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GameMaker (früher GameMaker: Studio) ist eine auf 2D-Spieleentwicklung spezialisierte Engine von GameMaker Ltd., die mit der eigenen Sprache GML und einem visuellen Drag-and-Drop-System zahlreiche Indie-Hits ermöglicht hat.

Rubrik: Game Design & Interactive Media · Unterrubrik: Game Engines · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: GameMaker: Studio, Game Maker, GM:S, GameMaker Studio 2


Was ist GameMaker?

GameMaker wurde 1999 von Mark Overmars entwickelt und mehrfach den Besitzer gewechselt – von YoYo Games (2007) über Playtech bis hin zu Opera (2021) und schließlich GameMaker Ltd. (2023). Die ursprüngliche Vision war eine zugängliche Entwicklungsumgebung für Einsteiger ohne Programmierkenntnisse, die dennoch leistungsfähig genug für vollständige Spiele ist.

GameMaker ist bis heute die bevorzugte Engine für 2D-Spiele mit Pixel-Art-Ästhetik, schnellen Action-Spielen und Retro-Spielerfahrungen. Die Engine hat eine eigene Scripting-Sprache (GML) und bietet ein visuelles Drag-and-Drop-Interface als Alternative – beides koexistiert im selben Projekt.

Die Versionsgeschichte: GameMaker 8 (klassisch), GameMaker: Studio (2011), GameMaker: Studio 2 (2017, grundlegendes Redesign des Editors), heute schlicht „GameMaker".


Erklärung

GameMaker Language (GML)

