Choropleth-Karte ist eine thematische Karte, die geografische Einheiten (Länder, Regionen, Wahlbezirke) durch Farbabstufungen einfärbt, um räumliche Verteilungen und Muster einer statistischen Variable darzustellen.
Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Infografik & Datenvisualisierung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Flächenkartogramm, Choroplethenkarte, Choroplethen-Map, thematische Karte
Was ist eine Choropleth-Karte?
Die Choropleth-Karte ist die verbreitetste Form der thematischen Kartografie und ein unverzichtbares Werkzeug im Datenjournalismus. Sie zeigt, wie sich eine Variable räumlich verteilt – zum Beispiel Wahlbeteiligung nach Bundesland, Einkommensniveau nach Region oder Impfquoten nach Landkreis. Jedes geografische Gebiet erhält eine Farbe, die proportional zum Wert der dargestellten Variable ist. Das Ergebnis ist eine sofort verständliche Karte, die räumliche Muster und Cluster auf einen Blick sichtbar macht.
Erklärung
Normierung ist Pflicht: Der häufigste und gravierendste Fehler bei Choropleth-Karten ist das Verwenden absoluter Zahlen statt normierter Werte. Wenn eine Karte „Coronafälle nach Landkreis" zeigt, müssen die absoluten Fallzahlen durch die Einwohnerzahl dividiert werden (Fälle pro 100.000 Einwohner). Anderenfalls erscheinen dicht besiedelte Regionen automatisch dunkler – nicht wegen einer höheren Rate, sondern schlicht wegen ihrer größeren Bevölkerung. Diese verzerrte Darstellung ist eine der häufigsten Fehlinformationen in der Medienkommunikation.
Klassifizierung: Kontinuierliche Datenwerte müssen für Choropleth-Karten in Klassen eingeteilt werden. Gängige Methoden sind:
- Gleichabstände: Alle Klassen haben die gleiche Breite (einfach, kann extreme Werte verzerren)
- Quantile: Jede Klasse enthält gleich viele Einheiten (zeigt Rangverteilung gut)
- Jenks Natural Breaks: Klassen orientieren sich an natürlichen Datenlücken (statistisch sinnvoll)
- Manuell: Fachlich motivierte Grenzen (z. B. politisch relevante Schwellenwerte)
Farbskala: Sequentielle Farbskalen (z. B. hellgelb bis dunkelblau) für einheitlich gerichtete Daten (immer höher oder immer niedriger). Divergierende Skalen (z. B. rot-weiß-blau) für Daten mit einem natürlichen Mittelpunkt (z. B. Abweichungen vom Bundesdurchschnitt). Kategoriale Farben für nominale Daten (z. B. Parteizugehörigkeit). Immer Colorbrewer-Paletten oder vergleichbare barrierefreie Paletten verwenden (vgl. Farbwahl in der Datenvisualisierung).
Verzerrung durch Gebietsgröße: Ein bekanntes Problem ist, dass kleine, dicht besiedelte Gebiete optisch kaum sichtbar sind, während dünn besiedelte Flächenstaaten die Karte dominieren. Als Alternative kann ein Kartogramm verwendet werden, bei dem die Gebietsgröße proportional zur Einwohnerzahl angepasst wird.
Beispiele
- Wahlkartografie: Stimmenanteile nach Wahlkreis – der klassische Anwendungsfall in der Wahlnacht-Berichterstattung.
- Pandemie-Reporting: 7-Tage-Inzidenz nach Landkreis – täglich aktualisierte Choropleth-Karten wurden 2020–2022 zum verbreitetsten Infografikformat in Deutschland.
- Wirtschaftsgeografie: BIP pro Kopf nach EU-Mitgliedsstaat als standardisierte Eurostat-Karte.
- Bildungsforschung: Akademikerquote oder PISA-Ergebnisse nach Bundesland.
- Umweltjournalismus: Feinstaub-Belastung nach Gemeinde, normiert auf Einwohner pro km².
In der Praxis
Datawrapper ist das führende Tool für Choropleth-Karten im Journalismus: Es enthält fertige Karten für Deutschland (Landkreise, Bundesländer, Wahlkreise), die EU, alle Länder der Welt und viele weitere Geodatensätze. Upload der Daten als CSV, Zuweisung per Schlüsselspalte (NUTS-Code, AGS, ISO-Code) – fertig. Flourish bietet ähnliche Funktionen mit mehr Animationsoptionen. QGIS ist die Open-Source-GIS-Software für komplexe Geodatenverarbeitung. Mapbox und Leaflet.js ermöglichen interaktive Karten im Web.
Workflow-Tipp: Immer mit verifizierten Geodaten (Shapefiles) aus offiziellen Quellen arbeiten (Statistisches Bundesamt, Eurostat, Natural Earth). Datawrapper und Flourish liefern diese automatisch mit.
Vergleich & Abgrenzung
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Räumliche Verteilung normierter Werte | Choropleth-Karte ✓ |
| Absolute Häufigkeiten an Punkten | Proportionalsymbol-Karte |
| Muster in nicht-geografischer Matrix | Heatmap |
| Bevölkerungsgewichtete Darstellung | Kartogramm |
| Mehrere Variablen gleichzeitig | Bivariate Choropleth (komplex) |
Häufige Fragen (FAQ)
Wann sollte man eine Choropleth-Karte verwenden? Wenn eine Variable räumlich verteilt ist und geografische Einheiten (Länder, Regionen, Bezirke) als Analyseeinheit dienen. Die Karte funktioniert am besten mit normierten Raten (pro Einwohner, pro Fläche), klaren Klassen und einer barrierefreien Farbskala. Für Präsentationen an breites Publikum ist sie intuitiv verständlich.
Welche häufigen Fehler gibt es bei Choropleth-Karten? Absolute statt normierte Werte (gravierendster Fehler), zu viele Klassen (mehr als sieben überfordern das Auge), ungeeignete Farbskalen (Regenbogen-Palette), fehlende Legende und Quellenangabe sowie mangelnde Barrierefreiheit (Rot-Grün-Problematik). Auch das Weglassen der Klassifizierungsmethode ist problematisch – dieselben Daten können je nach Methode sehr unterschiedliche Karten ergeben.
Verwandte Einträge
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- Farbwahl in der Datenvisualisierung
- Barrierefreiheit in Datenvisualisierungen
- Datawrapper – Vollständiger Guide
Weiterführend
- Brewer, Cynthia A. (2005): Designing Better Maps. A Guide for GIS Users. Redlands: ESRI Press.
- Cairo, Alberto (2016): The Truthful Art. San Francisco: New Riders. (Kapitel 10: Mapping Data)
- Datawrapper Academy: academy.datawrapper.de – Tutorials zu Choropleth-Karten.
