Infoboxen, Pull Quotes und Callouts sind visuelle Hervorhebungselemente im Print-Layout, die Schlüsselinformationen verdichten, Leseerstpunkte schaffen und durch gezielten Einsatz den Rhythmus einer Seite gestalten.
Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Editorial Design · Niveau: Einsteiger
Was sind Infoboxen, Zitate und Callouts?
Ein langer Fließtext-Artikel ist für Leserinnen und Leser eine Eintrittsbarriere: Wer nicht sofort weiß, ob der Text lesenswert ist, überblickt die Seite zuerst — scannt Überschriften, Bildunterschriften und hervorgehobene Textelemente. Wenn diese Elemente neugierig machen, steigt die Lesebereitschaft.
Infoboxen, Pull Quotes (herausgegriffene Zitate) und Callouts (Hervorhebungselemente) dienen genau diesem Zweck: Sie unterbrechen den Fließtext, kondensieren Schlüsselinformationen und schaffen visuelle Ankerpunkte auf der Seite. Gleichzeitig rhythmisieren sie das Layout: Ein Text-Bild-Layout wird durch eingestreute Infoboxen und Pull Quotes aufgelockert und einladend.
Erklärung
Pull Quote (Zitatbox)
Ein Pull Quote ist ein wörtliches Zitat aus dem Artikeltext, das grafisch hervorgehoben und vergrößert auf der Seite platziert wird. Der Begriff kommt von pulled — aus dem Text herausgezogen.
Funktion:
- Erzeugt Leseeinstiegspunkte für Personen, die die Seite zuerst überfliegen.
- Bricht den Fließtext optisch auf und vermeidet monotone Textwüsten.
- Kann inhaltlich pointiert sein — eine starke Aussage, die Neugier weckt.
Gestaltung:
- Schriftgröße: Deutlich größer als Fließtext (18–32 pt), oft kursiv oder in einer anderen Schrift.
- Position: Eingebettet zwischen Textabsätzen, oft über zwei Spalten reichend.
- Anführungszeichen: Sehr groß gesetzt, oft als gestalterisches Element eigenständig (z. B. in Unternehmensfarbe).
- Linie: Horizontale Linien oben und unten betonen das Zitat und grenzen es vom umgebenden Text ab.
In InDesign: Absatzformat „Pull Quote" mit großer Schrift, eingebettetes Textrahmen-Objekt mit Hintergrundfarbe (optional) und Textfluss-Einstellung „Weich links und rechts" (Objekt → Textfluss), damit der Fließtext um die Zitatbox fließt.
Infokasten (Fact Box, Sidebar)
Eine Infobox (Kasten, Sidebar) ist ein von einem farbigen oder konturierten Rahmen umgebener Textblock, der ergänzende Informationen enthält, die nicht in den Haupttext integriert sind:
- Checklisten und Bullet-Point-Zusammenfassungen
- Begriffserklärungen / Glossar-Einträge
- Weiterführende Links und Literaturhinweise
- Schnellinfos zu Personen oder Institutionen (Steckbriefe)
- Statistiken und Datenpunkte
Gestaltung:
- Hintergrundfarbe: Oft in einer hellen Variante der Unternehmensfarbe (z. B. 10–20 % eines kräftigen Farbtons).
- Kontur: Rahmenlinien in der Akzentfarbe, oder ganz ohne Linie bei Hintergrundfüllung.
- Überschrift der Box: In fettem Absatzformat oder in Kontrastfarbe.
- Innerer Abstand (Padding): Genügend Luft zwischen Text und Rahmen (typisch 4–8 mm).
- Breite: Meist 1–2 Spalten des Grids, selten seitenbreit.
In InDesign: Infobox als eigenständiger Textrahmen mit Objekt → Textrahmen-Optionen (Padding) und Objekt → Kontur/Füllung. Das Absatzformat für die Infobox-Texte ist ein eigenes Format (Schrift leicht kleiner als Fließtext, Zeilenabstand angepasst).
Objektformat: Unter Fenster → Formate → Objektformate kann ein Format für Infokästen gespeichert werden, das Rahmen, Füllung und Padding auf einen Klick anwendet.
Callout / Seitennotiz
Ein Callout ist ein Hinweis-Element, das auf ein bestimmtes Element in einem Bild oder Diagramm zeigt — mit einer Linie oder einem Pfeil verbunden. Callouts kommen häufig in technischen Illustrationen, Bedienungsanleitungen und Infografiken vor.
Im allgemeineren Sinne bezeichnet Callout auch hervorgehobene Textblöcke (ähnlich Pull Quotes), die inhaltliche Highlights signalisieren.
Gestaltung technischer Callouts:
- Schmale Textrahmen mit Pfeil oder Linie, die auf das beschriftete Element zeigen.
- Schrift sehr klein (6–8 pt), da Callouts eng am Bild sitzen.
- In InDesign: Linie mit Pfeilspitze (Stift-Werkzeug oder Strecken-Werkzeug), Text-Werkzeug für den Beschriftungstext.
Marginalie
Eine Marginalie ist ein im Seitenrand (außerhalb des Satzspiegels) stehender Textblock — ein älteres Gestaltungselement, das aus der Buchgestaltung stammt und in Magazinen wieder populär geworden ist.
Marginalien eignen sich für:
- Stichwörter (Schlagwörter zu Absätzen)
- Kurze Erklärungen oder Kommentare
- Quellenangaben
- „Tipp"-Hinweise in Ratgebern
Vorteil: Der Lesefluss des Haupttextes wird nicht unterbrochen; die Marginalie kann optional gelesen werden. Nachteil: Erfordert breite Seitenränder (mindestens 30–40 mm Außensteg).
In InDesign: Separate Textrahmen im Außensteg der Seite, verankert an der entsprechenden Textstelle des Haupttextes (Objekt → Verankertes Objekt → Einsetzen → Verankerte Position: Benutzerdefiniert).
Rhythmisierung durch Hervorhebungselemente
Der gezielte Einsatz von Infoboxen und Pull Quotes erzeugt visuellen Rhythmus auf der Seite und über das Heft hinweg. Samara (2005) beschreibt diesen Rhythmus als essentiell: Ohne Variation erscheinen Seiten monoton und laden nicht zum Lesen ein.
Faustregeln:
- Nicht jede Seite braucht eine Infobox oder ein Pull Quote — aber auf längeren Artikeln (ab zwei Seiten) ist mindestens ein Hervorhebungselement empfehlenswert.
- Pull Quote und Infobox nicht auf der gleichen Seite — das erzeugt Konkurrenz.
- Pull Quotes an inhaltlich starken Stellen platzieren, nicht beliebig.
- Farbige Infoboxen sparsam einsetzen — zu viele Kästen erzeugen Unruhe.
Beispiele (5 konkrete)
- Magazin-Feature-Artikel (3 Seiten): Seite 1: Kein Hervorhebungselement (Opener mit Bild dominiert). Seite 2: Ein Pull Quote in der zweiten Spalte. Seite 3: Infobox am Ende mit weiterführenden Buchtipps.
- Ratgeber-Seite: Haupttext 2-spaltig, Infobox rechts (1 Spalte breit) mit „5 Tipps" als nummerierte Liste. Hintergrundfarbe Hellgelb, Überschrift fett, Rahmen in Akzentfarbe.
- Wissenschaftliche Zeitschrift: Marginalien statt Fußnoten. Jeder Absatz mit einem Stichwort im Außensteg. Kein Pull Quote (zu populärer Stil für Wissenschaftspublikation).
- Jahresbericht: Pull Quote aus dem Vorstandsbrief auf der Eröffnungsseite (Seite 4–5): Großes Zitat in Unternehmensfarbe, Signatur des Vorstandsvorsitzenden darunter.
- Technische Bedienungsanleitung: Callouts an jeder Illustration: Pfeile zeigen auf Bedienelemente, Kurzbezeichnungen in 7 pt Monospace-Schrift. Warnhinweise in roter Infobox mit Ausrufezeichen-Symbol.
In der Praxis (InDesign-Workflow)
Pull Quote schnell erstellen:
- Textrahmen aufziehen (2 Spalten breit, quer über das Grid).
- Text einfügen (Zitat aus dem Haupttext, darf gekürzt werden).
- Absatzformat „Pull Quote" anwenden (große Schrift, kursiv, zentriert oder linksbündig).
- Anführungszeichen als eigene Textelemente mit anderem Zeichenformat (sehr groß, Unternehmensfarbe) hinzufügen.
- Objekt → Textfluss → „Um den Rahmen herum" oder „Weich links und rechts", damit Haupttext ausweicht.
Infobox mit Objektformat:
- Textrahmen aufziehen.
- Objekt → Textrahmen-Optionen → Innerer Abstand: 6 mm allseitig.
- Farbfelder → Füllung in heller Akzentfarbe.
- Kontur: 0,5 pt in Akzentfarbe.
- Absatzformate „Infobox-Überschrift" und „Infobox-Text" anwenden.
- Fenster → Formate → Objektformate: Diese Kombination als Objektformat speichern.
Vergleich & Abgrenzung
Pull Quote vs. Zitat im Fließtext: Im Fließtext erscheint ein Zitat in Anführungszeichen eingebettet. Ein Pull Quote ist eine eigene grafische Einheit, die denselben Text visuell inszeniert — zum Scannen gedacht, nicht zum Lesen im Kontext.
Infobox vs. Tabelle: Tabellen strukturieren numerische oder kategorische Daten in Zeilen und Spalten. Infoboxen enthalten fließende Texte, Listen oder gemischte Inhalte in einem visuell abgesetzten Container.
Callout vs. Bildunterschrift: Eine Bildunterschrift erklärt das Bild unter ihm. Ein Callout erklärt ein spezifisches Detail im Bild, verbunden durch eine Linie.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie verhindere ich, dass ein Pull Quote immer neu positioniert werden muss, wenn sich der Text ändert? Am besten Pull Quotes als verankerte Objekte (Anchored Objects) in den Textfluss integrieren — dann wandern sie mit dem Text mit, wenn Texte kürzer oder länger werden. Alternativ: Pull Quotes auf einer separaten Ebene anlegen und erst nach finalem Text-Stand platzieren. Für sehr variable Texte (z. B. InCopy-Workflow) ist das Verankern die robustere Lösung.
Darf ich den Wortlaut im Pull Quote leicht abändern? In journalistischen Publikationen ist es üblich, Zitate im Pull Quote leicht zu kürzen oder zu glätten (z. B. grammatische Ergänzungen zu entfernen), solange der Sinn nicht verfälscht wird. Auslassungen werden durch [...] markiert. In wissenschaftlichen Publikationen sind keine eigenmächtigen Änderungen erlaubt.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Samara, T. (2005). Making and Breaking the Grid. Rockport Publishers.
- Bringhurst, R. (2004). The Elements of Typographic Style (3. Aufl.). Hartley & Marks.
- Hochuli, J. (2008). Das Detail in der Typografie. Verlag Hermann Schmidt.
