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Der Logodesign-Prozess ist eine strukturierte Abfolge von Phasen – von der strategischen Analyse über Konzeption und Entwurf bis zur finalen Übergabe –, die sicherstellt, dass ein Logo nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern die Markenidentität präzise kommuniziert.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Corporate Design · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Markenentwicklungsprozess, Logo-Workflow, Brand-Design-Prozess

Was ist der Logodesign-Prozess?

Der Logodesign-Prozess ist kein lineares Abarbeiten von Aufgaben, sondern ein iterativer Gestaltungsweg, der strategische, konzeptionelle und handwerkliche Phasen miteinander verbindet. Er beginnt mit dem Verstehen der Marke und endet mit einem reproduzierbaren Markensymbol in allen erforderlichen Formaten. Professionelles Logodesign folgt einem klaren Rahmen, um subjektive Geschmacksentscheidungen durch fundierte Gestaltungsentscheidungen zu ersetzen.

Erklärung

Ein durchdachter Logodesign-Prozess schützt sowohl den Designer als auch den Auftraggeber vor kostspieligen Missverständnissen. Willi Kunz beschreibt Designprozesse generell als das Sichtbarmachen von Bedeutung durch Form – ein Grundsatz, der im Logodesign besonders gilt, da ein Logo in Millisekunden kommunizieren muss.

Phase 1 – Briefing & Discovery: Der Prozess beginnt mit einem strukturierten Briefing-Gespräch. Der Designer erfasst Unternehmensziele, Zielgruppe, Wettbewerbsumfeld, Werte und geplante Anwendungsfelder des Logos. Ein gutes Briefing-Dokument stellt Fragen wie: Welche Persönlichkeit soll die Marke verkörpern? Welche Gefühle sollen beim Betrachter ausgelöst werden? Welche Konkurrenten existieren, und wie soll sich die Marke davon abheben?

Phase 2 – Analyse & Recherche: Wettbewerber-Logos werden analysiert (Farbräume, Stile, Symboliken). Eine Moodboard-Phase sammelt visuelle Referenzen und schärft das gemeinsame Verständnis zwischen Designer und Auftraggeber.

Phase 3 – Konzeption: Auf Basis der Analyse entstehen erste Konzeptideen – zunächst als Skizzen auf Papier. Digitale Tools kommen erst später zum Einsatz. Alina Wheeler betont in Designing Brand Identity, dass die besten Logos aus Hunderten von Skizzen destilliert werden, nicht aus dem ersten digitalen Versuch.

Phase 4 – Entwurf & Präsentation: Zwei bis vier ausgereifte Konzepte werden digital ausgearbeitet und dem Auftraggeber präsentiert. Jedes Konzept wird mit seiner strategischen Begründung vorgestellt.

Phase 5 – Feedback & Iteration: Auf Basis des Feedbacks wird ein Konzept weiterentwickelt. Typischerweise sind ein bis zwei Überarbeitungsrunden eingeplant.

Phase 6 – Finalisierung & Übergabe: Das fertige Logo wird in allen erforderlichen Formaten (SVG, PDF, PNG, EPS) und Varianten (Farbe, Schwarz/Weiß, invertiert) übergeben, ergänzt durch erste Nutzungshinweise oder ein vollständiges Brand-Manual.

Beispiele

  1. Nike (Swoosh-Entstehung, 1971): Carolyn Davidson entwarf den Swoosh für umgerechnet 35 Dollar nach einem kurzen Briefing durch Phil Knight. Obwohl der Prozess minimal war, zeigt dieses Beispiel, dass ein starkes Konzept – Bewegung, Leichtigkeit – auch einfach umgesetzt sein kann.
  2. Deutsche Telekom (Magenta T, 1990er): Landor Associates erarbeitete für die Telekom ein umfangreiches Corporate-Design-System. Der Prozess dauerte Monate und schloss umfangreiche Marktforschung ein, um das T als eigenständige Bildmarke zu etablieren.
  3. Start-up-Beispiel: Ein lokales Berliner Café-Start-up lässt ein Logo über eine Designagentur entwickeln. Das Briefing offenbart: Die Zielgruppe sind junge Kreative, der Stil soll handgemacht und warm wirken. Daraus entstehen Konzepte mit Handlettering und organischen Formen.
  4. Häufiger Fehler: Ein Auftraggeber überspringt das Briefing und zeigt dem Designer nur ein Referenz-Logo mit dem Wunsch „so ähnlich, aber anders". Das Ergebnis ist ein Logo ohne strategische Basis, das weder die Marke kommuniziert noch im Wettbewerb differenziert.
  5. Agentur-Workflow: In einer mittelgroßen Designagentur ist der Prozess oft in festen Phasen dokumentiert – mit Meilensteinen, Freigabe-E-Mails und einer Projektmanagement-Software (z. B. Asana oder Monday.com), die Feedback-Runden strukturiert.

In der Praxis

Für die tägliche Arbeit empfiehlt sich ein persönliches Briefing-Formular als PDF oder Notion-Template. Die Skizzenphase lässt sich mit einem iPad (Procreate) oder klassisch auf Papier durchführen – der Wechsel vom Analogen ins Digitale ist dabei kein Nachteil, sondern fördert konzeptionelles Denken. In Adobe Illustrator oder Figma werden Logos vektoriell umgesetzt. Wichtig: Immer auf Lesbarkeit in kleiner Darstellung testen (Favicon-Größe, ca. 16×16 px). Übergabe-Pakete sollten eine README-Datei mit Nutzungshinweisen enthalten.

Vergleich & Abgrenzung

Der Logodesign-Prozess ist Teil des größeren Corporate-Design-Prozesses, der auch Typografie, Farbe, Bildwelt und Anwendungssystem umfasst. Im Gegensatz zum reinen Logodesign zielt Corporate Design auf ein vollständiges visuelles Kommunikationssystem. Ein Rebranding-Prozess wiederum setzt auf einem bestehenden Markenauftritt auf und muss Kontinuität und Wandel gleichzeitig managen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert ein professioneller Logodesign-Prozess? Je nach Komplexität und Größe des Unternehmens dauert ein professioneller Prozess zwischen zwei und zwölf Wochen. Für ein kleines Unternehmen sind vier bis sechs Wochen realistisch, wenn Feedback-Runden zeitnah stattfinden. Großkonzerne planen für umfangreiche Marken-Repositionierungen häufig sechs bis zwölf Monate ein.

Wie viele Konzepte sollte ein Designer präsentieren? Zwei bis drei ausgereifte Konzepte sind in der Praxis sinnvoller als fünf halbfertige Entwürfe. Zu viele Optionen überfordern den Auftraggeber und führen zu inkonsistenten Feedbacks. Jedes präsentierte Konzept sollte strategisch begründet sein und nicht nur optischen Variationen entsprechen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Wheeler, Alina (2017): Designing Brand Identity. 5. Auflage. John Wiley & Sons.
  • Olins, Wally (2008): The Brand Handbook. Thames & Hudson.
  • Online: AIGA – „The Logo Design Process" (aiga.org)
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