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Das Book of Kells ist ein um 800 n. Chr. entstandenes irisches Evangeliar, berühmt für seine kunstvolle insulare Schrift und seinen außergewöhnlich reichen Buchschmuck.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Geschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Buch von Kells, Codex Cenannensis, Leabhar Cheanannais

Was ist das Book of Kells?

Das Book of Kells ist eine illuminierte Handschrift der vier Evangelien in lateinischer Sprache. Es entstand um 800 n. Chr. im iroschottischen Mönchsmilieu, wahrscheinlich mit Anfängen im Kloster Iona (Schottland), und gilt als Höhepunkt der insularen Buchkunst.

Erklärung

Das Book of Kells wurde auf hochwertigem Kalbspergament (Vellum) geschrieben und umfasst heute 340 erhaltene Blätter (ursprünglich waren es wohl mehr). Geschrieben ist es in einer sorgfältigen insularen Majuskel, einer Variante der Halbunziale, die in den Klöstern Irlands und Schottlands gepflegt wurde. Charakteristisch sind die dicht verschlungenen Ornamente: Flechtbänder, Spiralen, Tierfiguren und ganzseitige Teppichseiten.

Die Gestaltung des Book of Kells ist so detailreich, dass selbst kleinste Zwischenräume mit Mustern gefüllt sind. Berühmt ist die Chi-Rho-Seite (Folio 34r), auf der das Christusmonogramm (XPI) zu einem flächendeckenden Geflecht ausgestaltet ist; Forscher haben darin winzige Tier- und Menschenfiguren entdeckt, die erst unter der Lupe sichtbar werden. Trotz aller Pracht enthält der Text zahlreiche Schreibfehler, ein Hinweis darauf, dass künstlerische Wirkung Vorrang vor philologischer Genauigkeit hatte.

Wahrscheinlich begann die Arbeit am Book of Kells im Kloster Iona auf der gleichnamigen schottischen Insel, das von Columba von Iona (um 521–597) gegründet worden war. Nach einem Wikingerüberfall auf Iona (806 n. Chr.) wurde das unvollendete Werk ins irische Kloster Kells (County Meath) gebracht und dort fortgeführt. Diese Entstehungsgeschichte erklärt den Doppelnamen. Heute wird das Werk als Teil des UNESCO-Weltdokumenterbes in der Long Room der Bibliothek des Trinity College in Dublin aufbewahrt, wo es jährlich von hunderttausenden Menschen besucht wird.

Für die Schriftgeschichte ist das Book of Kells bedeutsam, weil es zeigt, wie vollständig Schrift und Bild in der insularen Tradition verschmelzen konnten. Jeder Buchstabe ist potenziell Ornament, jede Seite ein architektonisch durchkomponierter Raum. Diese Ästhetik unterscheidet sich fundamental von der klassischen Trennung zwischen Text und Illustration in karolingischen Handschriften.

Beispiele

  • Die Chi-Rho-Seite (Folio 34r): Christusmonogramm als ganzseitiges Ornamentgeflecht mit versteckten Figuren.
  • Ganzseitige Teppichseiten: reine Ornamentseiten ohne Text, als meditative Einstimmung auf die Evangelienworte.
  • Evangelistensymbole: Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier), Johannes (Adler) als ganzseitige Miniaturen.
  • Verschlungene Initialen: Anfangsbuchstaben der Evangelien als mehrfarbige, mehrspaltige Prachtinitialen.
  • Tier- und Menschenfiguren: zwischen und in den Buchstaben eingeflochten, teils spielerisch-witzig.

In der Praxis

Für die Kalligrafie ist das Book of Kells ein zentrales Studienobjekt für insulare Schriften und keltische Ornamentik. Viele Kalligrafinnen und Kalligrafen üben Flechtbandmuster und insulare Buchstabenformen nach historischen Vorlagen wie dieser. In Kursen zur Schriftgeschichte dient das Book of Kells als Paradebeispiel für die vollständige Verschmelzung von Schrift und Bildkunst. Faksimile-Ausgaben (z. B. Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz, 1990) und die digitale Ausgabe des Trinity College Dublin ermöglichen ein detailliertes Studium.

Vergleich & Abgrenzung

Das Book of Kells ist verwandt mit anderen insularen Evangeliaren wie dem Lindisfarne-Evangeliar (Northumbrien, um 715–720) und dem Durrow-Evangeliar (um 680), übertrifft diese aber an Dichte und Reichtum des Schmucks.

MerkmalBook of KellsLindisfarne-Evangeliar
Herkunftiroschottisch (Iona/Kells)nordenglisch (Lindisfarne)
Schmuckextrem dicht, verschlungenreich, etwas klarer
Datierungum 800 n. Chr.um 715–720 n. Chr.

Häufige Fragen (FAQ)

Was steht im Book of Kells? Es enthält den lateinischen Text der vier Evangelien sowie Vorreden, Kanontafeln und Verzeichnisse. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der künstlerischen Ausstattung, nicht auf einem fehlerfreien Text.

Wo wird das Book of Kells aufbewahrt? In der Bibliothek des Trinity College in Dublin, wo es als Teil des UNESCO-Weltdokumenterbes ausgestellt ist.

Wann und wo entstand das Book of Kells? Wahrscheinlich begann die Arbeit um 800 n. Chr. im Kloster Iona (Schottland); nach einem Wikingerüberfall wurde es ins irische Kells gebracht und dort abgeschlossen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Meehan, Bernard (2012): The Book of Kells. Thames & Hudson.
  • Henry, Françoise (1974): The Book of Kells. Thames & Hudson.
  • de Hamel, Christopher (1994): A History of Illuminated Manuscripts. Phaidon.
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