← Zurück zu Kalligrafie
Ligaturen sind in der Handschrift verbundene Buchstabenpaare oder -gruppen, die in einem Zug als zusammengeflossene Form geschrieben werden — etwa um den Schreibfluss zu erhöhen oder Kollisionen zu vermeiden.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Grundlagen & Begriffe · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Buchstabenverbindung, Ligatur, Verbindungsligatur

Was sind Ligaturen in der Handschrift?

Ligaturen sind Verbindungen zwischen zwei oder mehr Buchstaben, die nicht einzeln nebeneinanderstehen, sondern als eine fließende Form entstehen. In der Handschrift und Kalligrafie dienen Ligaturen dazu, den Schreibfluss zu erhöhen, störende Überschneidungen zu vermeiden und das Schriftbild geschlossener zu machen. Der Begriff stammt vom lateinischen ligare (verbinden).

Erklärung

Ligaturen sind so alt wie die Schrift mit Feder selbst. Schon in mittelalterlichen Handschriften flossen Buchstaben wie "st", "ct" oder das "&" (aus "et") zu einer Form zusammen — teils aus Platzgründen, teils weil der Schreibfluss es nahelegte. In der Kalligrafie unterscheidet man grob zwei Arten:

  • Notwendige Ligaturen entstehen, wenn benachbarte Buchstaben sonst kollidieren würden (z. B. das "f" mit folgendem "i", dessen Punkt sonst mit dem f-Bogen zusammenstößt).
  • Schmuck- oder Zierligaturen verbinden Buchstaben aus ästhetischen Gründen und sind in der Kalligrafie ein beliebtes Gestaltungsmittel.

In Schreibschriften wie der englischen Schreibschrift oder den Schulausgangsschriften sind Verbindungen sogar die Regel: Fast jeder Buchstabe wird über einen An- und Abstrich mit dem nächsten verbunden. Diese durchgehende Verbindung ist eine besondere Form der Ligatur und macht das Schreiben schneller, weil die Feder seltener absetzt.

Ligaturen erfordern Übung, weil der Übergang zwischen zwei Formen sauber sitzen muss: Der Verbindungsstrich darf weder zu steil noch zu flach sein, und beide Buchstaben müssen ihre erkennbare Form behalten. Gut gesetzte Ligaturen wirken selbstverständlich; schlecht gesetzte machen die Schrift unleserlich. Deshalb gehören Ligaturen in der Kalligrafie zum fortgeschrittenen Repertoire.

Beispiele

  • fi / fl: Klassische notwendige Ligaturen, die Kollisionen vermeiden.
  • & (Et-Zeichen): Aus dem lateinischen "et" entstandene Ligatur.
  • st / ct: Historische Zierligaturen aus der Renaissance-Kalligrafie.
  • Schreibschrift: Durchgehende Verbindungen zwischen fast allen Buchstaben.
  • Arabische Schrift: Buchstaben verändern ihre Form je nach Verbindung im Wort.

In der Praxis

Ligaturen übt man, indem man die problematischen Buchstabenpaare gezielt wiederholt und auf einen ruhigen, gleichmäßigen Verbindungsstrich achtet. Wichtig ist, dass beide Buchstaben erkennbar bleiben — eine Ligatur darf die Lesbarkeit nicht opfern. In der Schreibschrift ergibt sich die Verbindung aus dem Schreibrhythmus von selbst. Bei Zierligaturen gilt: sparsam einsetzen, sonst wirkt der Text überladen. In Schriftprogrammen werden Ligaturen über OpenType-Funktionen automatisch ersetzt.

Vergleich & Abgrenzung

Ligaturen werden manchmal mit Verbindungsstrichen der Schreibschrift gleichgesetzt. Streng genommen ist die durchgehende Verbindung in Schreibschriften ein Sonderfall; eine "klassische" Ligatur verschmilzt zwei Formen zu einer einzigen, wie beim "fi". Von Kerning unterscheiden sich Ligaturen, weil dieses nur den Abstand ändert, ohne die Formen zu verbinden.

MerkmalLigaturVerbindungsstrich (Schreibschrift)
Wirkungverschmilzt Formenverbindet, Formen bleiben getrennt
ZweckKollision/Schmuckdurchgehender Schreibfluss
Häufigkeitgezieltdurchgehend

Häufige Fragen (FAQ)

Wozu dienen Ligaturen? Sie vermeiden störende Kollisionen benachbarter Buchstaben (z. B. f und i), erhöhen den Schreibfluss und können als Zierform das Schriftbild geschlossener und eleganter machen.

Sind Schreibschrift-Verbindungen dasselbe wie Ligaturen? Sie sind ein Sonderfall. Eine klassische Ligatur verschmilzt zwei Buchstaben zu einer Form, während Schreibschrift-Verbindungen die Buchstaben über einen Strich verbinden, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

Weiterführend

  • Forssman, Friedrich; de Jong, Ralf (2008): Detailtypografie. Verlag Hermann Schmidt.
  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. DK Publishing.
  • Bringhurst, Robert (2004): The Elements of Typographic Style. Hartley & Marks.
← Zurück zu Kalligrafie
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar