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Editorial Design ist die gestalterische Disziplin, die Inhalte in Printmedien — wie Magazine, Zeitungen, Bücher und Kataloge — durch den systematischen Einsatz von Typografie, Raster, Bildführung und visueller Hierarchie in eine kommunikativ wirksame Form bringt.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Editorial Design · Niveau: Einsteiger


Was ist Editorial Design?

Editorial Design bezeichnet die visuelle Gestaltung von Publikationen mit redaktionellen Inhalten. Der Begriff leitet sich vom englischen editor (Redakteur) ab und verweist auf die enge Zusammenarbeit zwischen Gestalterinnen und Gestaltern auf der einen sowie Redaktionen und Autorinnen auf der anderen Seite. Im Kern geht es darum, Texte, Bilder, Grafiken und andere Inhaltselemente so anzuordnen, dass Leserinnen und Leser den Inhalt schnell erfassen, navigieren und genießen können.

Editorial Design ist mehr als bloße Dekoration: Es strukturiert Informationen, erzeugt Aufmerksamkeit für wichtige Inhalte, stärkt die Markenidentität einer Publikation und sorgt dafür, dass komplexe Themen zugänglich wirken. Dabei unterscheidet es sich vom reinen Grafikdesign dadurch, dass es stets auf einen fortlaufenden Textfluss, auf Serien und auf wiederholbare Gestaltungslösungen ausgerichtet ist.


Erklärung

Historische Wurzeln

Die Geschichte des Editorial Designs reicht bis in die Frühzeit des Buchdrucks zurück. Schon Gutenbergs Bibel (1455) zeigt bewusste gestalterische Entscheidungen: zweispaltige Satzspiegelaufteilung, konsistente Typografie, hierarchische Verwendung von Initialen. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Feld rasant: Die Bauhausdruckerei, der Magazin-Boom der 1960er Jahre (etwa durch Twen in Deutschland) und schließlich die Desktop-Publishing-Revolution der 1980er prägten die Disziplin nachhaltig.

Die drei Grundpfeiler

1. Visuelle Hierarchie Hierarchie bedeutet, dem Leserauge eine Reihenfolge vorzugeben. Überschriften ziehen zuerst den Blick auf sich, dann Vorspann und Bildunterschriften, schließlich der Fließtext. Instrumente der Hierarchie sind: Schriftgröße, Schriftschnitt (fett, kursiv), Farbe, räumliche Position auf der Seite und Weißraum.

2. Rastersystem (Grid) Ein Rasterraster ist das unsichtbare Gerüst, das alle Elemente einer Seite strukturiert. Es legt fest, wie viele Spalten eine Seite hat, wie breit die Spalten sind, wie groß die Abstände (Spaltenabstände, sogenannte Stege) sind und wo Bildblöcke platziert werden dürfen. Ein konsistentes Raster verleiht der Publikation Professionalität und erlaubt es, Seiten effizient zu produzieren, da Gestalterinnen nicht jede Seite neu erfinden müssen.

3. Typografische Konsistenz In einer Publikation werden in der Regel ein bis drei Schriftfamilien eingesetzt. Für jede Textgattung — Überschrift, Vorspann, Bildunterschrift, Fließtext, Zitat — existiert ein definiertes Format mit festgelegter Schrift, Größe, Laufweite und Zeilenabstand. In Adobe InDesign werden diese Formate als Absatz- und Zeichenformate gespeichert und können mit einem Klick oder automatisch via GREP-Styles angewendet werden.

Publizistische Gattungen im Editorial Design

GattungBesonderheiten
MagazinHohe Bildgewichtung, Covergstaltung entscheidend, Rubrikenstruktur
TageszeitungSchnelle Produktion, starke Rastertypografie, Breaking-News-Flexibilität
BuchLanger Lesefluss, subtile Typografie, Buchblock-Proportion zentral
KatalogProduktfotografie dominiert, Preislisten, oft datengesteuert
JahresberichtKombination aus Unternehmensnarrativ und Infografik

Beispiele (5 konkrete)

