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Strichfolge ist die festgelegte Reihenfolge, in der die einzelnen Striche eines Buchstabens in der Kalligrafie nacheinander geschrieben werden — sie ist Teil des Ductus und sorgt für gleichmäßige, flüssige Schrift.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Grundlagen & Begriffe · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Ductus-Reihenfolge, Strichreihenfolge, Schreibreihenfolge, stroke order

Was ist die Strichfolge?

Die Strichfolge legt fest, welcher Strich eines Buchstabens zuerst, welcher als zweites und so weiter geschrieben wird. Sie ist in der Kalligrafie nicht beliebig, sondern überliefert und didaktisch begründet. Eine korrekte Strichfolge sorgt dafür, dass die Feder nicht gegen ihre Spitze läuft und dass die Buchstaben gleichmäßig und flüssig entstehen.

Erklärung

Jede kalligrafische Schrift hat eine eigene Strichfolge, die meist in Lehrvorlagen mit nummerierten Pfeilen dargestellt wird. Der Buchstabe "a" einer Italic etwa beginnt typischerweise mit dem ovalen Bogen, gefolgt vom geraden Abstrich. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Sie ist so gewählt, dass die Bandzugfeder oder Spitzfeder stets zieht statt schiebt — schiebende Bewegungen würden die Feder stocken lassen oder Tinte spritzen.

Die Strichfolge ist Teil des umfassenderen Ductus, der zusätzlich Richtung, Rhythmus und Druck einbezieht. Wer die Strichfolge beachtet, erreicht:

  • gleichmäßige Strichstärken, weil der Federwinkel pro Strich konstant bleibt,
  • saubere Übergänge zwischen Strichen,
  • höheres Schreibtempo, da die Bewegung automatisiert wird,
  • Schonung der Feder, weil sie nie gegen die Spitze läuft.

In der ostasiatischen Kalligrafie ist die Strichfolge sogar streng kanonisiert: Chinesische und japanische Schriftzeichen werden in einer überlieferten Reihenfolge geschrieben (z. B. erst waagerecht, dann senkrecht, von oben nach unten, von links nach rechts), und Abweichungen gelten als Fehler. Auch in der lateinischen Kalligrafie ist die Strichfolge ein Kernbestandteil des Unterrichts, weil sie die Grundlage für ein gleichmäßiges Schriftbild legt.

Beispiele

  • Italic "a": Erst der ovale Bogen, dann der gerade Abstrich rechts.
  • Textura "n": Mehrere kurze, von oben nach unten gesetzte Abstriche.
  • Versal "E": Senkrechter Stamm zuerst, dann die drei Querbalken von oben nach unten.
  • Chinesisches Zeichen: Streng kanonisierte Reihenfolge (oben vor unten, links vor rechts).
  • Pfeil-Diagramm: Lehrmaterial mit nummerierten Strichen und Richtungspfeilen.

In der Praxis

Anfänger/innen lernen die Strichfolge am besten anhand von Pfeil-Diagrammen und schreiben jeden Buchstaben zunächst langsam nach. Das Tempo wird erst gesteigert, wenn die Reihenfolge sitzt. Wer sich eine falsche Strichfolge angewöhnt, bemerkt das oft erst bei höherem Tempo, wenn die Schrift unruhig wird. Es lohnt sich daher, die Reihenfolge von Beginn an korrekt zu üben, statt sie später mühsam umzulernen.

Vergleich & Abgrenzung

Strichfolge und Duktus sind eng verwandt, aber nicht identisch. Die Strichfolge meint nur die Reihenfolge der Striche, der Duktus den gesamten Bewegungsablauf inklusive Rhythmus und Druck. Die Strichführung wiederum beschreibt die Ausführung des einzelnen Strichs.

MerkmalStrichfolgeDuktus
FokusReihenfolge der Strichegesamter Bewegungsablauf
Umfang"welcher zuerst"Richtung, Rhythmus, Druck
Darstellungnummerierte Pfeileganze Schreibbewegung

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist die Strichfolge festgelegt und nicht frei? Eine feste Strichfolge sorgt dafür, dass die Feder zieht statt schiebt, dass Strichstärken gleichmäßig bleiben und das Schreiben mit Übung schneller wird. Sie schont zudem die Federspitze.

Gilt die Strichfolge auch für ostasiatische Kalligrafie? Ja, dort sogar besonders streng. Chinesische und japanische Zeichen werden in einer kanonisierten Reihenfolge geschrieben, deren Einhaltung als Qualitätsmerkmal gilt.

Weiterführend

  • Noordzij, Gerrit (2005): The Stroke: Theory of Writing. Hyphen Press.
  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. DK Publishing.
  • Mediavilla, Claude (1996): Calligraphie. Imprimerie Nationale.
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