Farbprofilen und einer separaten Filmkurve (Curve Tone). Die Filmkurve bestimmt den Grundkontrast und die Tonwertwiedergabe des Bildes vor allen manuellen Korrekturen. Sie ist vergleichbar mit dem Filmcharakter analoger Emulsionen.

Stile und Preset-System

Capture One verwendet ein umfangreiches Stile-System (vergleichbar mit Lightroom-Presets). Stile können auf einzelne Werkzeuge beschränkt werden – so lässt sich z. B. nur die Farbanpassung eines Stils übernehmen, ohne Belichtung oder Schärfung zu beeinflussen.


Beispiele (5 konkrete Beispiele mit Schritt-für-Schritt)

1. Farbkorrektur mit dem Farbeditor

  1. Capture One öffnen → Bild importieren
  2. Reiter „Farbe" → Werkzeug „Farbeditor" öffnen
  3. Im „Basis"-Modus: Schieberegler für Farbton, Sättigung, Helligkeit pro Farbbereich anpassen
  4. Im „Erweitert"-Modus: Pipette auf eine bestimmte Farbe im Bild klicken → nur dieser exakte Farbbereich wird bearbeitet
  5. Vorteil: Deutlich feinere Kontrolle als Lightroom-HSL, da der Farbbereich frei definierbar ist

2. Lokale Korrektur mit Ebene und Luminanzmaske

  1. Im Bearbeitungsbereich unten links auf das „+"-Symbol klicken → „Neue Korrektionsebene"
  2. Ebene benennen (z. B. „Himmel aufhellen")
  3. Im Masken-Panel: „Luminanz-Maske" aktivieren → helle Bereiche automatisch auswählen
  4. Belichtung, Kontrast und Farbe dieser Ebene anpassen → Wirkung nur auf maskierte Bereiche

3. Tethering einrichten (Sony Alpha)

  1. Kamera per USB-Kabel anschließen (USB 3.0 empfohlen)
  2. In Capture One: Datei → Tethered Shooting → Kamera verbinden
  3. Aufnahmeordner und Namensvorlage festlegen
  4. Auslöser drücken → Bild erscheint innerhalb von 1–2 Sekunden auf dem Bildschirm
  5. Live-View für Kompositionsprüfung: Kamera → Live-View aktivieren → in Capture One sichtbar

4. Kamerabasiertes ICC-Profil wählen

  1. Reiter „Farbe" → Bereich „ICC-Profil"
  2. Dropdown öffnen → kameraspezifische Profile anzeigen (z. B. „Sony A7 IV – Vivid", „Sony A7 IV – Neutral")
  3. Profile vergleichen und das passende wählen
  4. Profil kann als Standard für alle Bilder dieses Kameramodells festgelegt werden

5. Stile nur auf Farbkorrektur anwenden

  1. Stile-Panel öffnen (Menü: Stile und Presets)
  2. Gewünschten Stil mit der rechten Maustaste anklicken
  3. „Selektiv anwenden" wählen → Checkbox-Liste der enthaltenen Werkzeuggruppen erscheint
  4. Nur „Farbeditor" und „Farbbalance" auswählen → OK
  5. Belichtung und Schärfung bleiben unberührt

In der Praxis

In professionellen Mode- und Werbefotografie-Studios ist Capture One Branchenstandard. Agenturen wie Getty Images und Shutterstock empfehlen Capture One explizit für die Bildablieferung.

Die Lernkurve ist steiler als bei Lightroom: Das Interface ist weniger intuitiv, und die Terminologie weicht von Lightroom ab (z. B. heißen Presets in C1 „Stile", die Katalogverwaltung „Session vs. Katalog"). Dennoch investieren viele Fotografen die Einarbeitungszeit, sobald sie die Qualität der Farbwiedergabe erlebt haben.

Sessions vs. Kataloge: Capture One bietet zwei Organisationsmodelle. Sessionen sind ordnerbasiert und ideal für kurzfristige Shootings; Kataloge eignen sich für große Bibliotheken wie Lightroom-Kataloge. Viele Studiofotografen nutzen Sessionen für jedes Shooting und importieren nur die Endauswahl in einen Katalog.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalCapture One ProAdobe Lightroom Classic
FarbwiedergabeHervorragend (kameraspezifisch)Sehr gut
TetheringProfessionell, zuverlässigSolide
LernkurveSteilModerat
Ebenen/LayerJa (eingeschränkt vs. PS)Ja (begrenzt)
Plugin-ÖkosystemKleinerSehr groß
Preis (Kauf)~350 €Nur Abo
Abo-Preis~25 €/MonatTeil von CC (~12 €/Monat)
KI-FeaturesZunehmen (Masken, KI-Rauschreduz.)Adobe Sensei (sehr ausgereift)

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich meinen Lightroom-Katalog zu Capture One migrieren? Capture One bietet eine Import-Funktion für Lightroom-Kataloge. Dabei werden Ordnerstruktur, Bewertungen und grundlegende Bearbeitungen (Belichtung, Weißabgleich) übernommen. Komplexe Lightroom-spezifische Anpassungen (z. B. Maskierungen, Punktheilungen) werden nicht migriert und müssen neu erstellt werden.

Ist Capture One besser als Lightroom? Das hängt vom Anwendungsfall ab. Für Mode, Werbung und Studiofotografie mit Tethering ist Capture One oft die bessere Wahl. Für Reisefotografen, die ein großes, gut integriertes Ökosystem (Lightroom + Photoshop + Cloud) schätzen, bleibt Adobe die praktischere Lösung (Nightingale 2019, S. 210).


Verwandte Einträge

  • DxO PhotoLab – Alternative RAW-Software mit KI-gestützter Optikkorrektur
  • HSL-Regler – Selektive Farbkorrektur, wie sie in Capture One und Lightroom funktioniert
  • Luminanz-Maskierung – Präzise Auswahltechnik, die Capture One besonders gut beherrscht

Weiterführend

  • Phase One (2024). Capture One User Guide. phaseone.com/support
  • Nightingale, D. (2019). A Practical Guide to Digital Photography. London: Thames & Hudson. S. 205–215.
  • Kelby, S. (2020). Das Adobe Photoshop Lightroom Classic Buch. dpunkt.verlag. Vergleichskapitel S. 320.
  • YouTube: „Capture One Tutorials" – captureone.com/tutorials
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