GML ist GameMakers proprietäre Programmiersprache. Sie ist bewusst einfach gehalten und für Entwickler ohne starken Programmierhintergrund zugänglich. GML ist imperativ, dynamisch typisiert und hat eine C-ähnliche Syntax:

```gml // Spielerobjekt – Schrittweise Bewegung if keyboardcheck(vkleft) { x -= 4; spriteindex = sprplayerwalkleft; }

if keyboardcheck(vkright) { x += 4; spriteindex = sprplayerwalkright; } ```

GML bietet Zugriff auf alle Engine-Ressourcen: Sprites, Sounds, Rooms, Objekte, Partikeleffekte und das Zeichnen auf Canvas. Trotz seiner Einfachheit ist GML leistungsfähig genug für komplexe Spiele mit hunderten interagierender Objekte.

Objekte und Rooms

GameMakers zentrale Konzepte sind Objekte (Objects) und Räume (Rooms):

  • Ein Objekt definiert Verhalten: Events (Create, Step, Draw, Collision, Destroy) enthalten GML-Code.
  • Eine Room ist die Spielwelt: hier werden Objekte platziert, Tilesets aufgebaut, Kameras definiert.

Das Event-Driven-System ist intuitiv: Man definiert, was ein Feind beim Erscheinen tut (Create-Event), was er jeden Frame tut (Step-Event), was er beim Treffer mit dem Spieler tut (Collision-Event).

Sprite- und Animation-System

GameMakers Sprite-Editor ist direkt im Editor integriert. Entwickler können Sprites pixelweise zeichnen, Animationsframes definieren und Kollisionsmasken festlegen – alles ohne externe Tools. Für professionellere Arbeitsabläufe können Sprites aus Aseprite, Photoshop oder anderen Tools importiert werden.

Plattformunterstützung

GameMaker exportiert auf:

  • Windows, macOS, Ubuntu
  • iOS, Android
  • HTML5 (WebGL-Export)
  • PlayStation 4/5, Xbox (Konsolen-Lizenzen)
  • Nintendo Switch (spezielle Lizenz)
  • Amazon Fire

Preismodell (Stand 2024)

GameMaker wechselte 2023 zu einem neuen Preismodell:

  • Kostenlos: Vollständiger Zugang zum Editor, aber nur Web-Export ohne Wasserzeichen.
  • Indie: ~99 USD/Jahr für Desktop- und Mobile-Exporte.
  • Professional: ~149 USD/Jahr mit erweiterten Features.
  • Enterprise: Individuell, für Konsolenexporte.

GameMaker ist damit günstiger als Unity Pro, aber teurer als das vollständig kostenlose Godot.


Beispiele

  • Undertale (Toby Fox, 2015) – eines der meistverkauften Indie-Spiele aller Zeiten; vollständig von einer Person in GameMaker entwickelt.
  • Hotline Miami (Dennaton Games, 2012) – brutales Top-Down-Action-Spiel, das GameMaker als ernsthafte Engine etablierte.
  • Spelunky (Derek Yu, 2008) – prozedural generierter Plattformer, der das Roguelite-Genre mitbegründete.
  • Nuclear Throne (Vlambeer, 2015) – frenetischer Top-Down-Shooter.
  • Hyper Light Drifter (Heart Machine, 2016) – atmosphärisches Action-RPG mit Pixel-Art.
  • Katana ZERO (Askiisoft, 2019) – narratives Action-Spiel mit Zeitmanipulation.

In der Praxis

GameMaker ist ideal für Entwickler, die:

  • Ein erstes 2D-Spiel entwickeln wollen, ohne sich mit komplexen Enginekonzepten zu befassen.
  • Klassische 2D-Genres (Plattformer, Top-Down-Shooter, RPG) entwickeln möchten.
  • Schnell von Prototyp zu spielbarem Produkt kommen möchten.

Die enge Ausrichtung auf 2D ist gleichzeitig Stärke und Schwäche: 2D-Projekte sind in GameMaker oft schneller zu entwickeln als in Unity oder Godot, da das System genau dafür optimiert ist. Für 3D-Spiele ist GameMaker jedoch nicht die richtige Wahl – 3D-Unterstützung existiert, ist aber rudimentär.


Vergleich & Abgrenzung

AspektGameMakerGodotUnity
Spezialisierung2D2D + 3D2D + 3D
EinstiegSehr leichtLeichtMittel
3D-SupportBegrenztGutSehr gut
LizenzFreemiumMITFreemium/Abo
CommunityMittelWächst starkSehr groß

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man mit GameMaker Geld verdienen? Ja, definitiv – Undertale und Hotline Miami sind Millionen-Seller, beide in GameMaker entwickelt. Kommerzielles Publishing ist mit der Indie- oder Professional-Lizenz problemlos möglich.

Ist GML eine „echte" Programmiersprache? GML ist eine vollwertige, interpretierte Programmiersprache mit Funktionen, Skripten, Datenstrukturen und objektorientiertem Verhalten. Sie ist jedoch nicht auf andere Plattformen übertragbar und weniger verbreitet als C# oder Python.

Lohnt sich GameMaker noch, wenn Godot kostenlos ist? Für Pure-2D-Projekte hat GameMaker durch seinen spezialisierten Workflow und ausgereiften Editor Vorteile. Die spezifische Objektstruktur und der integrierte Sprite-Editor sind für bestimmte Workflows schneller als Godot. Letztendlich ist es eine Präferenzfrage – wer keine Kosten will, nimmt Godot.

Welche GameMaker-Version sollte ich nutzen? Aktuell „GameMaker" (ohne Versionsnummer, Nachfolger von GameMaker: Studio 2). Ältere Tutorials beziehen sich oft auf GMS1 oder GMS2, die APIs unterscheiden sich leicht.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Toms, Shaun: GameMaker by Example. Packt Publishing, 2021.
  • Brownlee, Benjamin: GameMaker Studio 2: Desktop & Mobile Game Development. Apress, 2019.
  • GameMaker Ltd.: GameMaker Manual. manual.gamemaker.io, 2024.
  • Fox, Toby: Interview über Undertale-Entwicklung in GameMaker. Game Developer Magazine, 2016.
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