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Die römische Schriftkultur umfasst die Schriftformen und Schreibpraktiken des antiken Rom, deren Großbuchstaben bis heute die lateinische Schrift prägen.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Geschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: römische Schrift, lateinische Antikschrift, Roman script

Was ist die römische Schriftkultur?

Die römische Schriftkultur bezeichnet die Gesamtheit der Schriftarten und Schreibgewohnheiten des Römischen Reiches. Aus ihr stammt das lateinische Alphabet, das heute der meistverbreitete Zeichensatz der Welt ist.

Erklärung

Die römische Schriftkultur kannte verschiedene Schriftebenen für unterschiedliche Zwecke. An der Spitze stand die Capitalis Monumentalis, die gemeißelte Großschrift öffentlicher Inschriften – ihr berühmtestes Beispiel ist die Inschrift an der Trajanssäule (113 n. Chr.), bis heute Vorbild klassischer Versalien. Für Bücher diente die etwas geschmeidigere Capitalis Rustica, für den Alltag schnelle Kursiven.

Geschrieben wurde je nach Anlass auf Stein, auf gewachsten Holztafeln mit einem Stilus oder mit Rohrfeder und Tinte auf Papyrus und Pergament. Diese Vielfalt macht die römische Schriftkultur zu einem System abgestufter Formen – von feierlich bis flüchtig.

Mit der Ausbreitung des Reiches verbreitete sich auch die lateinische Schrift über Europa. Nach dem Untergang Westroms bewahrten Klöster diese Schrifttradition und entwickelten sie weiter. So bildet die römische Schriftkultur das Fundament, auf dem mittelalterliche und neuzeitliche Schriften aufbauen.

Beispiele

  • Beispiel 1: Die Inschrift der Trajanssäule in Rom.
  • Beispiel 2: Wachstafeln mit römischer Alltagskursive.
  • Beispiel 3: Literarische Papyri in Capitalis Rustica.
  • Beispiel 4: Grabsteine und Meilensteine mit Versalien.
  • Beispiel 5: Graffiti aus Pompeji als Zeugnisse der Gebrauchsschrift.

In der Praxis

Für die Kalligrafie ist die römische Schriftkultur eine Schlüsselepoche: Die Capitalis Monumentalis gilt als Maßstab für die Proportionen von Großbuchstaben und wird in vielen Kursen geübt. Schrift- und Mediengestalter/innen greifen für seriöse, klassische Anmutungen bis heute auf römische Vorbilder zurück. Die Trajan-Inschrift inspirierte zahlreiche moderne Versalalphabete.

Vergleich & Abgrenzung

Die römische Schriftkultur baut auf der griechischen auf, prägte aber eigene Formen; gegenüber der mittelalterlichen Schrift fehlen ihr noch klar ausgebildete Kleinbuchstaben.

MerkmalRömische SchriftkulturMittelalterliche Schrift
Buchstabenvor allem VersalienVersalien + Minuskeln
TrägerStein, Wachs, PapyrusPergament

Häufige Fragen (FAQ)

Hatten die Römer Kleinbuchstaben? Nicht im heutigen Sinn. Die Großbuchstaben (Versalien) dominierten; Klein- und Gemeine-Buchstaben entwickelten sich erst im weiteren Verlauf des Mittelalters voll aus.

Warum ist die Trajan-Inschrift so berühmt? Ihre Capitalis-Buchstaben gelten als vollendetes Vorbild für die Proportion und Form klassischer Versalien und beeinflussen die Schriftgestaltung bis heute.

Weiterführend

  • Catich, Edward M. (1968): The Origin of the Serif. Catfish Press.
  • Bischoff, Bernhard (1990): Latin Palaeography. Cambridge University Press.
  • Knight, Stan (1998): Historical Scripts. Oak Knoll Press.
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