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Kalligrafie als Kunstform versteht das kunstvolle Schreiben nicht nur als handwerkliche Technik, sondern als eigenständige bildende Kunst, in der Schrift zu Ausdruck, Komposition und ästhetischer Aussage wird.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Grundlagen & Begriffe · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Schreibkunst, Schriftkunst, Kunst des schönen Schreibens, art of calligraphy

Was ist Kalligrafie als Kunstform?

Kalligrafie als Kunstform bezeichnet die Auffassung, dass kunstvolles Schreiben über reine Lesbarkeit hinausgeht und als eigenständige künstlerische Disziplin gilt. Der Begriff stammt vom griechischen kalligraphía ("schöne Schrift"). In dieser Sicht ist die geschriebene Form selbst der Inhalt — Linie, Rhythmus, Komposition und Ausdruck zählen ebenso wie der Text. Kalligrafie steht damit zwischen Sprache und bildender Kunst.

Erklärung

In vielen Kulturen gilt Kalligrafie seit Jahrhunderten als hohe Kunst. In China und Japan zählt die Kalligrafie (shūfǎ bzw. shodō) zu den angesehensten Künsten überhaupt, gleichrangig mit Malerei und Dichtung; der Pinselstrich gilt als unmittelbarer Ausdruck der Persönlichkeit des Schreibenden. In der islamischen Welt entwickelte sich die Kalligrafie zur zentralen Kunstform, weil die bildliche Darstellung im religiösen Kontext zurücktrat — Schrift wurde zum vorrangigen Schmuck von Architektur und Buch.

Was Kalligrafie zur Kunst macht, sind mehrere Dimensionen:

  • Ausdruck: Die Schrift transportiert Stimmung und Geste, nicht nur Information.
  • Komposition: Die Anordnung von Text, Leerraum und Form folgt gestalterischen Prinzipien.
  • Geste und Spontaneität: Besonders in der ostasiatischen und der modernen abstrakten Kalligrafie zählt der einmalige, nicht korrigierbare Strich.
  • Materialität: Werkzeug, Tinte und Papier sind Teil des künstlerischen Ergebnisses.

In der westlichen Moderne lösten sich Künstler/innen von der Lesbarkeit und nutzten kalligrafische Gesten in der abstrakten Malerei. Die zeitgenössische Kalligrafie reicht damit von streng historischer Schriftpflege bis zur experimentellen Kunst. Kalligrafie als Kunstform meint dieses ganze Spektrum, in dem das Schreiben zum gestalterischen Akt wird.

Beispiele

  • Ostasiatische Kalligrafie: Pinselschrift als gleichrangige Kunst neben Malerei.
  • Islamische Kalligrafie: Schrift als zentraler Bau- und Buchschmuck.
  • Mittelalterliche Buchmalerei: Kunstvolle Initialen in Handschriften.
  • Moderne abstrakte Kalligrafie: Geste und Linie ohne Lesbarkeitsanspruch.
  • Kalligrafie-Ausstellung: Schriftblätter als ausgestellte Kunstwerke.

In der Praxis

Wer Kalligrafie als Kunst betreibt, lernt zunächst das Handwerk — Werkzeug, Strich, Schrift — und entwickelt darauf aufbauend einen eigenen Ausdruck. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit Komposition, Material und der Wirkung des Leerraums. Anders als reine Schönschreibübungen zielt künstlerische Kalligrafie auf eine Aussage. Ausbildungswege reichen von Kursen über Berufsfachschulen wie die Lazi Akademie bis zum Selbststudium; entscheidend bleibt die geübte Hand und das geschulte Auge.

Vergleich & Abgrenzung

Kalligrafie als Kunst grenzt sich vom reinen "Schönschreiben" ab, das vor allem saubere, lesbare Schrift anstrebt. Auch von Lettering (gezeichneten Buchstaben) und Typografie (gesetzter Schrift) unterscheidet sich künstlerische Kalligrafie, weil sie die unmittelbare, geschriebene Geste in den Mittelpunkt stellt.

MerkmalKalligrafie als KunstSchönschreiben
ZielAusdruck, AussageLesbarkeit, Sauberkeit
Maßstabkünstlerische Wirkungtechnische Korrektheit
Freiheitgroßgering

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gilt Kalligrafie als Kunst und nicht nur als Handwerk? Weil die geschriebene Form selbst Ausdruck, Komposition und Geste transportiert. In Kulturen wie China, Japan und der islamischen Welt steht Kalligrafie gleichrangig neben Malerei und Dichtung.

Muss künstlerische Kalligrafie lesbar sein? Nicht zwingend. Während historische Kalligrafie meist lesbar bleibt, lösen sich moderne und abstrakte Formen bewusst von der Lesbarkeit und betonen Geste, Linie und Komposition.

Weiterführend

  • Mediavilla, Claude (1996): Calligraphie. Imprimerie Nationale.
  • Ledderose, Lothar (1986): Mi Fu and the Classical Tradition of Chinese Calligraphy. Princeton University Press.
  • Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
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