← Zurück zu Kalligrafie
Persische Kalligrafie ist die iranische Schreibkunst der arabisch-persischen Schrift, die ihren Höhepunkt im fließenden, hängenden Nastaliq-Stil findet und eng mit der klassischen persischen Dichtung verbunden ist.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Khatt-e Irani, iranische Kalligrafie, Nastaliq-Kalligrafie

Was ist persische Kalligrafie?

Persische Kalligrafie ist die in Iran und im persischen Kulturraum entwickelte Form der arabischschriftlichen Kalligrafie. Sie verwendet das erweiterte arabisch-persische Alphabet und brachte mit dem Nastaliq-Stil eine eigenständige, weltweit geschätzte Schreibkunst hervor.

Erklärung

Die persische Kalligrafie übernahm die arabische Schrift nach der Islamisierung Irans, entwickelte daraus aber eigene Stile. Während frühe Werke arabische Schriftarten wie Naskh nutzten, entstand im 14. Jahrhundert der Taliq und daraus der Nastaliq, ein Stil, der als „Braut der islamischen Kalligrafie" gilt. Nastaliq zeichnet sich durch schräg nach rechts hängende Wörter, fließende Übergänge und einen ausgeprägten Kontrast zwischen feinen und breiten Strichen aus. Mir Ali Tabrizi (14./15. Jahrhundert) gilt als Begründer dieses Stils; Mir Emad Hassani (1554–1615) perfektionierte ihn und wurde zur unangefochtenen Referenz für klassische Nastaliq-Proportionen.

Charakteristisch für die persische Kalligrafie ist ihre enge Verbindung zur Dichtung. Verse von Hafis (1315–1390), dem Dichter aus Schiras, und Dschalal ad-Din Rumi (1207–1273) sind die häufigsten Textquellen der persischen Kalligrafie. Diese Gedichte wurden kunstvoll kalligrafiert und in die Buchmalerei der Mughal- und Safawiden-Manuskripte eingebettet. Die enge Verbindung von Bild und Schrift, bei der kalligrafierte Verse Miniaturmalereien umrahmen oder durchziehen, ist ein Charakteristikum persischer Buchkunst.

Neben dem Nastaliq entwickelte sich das Shekasteh-Nastaliq, wörtlich die „gebrochene" Variante des Nastaliq. Diese noch fließendere Kursive entstand für Korrespondenz und freie Kompositionen, in denen Wörter ineinander übergehen und die Grenzen zwischen Buchstaben verschwimmen. Shekasteh-Nastaliq wirkt noch spontaner als Nastaliq, erfordert aber ein noch tieferes Verständnis der Proportionskonventionen.

Eine weitere persische Spezialität ist die Siyah Mashq, wörtlich „schwarze Übung". Dabei werden Schriftzüge absichtlich über- und nebeneinander geschrieben, bis das Papier fast vollständig geschwärzt ist. Was zunächst wie eine Übungsmethode klingt, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kompositionsform: Die Dichte der Schrift erzeugt ein abstraktes Geflecht aus Linien, das gleichzeitig als Kunstwerk und als Gedächtnisübung für den Kalligrafen fungiert. Siyah Mashq-Werke von Mir Emad Hassani und anderen Meistern werden als Zeugnisse höchster kalligrafischer Kontrolle geschätzt.

Geschrieben wird mit dem Rohrkalam (Qalam), dessen Spitze in einem präzisen Winkel angeschnitten wird. Die persische Kalligrafie verläuft, wie die arabische, von rechts nach links und folgt strengen Proportionsregeln, die sich an der Rautenform des Punktes (Nuqta) orientieren. Das Papier wird traditionell mit Stärke oder Ahar (einem Reisebrei-Extrakt) geglättet, damit die feine Linienführung des Nastaliq sauber gelingt.

Beispiele

  • Nastaliq: Der hängende, fließende Hauptstil der persischen Kalligrafie.
  • Shekasteh-Nastaliq: „Gebrochene" Kursive für Briefe und freie Kompositionen.
  • Taliq: Vorläuferstil des Nastaliq, im Kanzleiwesen verwendet.
  • Siyah Mashq: Dichte Übungskompositionen mit überlagerten Schriftzügen als eigenständige Kunstform.
  • Dichtervers-Kalligrafie: Kalligrafierte Zeilen von Hafis oder Rumi als klassisches Motiv.

In der Praxis

Wer persische Kalligrafie lernt, beginnt mit dem korrekten Schneiden des Rohrkalams und übt die Grundproportionen anhand des Punktes (Nuqta) als Maßeinheit. Geschrieben wird mit Tusche auf glattem, oft geleimtem (ahar) Papier, das die feine Linienführung des Nastaliq trägt. Wichtig sind das gleichmäßige Hängen der Wörter, der Kontrast der Strichstärken und die rhythmische Verteilung im Bildfeld. Geübt wird durch das Kopieren der Meistervorlagen (Mashq), besonders der Werke von Mir Emad Hassani.

Vergleich & Abgrenzung

Persische und arabische Kalligrafie teilen das Alphabet, doch der Nastaliq-Stil ist eine persische Eigenentwicklung.

MerkmalPersische KalligrafieArabische Kalligrafie
LeitstilNastaliq (hängend)Naskh, Thuluth, Kufi
Charakterfließend, poetischje nach Stil streng oder dekorativ
HauptkontextDichtung, Buchkunstoft sakral (Koran)

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Nastaliq in der persischen Kalligrafie? Nastaliq ist der wichtigste persische Kalligrafiestil mit schräg hängenden Wörtern und fließenden Übergängen. Er gilt als Inbegriff der persischen Schreibkunst und wird vor allem für Poesie verwendet.

Worin unterscheidet sich persische von arabischer Kalligrafie? Beide nutzen die arabische Schrift, doch die persische Kalligrafie entwickelte mit Taliq und Nastaliq eigene Stile und ist stärker auf die persische Dichtung ausgerichtet.

Was ist Shekasteh-Nastaliq? Shekasteh-Nastaliq ist eine noch fließendere, „gebrochene" Variante des Nastaliq. Wörter und Buchstaben gehen fast nahtlos ineinander über; der Stil diente ursprünglich für Korrespondenz und entwickelte sich zu einer eigenständigen Kompositionsform der persischen Kalligrafie.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
  • Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
  • Safadi, Yasin Hamid (1978): Islamic Calligraphy. Thames & Hudson.
← Zurück zu Kalligrafie
Infotag

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar