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Kaishu (Regelschrift) ist der klar gegliederte, gut lesbare Standardstil der chinesischen Kalligrafie, in dem jeder Strich einzeln und vollständig ausgeführt wird, und gilt als Grundlage des Schreibunterrichts.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Regelschrift, Standardschrift, Kaiti (楷體), Zhengkai

Was ist Kaishu (Regelschrift)?

Kaishu ist der heute gebräuchlichste Stil der chinesischen Kalligrafie. Der Name bedeutet „Musterschrift" oder „Regelschrift". In Kaishu wird jeder Strich klar getrennt, vollständig und in fester Reihenfolge geschrieben, was die Schrift besonders lesbar und für Lernende ideal macht.

Erklärung

Kaishu entstand am Ende der Han-Zeit und reifte in der Wei- und Jin-Zeit zur vollen Form aus. Es löste die ältere Kanzleischrift Lishu (Kanzleischrift) als Alltagsschrift ab und wurde der Standard für Bücher, Dokumente und den Druck. Charakteristisch sind klare horizontale und vertikale Striche, präzise Haken und ausgewogene Proportionen innerhalb eines gedachten Quadrats. Jedes Zeichen steht für sich, ohne dass Striche ineinander übergehen.

Innerhalb der fünf Stile der Chinesische Kalligrafie (Shufa) nimmt Kaishu die Rolle der klar lesbaren Norm ein. Es ist langsamer zu schreiben als die Laufschrift Xingshu (Laufschrift), dafür eindeutig und diszipliniert. Große Meister wie Yan Zhenqing (709–785) und Ouyang Xun (557–641) schufen Kaishu-Vorlagen, die bis heute kopiert werden. Wegen seiner Klarheit ist Kaishu Grundlage des Schreibunterrichts in der gesamten ostasiatischen Kalligrafie.

Beispiele

  • Beispiel 1: Stelen-Inschriften von Yan Zhenqing als klassische Übungsvorlagen.
  • Beispiel 2: Schulhefte, in denen Kinder Kaishu-Zeichen üben.
  • Beispiel 3: Gedruckte Bücher und Wörterbücher in Kaishu-Drucktypen.
  • Beispiel 4: Behördliche Dokumente und offizielle Beschriftungen.
  • Beispiel 5: Digitale Kaiti-Fonts auf Computer und Smartphone.

In der Praxis

Kaishu ist der erste Stil, den Lernende üben, weil seine klaren Striche die Pinselführung schulen. Geübt werden die acht Grundstriche (oft am Zeichen 永 demonstriert) sowie die richtige Strichfolge. Wer Kaishu beherrscht, hat die Basis für alle anderen Stile gelegt. In Gestaltung und Typografie ist Kaishu die Referenz für gut lesbare, würdevolle chinesische Schrift.

Vergleich & Abgrenzung

Kaishu wird oft mit der schnelleren Laufschrift verglichen.

MerkmalKaishuXingshu
Tempolangsam, sorgfältigflüssiger, schneller
Strichegetrennt, vollständigteils verbunden
Lesbarkeitsehr hochhoch, aber freier

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Kaishu und Xingshu? In Kaishu wird jeder Strich getrennt und vollständig ausgeführt, während Xingshu (Laufschrift) Striche verbindet und dadurch schneller, aber freier wird.

Warum lernt man Kaishu zuerst? Weil die klaren, getrennten Striche und die feste Reihenfolge die Pinselführung und das Verständnis der Zeichenstruktur am besten schulen.

Weiterführend

  • Ledderose, Lothar (1986): Mi Fu and the Classical Tradition of Chinese Calligraphy. Princeton University Press.
  • Tseng, Yuho (1993): A History of Chinese Calligraphy. Chinese University Press.
  • Qiu, Xigui (2000): Chinese Writing. Society for the Study of Early China.
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