  1. *Magazin Geo (Deutschland):* Zeigt, wie großformatige Landschaftsfotografie und präzise Typografie zusammenwirken. Das sechsspältige Grid erlaubt flexible Bildblöcke, während die Rubrikentypografie sofort erkennbar ist.
  2. Süddeutsche Zeitung Magazin: Verbindet Zeitungsproduktion mit Hochglanz-Ästhetik. Die Titelseite wechselt bewusst zwischen Typografie-Covern (nur Text) und fotografischen Covern — ein redaktionelles Stilmittel.
  3. Taschen-Kunstbände: Buchgestaltung, die den Bildern maximalen Raum gibt. Texte werden auf den Rand verwiesen, Bildunterschriften sehr klein gesetzt — hier ist das Bild die Botschaft.
  4. IKEA-Katalog (historisch): Gilt als Beispiel für datengesteuerte Kataloggestaltung. Tausende Produktseiten wurden mit InDesign-Datenzusammenführung aus einer Datenbank generiert, was Zeit und Fehler minimierte.
  5. **Frankfurter Allgemeine Zeitung-Feuilleton:** Zeigt kompromisslosen Bleisatz-Charakter in der digitalen Ära: enge Typografie, kein Hochglanzbild, dichte Textspalten — Editorial Design als Haltungsaussage.

In der Praxis (InDesign-Workflow)

Ein typischer Editorial-Design-Workflow in Adobe InDesign umfasst folgende Schritte:

  1. Neues Dokument einrichten (Datei → Neu → Dokument): Format, Seitenanzahl, Seitenränder und Spalten definieren.
  2. Musterseiten anlegen (Seiten-Bedienfeld → Musterseiten): Kopfzeilen, Seitenzahlen und Gestaltungselemente, die auf mehreren Seiten erscheinen, werden einmalig auf Musterseiten definiert.
  3. Absatzformate erstellen (Fenster → Formate → Absatzformate): Für jede Textgattung ein eigenes Format anlegen und konsequent anwenden.
  4. Platzhalter-Rahmen auf Layout-Ebene setzen: Text- und Bildrahmen definieren die Rasterfelder, in die später Inhalte einlaufen.
  5. Inhalte importieren (Datei → Verknüpfen für Bilder, Einfügen oder InCopy-Verknüpfung für Texte): Bilder werden in InDesign immer verknüpft, nicht eingebettet, um die Dateigröße gering zu halten.
  6. Preflight und Verpacken: Vor der Druckübergabe prüft InDesign via Preflight auf fehlende Schriften, fehlerhafte Farbprofile und niedrig aufgelöste Bilder.

Vergleich & Abgrenzung

Editorial Design vs. Grafikdesign (allgemein): Grafikdesign umfasst alle visuellen Kommunikationsaufgaben (Logos, Werbung, Verpackung). Editorial Design ist eine Spezialisierung mit Fokus auf mehrseitige Publikationen und redaktionelle Inhalte.

Editorial Design vs. Web-/UI-Design: Printpublikationen haben fixe Seitengrößen und keine Interaktivität. Webdesign muss hingegen responsiv sein und Nutzerinteraktion berücksichtigen. Schriften, Farbräume (CMYK vs. RGB) und Maßeinheiten (mm/pt vs. px) unterscheiden sich grundlegend.

Editorial Design vs. Typografie: Typografie ist ein Werkzeug des Editorial Designs, keine eigene Publikationsdisziplin. Ein Typograf konzentriert sich auf Schriftgestaltung und Schriftsatz; ein Editorial Designer nutzt Typografie als eines von mehreren Gestaltungsmitteln.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich als Editorial Designerin zwingend Adobe InDesign beherrschen? InDesign ist das Branchenstandard-Werkzeug und in praktisch allen professionellen Redaktionen und Agenturen im Einsatz. Alternativen wie Affinity Publisher oder QuarkXPress existieren, spielen aber eine sehr untergeordnete Rolle. Für die professionelle Praxis führt kein Weg an InDesign vorbei.

Wie viel Typografiewissen brauche ich für Editorial Design? Solides Grundwissen ist unverzichtbar: Laufweite, Zeilenabstand, Kerning, Satzarten (Blocksatz, Flattersatz) und typografische Feinheiten wie Hurenkinder und Schusterjungen müssen bekannt sein. Das Standardwerk The Elements of Typographic Style von Robert Bringhurst (2004) gilt als Pflichtlektüre für alle, die ernsthaft Texte gestalten wollen.


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Weiterführend

  • Bringhurst, R. (2004). The Elements of Typographic Style (3. Aufl.). Hartley & Marks.
  • Samara, T. (2005). Making and Breaking the Grid. Rockport Publishers.
  • Hochuli, J. (2008). Das Detail in der Typografie. Verlag Hermann Schmidt.
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