Ludovico degli Arrighi (um 1475–1527) war ein italienischer Schreibmeister und Drucker der Renaissance, dessen Lehrbuch La Operina (1522) als erstes gedrucktes Vorlagenwerk die humanistische Kanzleischrift festhielt.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Persönlichkeiten · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Ludovico degli Arrighi, Ludovico Vicentino, Arrighi
Was ist Arrighi (Ludovico degli Arrighi)?
Arrighi war einer der einflussreichsten Schreibmeister der italienischen Renaissance. Er arbeitete als Schreiber an der päpstlichen Kanzlei in Rom und kodifizierte die elegante humanistische Kursive in einem der ersten gedruckten Schreiblehrbücher.
Erklärung
Ludovico degli Arrighi, auch Ludovico Vicentino genannt, wirkte im frühen 16. Jahrhundert als Schreiber (scriptor) der Apostolischen Kanzlei (Cancelleria) in Rom. Aus dieser Tätigkeit leitet sich der Name der Schrift ab: die Cancelleresca oder Kanzleischrift, eine schräg geneigte, flüssige humanistische Kursive. 1522 veröffentlichte Arrighi in Rom La Operina da imparare di scrivere littera cancellarescha – das erste gedruckte Lehrbuch, das die Kanzleischrift systematisch unterrichtete. Es wurde von Holzschnitten reproduziert, die Arrighis Handschrift nachbildeten, und legte Federhaltung, Buchstabenform und Proportionen fest.
Die historische Bedeutung von Arrighi liegt darin, dass er die bis dahin nur handschriftlich weitergegebene Kanzleischrift in Buchform allgemein zugänglich machte. Sein Werk und das kurz darauf erschienene zweite Buch Il modo de temperare le penne prägten die europäische Schreibkultur für Jahrhunderte. Arrighi betätigte sich zudem als Drucker mit eigenen Kursivtypen. Spätere Schreibmeister wie Giambattista Palatino bauten auf seiner Arbeit auf, und im 20. Jahrhundert griffen Kalligrafen wie Hermann Zapf die Cancelleresca-Tradition wieder auf.
Beispiele
- La Operina (1522): erstes gedrucktes Lehrbuch der Kanzleischrift.
- Il modo de temperare le penne (1523): Folgewerk zum Schneiden der Schreibfeder.
- Cancelleresca-Schrift: die von ihm kodifizierte humanistische Kursive.
- Tätigkeit an der päpstlichen Kanzlei: Ursprung der Kanzleischrift.
- Arrighi-Kursivtypen: seine als Drucker geschnittenen kursiven Drucktypen.
In der Praxis
Arrighis La Operina gilt unter Kalligrafen bis heute als Grundlagenwerk für die italienische Kanzleischrift. Wer die Cancelleresca lernen will, studiert die Buchstabenformen, den Federwinkel und die rhythmische Neigung, die Arrighi vorgab. Faksimile-Ausgaben sind verfügbar. Die Schrift wird mit einer schmalen Breitfeder oder Spitzkanten-Feder ausgeführt und bildet die Basis vieler moderner Schreibschriften.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Arrighi (Ludovico degli Arrighi) | Giambattista Palatino |
|---|---|---|
| Zeit | um 1522 | um 1540 |
| Werk | La Operina | Libro nuovo d'imparare a scrivere |
| Schwerpunkt | Kanzleischrift, Klarheit | Vielfalt der Schriftarten |
Während Arrighi die Kanzleischrift erstmals gedruckt kodifizierte, erweiterte Giambattista Palatino das Repertoire um zahlreiche Schriftarten und Verzierungen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wofür ist Ludovico degli Arrighi bekannt? Für La Operina (1522), das erste gedruckte Lehrbuch der humanistischen Kanzleischrift, das die Cancelleresca-Kursive einem breiten Publikum zugänglich machte.
Was bedeutet „Cancelleresca"? Der Begriff leitet sich von der päpstlichen Kanzlei (Cancelleria) ab, in der Arrighi arbeitete, und bezeichnet die dort gepflegte, schräg geneigte humanistische Kursivschrift.
Weiterführend
- Arrighi, Ludovico (1522): La Operina da imparare di scrivere littera cancellarescha. Rom.
- Osley, A. S. (1980): Scribes and Sources: Handbook of the Chancery Hand. David R. Godine.
- Morison, Stanley (1933): Early Italian Writing-Books. Edition Officina Bodoni.

