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Faux Calligraphy ist die Nachahmung des Kalligrafie-Looks mit einem gewöhnlichen Stift, indem man die Abstriche eines Wortes nachträglich verdickt.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Lettering · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Faux Lettering, falsche Kalligrafie, Fake Calligraphy

Was ist Faux Calligraphy?

Faux Calligraphy bezeichnet eine Technik, bei der man den typischen Wechsel von dünnen und dicken Linien der Kalligrafie mit einem ganz normalen Stift imitiert. Statt durch Druck auf eine flexible Feder entsteht der Kontrast hier durch nachträgliches Verdicken der Abstriche. Faux Calligraphy ist der direkteste Einstieg in die Welt des Letterings, da kein Spezialwerkzeug benötigt wird.

Erklärung

Der Reiz von Faux Calligraphy liegt darin, dass keine teure Ausrüstung nötig ist. Ein Fineliner, Kugelschreiber oder Gelstift genügt vollständig. Die Technik funktioniert in drei klaren Schritten:

Im ersten Schritt schreibt man das Wort in einer verbundenen Schreibschrift mit gleichmäßigem Strich. Dabei schreibt man bewusst etwas größer als gewohnt, damit genug Platz für die spätere Verdickung bleibt.

Im zweiten Schritt identifiziert man alle Abstriche, also die nach unten führenden Linien. Ein Abstrich ist jede Bewegung, bei der der Stift in Richtung Grundlinie oder darunter zieht: das gerade Bein eines „n", das untere Ende eines „a", der geschwungene Bogen eines „f". Diese Linien werden markiert oder gedanklich notiert.

Im dritten Schritt zeichnet man parallel zu jedem Abstrich eine zweite Linie und füllt den entstehenden Zwischenraum vollständig aus. Die parallele Linie verläuft auf der rechten oder linken Seite des Abstrichs, je nach Stilvorliebe, meist außen auf der rechten Seite bei einer rechtsgeneigten Schrift.

Das Ergebnis sieht der echten Kalligrafie sehr ähnlich, weil dasselbe optische Grundprinzip greift: dünne Aufstriche, dicke Abstriche. Faux Calligraphy eignet sich deshalb hervorragend zum Einstieg, um ein Gefühl für Buchstabenformen und Strichkontrast zu entwickeln, bevor man zu Brush Lettering oder Spitzfeder wechselt.

Erfahrene Letterer nutzen Faux Calligraphy auch auf Materialien, auf denen Tinte nicht haftet oder ein Brushpen nicht funktioniert: auf Holz, Spiegel, Kreidetafeln oder Kraftpapier. Gerade für Chalk Lettering (Kreidelettering) ist Faux Calligraphy die bevorzugte Methode, da man auf einer Tafel keinen Druckkontrast mit einem Pinsel erzielen kann.

Eine Variante ist Faux Calligraphy mit einem Gelstift auf dunklem Papier: Weiße oder goldene Gelschreiber auf schwarzem Karton erzeugen einen eleganten, edlen Look, der für Karten und Einladungen sehr beliebt ist.

Beispiele

  • Spiegel-Beschriftung: Hochzeits- oder Event-Schilder mit Kreidemarker im Faux-Stil.
  • Holzschilder: Willkommensgrüße auf rauem Untergrund, auf dem Brushpens ausfransten.
  • Bullet Journals: dekorative Überschriften ohne teures Spezialwerkzeug.
  • Karten: schnelle Kalligrafie-Optik mit Kugelschreiber oder Fineliner.
  • Kreidetafel-Lettering: Schreibschrift mit nachträglich verdickten Abstrichen auf der Tafel.

In der Praxis

Faux Calligraphy gelingt am besten, wenn man bewusst langsam arbeitet und ausreichend Platz für die Verdickungen einplant. Wer zu eng schreibt, hat keinen Raum für die parallele Linie.

Die Dicke der Verdickung bestimmt den Charakter des Schriftzugs. Eine schmale Verdickung ergibt einen eleganten, feinen Look ähnlich der Spitzfeder-Kalligrafie. Eine breite, kontrastreiche Verdickung erinnert eher an Brush Lettering mit großem Pinsel.

Gleichmäßige Abstände der parallelen Linien sind wichtig: Wenn manche Abstriche doppelt so breit sind wie andere, wirkt der Schriftzug unruhig. Ein Lineal oder der Zeigefinger als Abstandshalter hilft am Anfang, die Breite konsistent zu halten.

Auf rauen Oberflächen empfiehlt sich ein deckender, pigmentreicher Stift. Wer den Look digital umsetzt, kann die Abstriche auf einer zweiten Ebene mit einer breiteren Pinselspitze ausfüllen und danach mit der Originalebene zusammenführen.

Vergleich & Abgrenzung

Faux Calligraphy wird oft mit Brush Lettering verglichen. Beim Brush Lettering entsteht der Kontrast durch Druck auf eine flexible Spitze in einem Zug; bei Faux Calligraphy wird er manuell hinzugefügt.

MerkmalFaux CalligraphyBrush Lettering
Werkzeugbeliebiger StiftBrushpen oder Pinsel
Kontrastnachträglich eingezeichnetdurch Druck im selben Zug
Lernkurvesehr flach, sofort erlernbarsteiler, erfordert Übung
Eignungjede Oberflächenur glatte, tintengeeignete Flächen

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Faux Calligraphy und echter Kalligrafie? Bei echter Kalligrafie entsteht der dünn-dick-Kontrast durch eine flexible Feder oder Pinselspitze in einem einzigen Zug. Bei Faux Calligraphy zeichnet man die dicken Abstriche nachträglich mit einem normalen Stift ein. Das Ergebnis kann optisch sehr ähnlich aussehen, der Entstehungsprozess ist fundamental verschieden.

Wozu verwendet man Faux Calligraphy? Faux Calligraphy ist ideal für Anfänger/innen und für Oberflächen, auf denen Tinte schlecht haftet, etwa Holz, Glas oder Kreidetafeln. Sie liefert den Kalligrafie-Look ohne Spezialwerkzeug und eignet sich gut zum Erlernen des Strichkontrast-Prinzips vor dem Umstieg auf Brushpen oder Spitzfeder.

Kann man Faux Calligraphy mit jedem Stift machen? Ja. Kugelschreiber, Fineliner, Gelstift, Bleistift, Filzstift und Marker funktionieren alle. Wichtig ist, dass der Stift fließend auf dem gewählten Untergrund schreibt. Für glänzende Oberflächen wie Glas oder Spiegel braucht man einen speziellen Marker, der auf glatten Flächen haftet.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kirkendall, Gabri Joy / Panczyszyn, Shelly (2016): Hand Lettering A to Z. Walter Foster.
  • Engel, Martina (2018): Handlettering. Die Kunst der schönen Buchstaben. Frech Verlag.
  • Tombow (2019): Lettering Basics (Herstellerleitfaden). Tombow Europe.

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