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Generative Fill ist eine KI-gestützte Photoshop-Funktion (seit 2023), die auf dem Bildgenerierungsmodell Adobe Firefly basiert und es ermöglicht, Bildbereiche durch KI-synthetisierten Inhalt zu füllen, zu erweitern oder zu ersetzen – gesteuert durch Texteingaben in natürlicher Sprache.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: RAW-Workflow & Bildbearbeitung · Niveau: Fortgeschritten

Synonyme / Auch bekannt als: Generative KI in Photoshop, Adobe Firefly Fill, KI-Füllung, Generative Erweiterung


Was ist Generative Fill?

Adobe integrierte Generative Fill im Mai 2023 als Beta-Funktion in Photoshop und veröffentlichte die Funktion mit Photoshop 25.0 (September 2023) in der Vollversion. Die Funktion basiert auf Adobe Firefly, Adobes eigenem Bildgenerierungsmodell, das auf lizenzierten Bilddatenbanken und Adobe-Stockinhalten trainiert wurde.

Im Unterschied zu Content-Aware Fill, das nur vorhandene Bildpixel umstrukturiert, generiert Generative Fill vollständig neues Bildmaterial – basierend auf dem Kontext des Bildes und einer optionalen Texteingabe (Prompt). Das Ergebnis erscheint automatisch auf einer separaten Generativen Ebene, was vollständig nichtdestruktives Arbeiten ermöglicht.


Erklärung

Adobe Firefly und kommerzielle Nutzung

Entscheidend für den professionellen Einsatz: Adobe Firefly wurde ausschließlich auf lizenzierten Inhalten trainiert – Adobe Stock, öffentlich zugängliche Werke mit entsprechender Lizenz und eigene Adobe-Inhalte. Das bedeutet, dass Bilder, die mit Generative Fill bearbeitet werden, für kommerzielle Zwecke genutzt werden können, ohne urheberrechtliche Risiken (Stand 2024 – Nutzungsbedingungen beachten).

Dies unterscheidet Photoshop grundlegend von Midjourney, Stable Diffusion oder DALL·E, die größtenteils auf Daten ohne explizite Lizenzierung trainiert wurden.

Generative Ebene

Generative Fill erzeugt automatisch eine Generative Ebene (erkennbar am Firefly-Symbol in der Ebenenpalette). Diese Ebene enthält das KI-generierte Material und ist:

  • Vollständig nichtdestruktiv (Originalpixel bleiben unverändert)
  • Mit einer Maske versehen, die den generierten Bereich abgrenzt
  • Jederzeit neu generierbar (mehrere Varianten abrufbar)

Varianten und Iteration

Nach jeder Generierung bietet Photoshop drei Varianten des Ergebnisses zur Auswahl. Im Eigenschaften-Panel können weitere Varianten erzeugt werden. Ist keine Texteingabe gemacht, generiert Photoshop auf Basis des Bildkontexts allein.

Generative Erweiterung (Outpainting)

Eine besonders nützliche Funktion ist die Generative Erweiterung: Die Leinwand wird vergrößert, der neue leere Bereich selektiert und Generative Fill ohne Texteingabe angewendet. Photoshop ergänzt den Bildbereich kontextuell – Himmel, Boden, Gebäude werden plausibel fortgesetzt.

Qualität und Grenzen

Generative Fill liefert bei einheitlichen Hintergründen (Himmel, Wasser, Boden, Wände), bei organischen Texturen und bei passender Beschreibung exzellente Ergebnisse. Schwächen zeigen sich bei:

  • Gesichtern und Händen (Anatomie-Fehler möglich)
  • Stark strukturierten Architekturdetails
  • Szenen, die sehr spezifische Realwelt-Informationen erfordern
  • Text in Bildern

Beispiele (5 konkrete Beispiele mit Schritt-für-Schritt)

1. Himmel durch KI ersetzen

  1. In Photoshop: Himmel mit Schnellauswahl oder KI-Motiv-Auswahl selektieren
  2. Auswahl ggf. verfeinern: Auswahl → Auswahl und Maske (verfeinerte Kanten)
  3. In der Kontextleiste (Toolbar unten): „Generative Fill" klicken
  4. Prompt eingeben: z. B. „dramatic sunset sky with golden clouds" oder auf Deutsch: „dramatischer Sonnenuntergang mit Wolken"
  5. „Generieren" klicken → 3 Varianten erscheinen im Eigenschaften-Panel; beste wählen

2. Störendes Objekt entfernen (Null-Prompt)

  1. Störendes Element (z. B. Schild, Passant) mit Lasso auswählen
  2. Auswahl leicht ausweiten: Auswahl → Ändern → Ausweiten (5–10 Pixel)
  3. Kontextleiste: „Generative Fill" klicken → kein Prompt eingeben
  4. „Generieren" → Photoshop füllt auf Basis des Bildkontexts
  5. Ergebnis auf Generativer Ebene; Maske bei Bedarf anpassen

3. Bildkomposition erweitern (Outpainting)

  1. Bild → Leinwandgröße → Breite um 20 % vergrößern (z. B. für mehr Vordergrund)
  2. Neuen leeren Bereich mit Auswahlrechteck selektieren
  3. Generative Fill → kein Prompt → Generieren
  4. Photoshop ergänzt plausiblen Bildinhalt auf Basis der vorhandenen Komposition
  5. Evtl. weitere Variante generieren, bis das Ergebnis passt

4. Neues Objekt hinzufügen per Prompt

  1. Leeren Bereich im Bild (z. B. leere Tischfläche) auswählen
  2. Generative Fill → Prompt: „a red coffee mug on the table" (auf Englisch meist besser)
  3. Generieren → drei Varianten
  4. Maske anpassen: Pinsel auf der Generativen Ebene-Maske für feinere Integration
  5. Bei Beleuchtungskonflikten: Manuelle Nachkorrektur mit Dodge & Burn auf einer weiteren Ebene

5. Hintergrund vollständig austauschen

  1. Hauptmotiv (z. B. Person) mit Motiv auswählen selektieren (Auswahl → Motiv auswählen)
  2. Auswahl invertieren (Strg+Shift+I / Cmd+Shift+I) → Hintergrund ausgewählt
  3. Generative Fill → Prompt: „professional photography studio background, light grey"
  4. Generieren → Generative Ebene erscheint
  5. Kantenmaske für Haare verfeinern: Maske der Generativen Ebene mit weichem Pinsel in kritischen Bereichen anpassen

In der Praxis

Generative Fill hat seit 2023 den Photoshop-Workflow grundlegend verändert. Retuscheure berichten, dass Aufgaben, die früher Stunden dauerten (z. B. komplexe Hintergrundersetzung), heute in Minuten erledigt sind. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: Die Überprüfung von KI-generierten Inhalten auf Fehler (Anatomie, Konsistenz, Detailtreue) erfordert kritisches Auge.

Im kommerziellen Bereich ist Generative Fill durch die Firefly-Lizenzierung rechtlich nutzbar. Fotografen, Agenturen und Bildbearbeiter nutzen die Funktion für Werbefotografie, E-Commerce-Bildbearbeitung und Stockfotografie.

Wichtige Einschränkung: Bei Reportage- und Dokumentarfotografie ist Generative Fill ethisch kritisch. Das unmarkierte Hinzufügen oder Entfernen von Bildinhalten verletzt journalistische Standards. Professionelle Verbände wie NPPA (National Press Photographers Association) empfehlen, generative KI in der Nachrichtenfotografie nicht einzusetzen.


Vergleich & Abgrenzung

WerkzeugMethodeStärkeGrenze
Generative FillKI-Generierung (Firefly)Neue Inhalte, natürliche SpracheKann Fehler bei Gesichtern/Händen machen
Content-Aware FillPixel-Synthese aus UmgebungSchnell, nahtlos bei einfachen HintergründenKein vollständig neues Material
Generative ErweiterungKI-OutpaintingEinfache LeinwandvergrößerungQualität variiert
Midjourney/DALL·EExterne KI-GeneratorenMehr kreative OptionenLizenzrechtlich problematisch, kein Photoshop-Workflow

Häufige Fragen (FAQ)

Benötige ich eine Creative Cloud Mitgliedschaft für Generative Fill? Ja. Generative Fill ist Teil von Adobe Photoshop (CC) und erfordert eine aktive Creative Cloud Mitgliedschaft. Die Nutzung kostet Credits (Generative Credits), die monatlich im Abo enthalten sind. Jede Generierung kostet eine bestimmte Anzahl Credits. Höhere CC-Abos erhalten mehr Credits pro Monat.

Auf welcher Sprache soll ich Prompts eingeben? Adobe Firefly unterstützt Deutsch, Englisch und viele weitere Sprachen. In der Praxis liefern englische Prompts oft etwas konsistentere Ergebnisse, da das Training zu großen Teilen auf englischsprachigen Beschreibungen basiert. Für einfache Entfernungs-Tasks (kein Prompt) ist die Sprache irrelevant (Adobe Help Center 2024).


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Help Center: „Generative Fill in Photoshop" – helpx.adobe.com/photoshop/using/generative-fill
  • Adobe Blog: „Introducing Generative Fill in Photoshop" – blog.adobe.com (2023)
  • NPPA (2023). „Statement on the Use of AI in Photojournalism". nppa.org
  • Kelby, S. (2020). Das Adobe Photoshop Lightroom Classic Buch. dpunkt.verlag. (Hinweis: Generative Fill ist nach Erscheinungsdatum des Buches eingeführt worden – aktuelle Adobe-Dokumentation bevorzugen)
  • YouTube: „Adobe Photoshop Official – Generative Fill Tutorials" – youtube.com/adobe
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