Korrektur und Retusche umfasst alle Verfahren, mit denen Kalligraf/innen Fehler – Kleckse, falsche Buchstaben, ausgefranste Striche – nachträglich entfernen oder überdecken, ohne das Schriftbild zu beschädigen.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Techniken & Übungen · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Ausbessern, Retuschieren, Fehlerkorrektur, Nachbearbeitung
Was ist Korrektur und Retusche?
Korrektur und Retusche bezeichnet das gezielte Ausbessern fehlerhafter Stellen in einer Kalligrafie-Arbeit. Dazu zählen mechanische Methoden wie das Abschaben getrockneter Tinte, das Überdecken mit Deckweiß sowie – bei reproduzierten Arbeiten – die digitale Korrektur am Scan. Ziel ist ein Schriftbild, in dem die Ausbesserung möglichst unsichtbar bleibt.
Erklärung
Auf glattem Papier oder Pergament lässt sich getrocknete Tinte mit einer scharfen Klinge oder einem Glasradierer vorsichtig abschaben; danach wird die aufgeraute Stelle mit dem Falzbein geglättet, damit neue Tinte nicht ausläuft. Auf saugendem Papier funktioniert das Schaben nicht – hier hilft nur Übermalen mit Deckweiß (Gouache) und erneutes Schreiben darüber.
Die Korrektur sollte erst nach vollständiger Trocknung erfolgen, und feuchte Kleckse niemals verwischt, sondern abgetupft werden. Bei der Retusche gilt der Grundsatz, dass eine saubere Neuanfertigung oft schneller und schöner ist als ein aufwendig geflicktes Blatt – Profis kalkulieren Fehlversuche ein. Für Drucke und digitale Publikationen ist die Retusche am Computer der zuverlässigste Weg: Der Scan wird in einer Bildbearbeitung von Flecken und Schwankungen befreit. Wer historische Schriften reproduziert, retuschiert nur, um die Lesbarkeit zu sichern, nicht um den Charakter zu verändern.
Beispiele
- Klinge abschaben: ein einzelner Tintenspritzer auf Hot-Press-Papier entfernt.
- Deckweiß überdecken: falscher Buchstabe übermalt und neu geschrieben.
- Falzbein-Glättung: aufgeraute Stelle nach dem Schaben wieder verdichtet.
- Digitale Retusche: Scan in der Bildbearbeitung von Papierschatten befreit.
- Abtupfen: frischer Klecks mit Löschpapier aufgenommen, bevor er einzieht.
In der Praxis
Notwendig sind eine scharfe Bastelklinge, ein Glasradierer, Deckweiß und ein Falzbein. Vor jeder Korrektur prüft man die Papierart: Büttenpapier lässt sich kaum schaben, Pergament dagegen gut. Beim Übermalen sollte das Deckweiß angemessen verdünnt sein, damit die Schrift darüber nicht klumpt. Für hochwertige Arbeiten lohnt eine Probe an einem Reststück. Digitale Retusche erfolgt verlustfrei und reversibel.
Vergleich & Abgrenzung
Korrektur greift in die Originalarbeit ein, Retusche kann auch nur am reproduzierten Bild stattfinden.
| Merkmal | Mechanische Korrektur | Digitale Retusche |
|---|---|---|
| Eingriffsort | Originalblatt | Scan/Datei |
| Reversibel | nein | ja |
| Papierabhängig | stark | nein |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie entferne ich einen Tintenklecks aus fertiger Kalligrafie? Frisch abtupfen, nie wischen; getrocknet auf glattem Papier vorsichtig abschaben und glätten – auf saugendem Papier mit Deckweiß überdecken.
Lohnt sich Korrektur oder besser neu schreiben? Bei kleinen Fehlern lohnt die Korrektur; bei mehreren oder zentralen Fehlern ist eine Neuanfertigung meist schneller und das Ergebnis sauberer.
Weiterführend
- Harris, David (1995): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
- Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Vom Schriftblatt zur Kunst der Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.
- Wilson, Diana Hardy (1990): The Encyclopedia of Calligraphy Techniques. Headline.

