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Dieter Rams (* 20. Mai 1932 in Wiesbaden) ist ein deutscher Industriedesigner, der als langjähriger Chefdesigner des Unternehmens Braun (1961–1995) und Autor der „zehn Prinzipien guten Designs" zu einer der folgenreichsten Gestalten des 20. Jahrhunderts wurde – sein Einfluss reicht direkt bis zum iPhone-Design unter Jonathan Ive.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Designer & Studios · Niveau: Einsteiger


Biografie / Geschichte

Dieter Rams studierte Innenarchitektur und Tischlerhandwerk an der Werkkunstschule Wiesbaden, bevor er 1955 zum Elektronikunternehmen Braun wechselte. Unter dem Einfluss der Ulmer Schule (HfG Ulm) und gemeinsam mit dem Braun-Designteam entwickelte er in den folgenden Jahrzehnten eine Designphilosophie, die auf Reduktion, Klarheit und Langlebigkeit basierte. 1961 wurde er Leiter der Designabteilung, eine Position, die er bis 1995 innehatte.

Seine Zusammenarbeit mit Hans Gugelot, dem Schweizer Designer der HfG Ulm, an frühen Braun-Produkten wie dem Phonosuper SK 4 (1956) begründete die Ästhetik, für die Braun weltbekannt wurde: weiße oder graue Oberflächen, klare Bedienelemente, keine Ornamente. In den 1970er Jahren formulierte er die zehn Prinzipien guten Designs, die zum Grundlagentext des Produktdesigns wurden. Nach seinem Ausscheiden bei Braun ist Rams als Ehrenprofessor und Redner aktiv; die Dokumentation Rams (2018) von Gary Hustwit machte ihn einem breiten Publikum bekannt.

Stil & Designphilosophie

Rams' Credo lautet: „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich." Er entwickelte eine Ästhetik, die der Funktion absoluten Vorrang einräumt und jedes Element, das nicht zur Funktion beiträgt, eliminiert. Oberflächen sind glatt, Bedienelemente sind selbsterklärend, Materialien sind ehrlich. Diese Haltung war nicht nur ästhetisch, sondern auch ethisch motiviert: Rams kritisierte die Überproduktion von Konsumgütern und die Wegwerfkultur und argumentierte, dass gutes Design Produkte schafft, die lange genutzt und nicht schnell entsorgt werden.

Die zehn Prinzipien (gutes Design ist innovativ, macht ein Produkt nutzbar, ist ästhetisch, macht ein Produkt verständlich, ist unaufdringlich, ist ehrlich, ist langlebig, ist konsequent bis ins letzte Detail, ist umweltfreundlich, ist so wenig Design wie möglich) sind für ihn keine Regeln, sondern Haltungen, die jedes Designentscheidung leiten sollen.

Wichtige Werke

  1. Braun Phonosuper SK 4 (1956, mit Hans Gugelot) – Der als „Schneewittchensarg" bekannte Plattenspieler mit transparentem Deckel und weißem Gehäuse gilt als Schlüsselwerk des deutschen Produktdesigns und legte den Grundstein für Brauns Designphilosophie.
  2. Braun T 1000 Weltempfänger (1963) – Der Kurzwellenempfänger mit seinem klar strukturierten Bedienfeld demonstriert Rams' Prinzip der selbsterklärenden Bedienung und ist heute begehrtes Sammlerstück.
  3. Braun RT 20 Tischradio (1961) – Eines der emblematischsten Braun-Produkte: Das schlichte, rechteckige Radio mit abgerundeten Ecken und minimaler Bedienoberfläche ist formal direkt mit dem iPod verglichen worden.
  4. Vitsœ 606 Regalsystem (1960) – Das modulare Regalsystem, das Rams für den Möbelhersteller Vitsœ entwarf, ist bis heute in Produktion – ein seltenes Beispiel für ein 60 Jahre altes Industriedesign, das ohne Überarbeitung weiterhin produziert und verkauft wird.
  5. Braun ET 66 Taschenrechner (1977, mit Dietrich Lubs) – Der Taschenrechner mit seiner klaren Tastatur und der schlichten Typografie gilt als direktes Vorbild für den Apple-Calculator, der bis heute formal sehr ähnlich gestaltet ist.

Einfluss & Bedeutung

Dieter Rams' Einfluss auf das Industriedesign des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts ist kaum zu überschätzen. Jonathan Ive, der jahrzehntelange Chefdesigner von Apple, hat wiederholt Rams als sein wichtigstes Vorbild genannt. Die formale Ähnlichkeit zwischen Braun-Produkten der 1960er und 1970er Jahre und Apple-Produkten von iPod bis MacBook ist dokumentiert und kein Zufall.

Rams hat damit mittelbar die visuelle Kultur der digitalen Ära geprägt. Seine zehn Designprinzipien sind in Designstudiengängen weltweit Pflichtlektüre und werden in Unternehmensgrundsätzen von Apple bis IKEA zitiert. Kritisch wird angemerkt, dass sein ästhetischer Minimalismus kulturell eurozentrisch ist und die Frage aufwirft, ob eine universelle Designsprache überhaupt wünschenswert ist (Design Observer).

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Otl Aicher teilt Rams die Verwurzelung im deutschen Nachkriegsmodernismus und im Systemdenken, aber Rams arbeitet im dreidimensionalen Produktbereich, Aicher primär zweidimensional in Kommunikation. Beide verfolgen eine Ethik der Reduktion aus einer ähnlichen kulturellen Tradition.

Gegenüber Hartmut Esslinger (frogdesign), der für Apple in den 1980er Jahren arbeitete, repräsentiert Rams eine ältere, weniger marketinggetriebene Designhaltung. Esslinger integrierte stärker emotionale und kulturelle Appelle; Rams blieb konsequent dem Funktionsprimat verpflichtet.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche der zehn Designprinzipien ist die wichtigste? Rams selbst nennt das zehnte Prinzip – „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich" – als das zusammenfassende. Es besagt, dass Reduktion nicht Sparsamkeit ist, sondern die Konzentration auf das Wesentliche: weniger, aber besser.

Hat Apple Braun-Designs kopiert? Jonathan Ive und Apple haben Braun-Produkte als Inspiration benannt, nicht als Vorlage. Die formale Ähnlichkeit – etwa zwischen dem Braun ET 66 und dem Apple Calculator oder zwischen dem Braun RT 20 und dem iPod – ist dokumentiert und wurde von Ive selbst als Hommage bezeichnet. Eine rechtliche Urheberrechtsproblematik besteht dabei nicht, da Formen und Funktionsprinzipien nicht geschützt sind.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Rams, Dieter: Weniger aber besser / Less but Better. Jo Klatt Design, Hamburg 1995.
  • Hustwit, Gary: Rams (Dokumentarfilm). 2018.
  • Lovell, Sophie: Dieter Rams: As Little Design as Possible. Phaidon Press, London 2011.
  • Eye Magazine, Nr. 78 (2010): Rams und das Erbe des Braun-Designs.
  • Design Observer: Beitrag zu Rams und Apple, designobserver.com.
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