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Tableau Public ist die kostenlose Desktop-Version des Unternehmens-BI-Tools Tableau – mit Drag-and-Drop-Oberfläche für mächtige Datenanalysen und Dashboards, die auf der Tableau Public Gallery geteilt werden.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Infografik & Datenvisualisierung · Niveau: Einsteiger


Was ist Tableau Public?

Tableau ist eines der weltweit führenden Business-Intelligence-Tools und wurde 2019 von Salesforce übernommen. Tableau Public ist die kostenlose Variante für Einzelpersonen: Sie erhalten dieselbe mächtige Analyse- und Visualisierungsumgebung, müssen ihre Arbeiten aber öffentlich auf der Tableau Public Gallery (public.tableau.com) speichern.

Das bedeutet: Tableau Public ist ideal für Datenjournalisten, Datenwissenschaftlerinnen und Portfolioprojekte – aber nicht für vertrauliche Unternehmensdaten, die intern bleiben sollen.


Erklärung

Drag & Drop – das Kernerlebnis:

Die zentrale Stärke von Tableau ist seine Drag-and-Drop-Oberfläche. Datenspalten werden links in einer Seitenleiste angezeigt; sie werden per Drag-and-Drop auf die „Rows" und „Columns" Ablagefelder gezogen. Tableau erkennt automatisch, ob eine Spalte eine Dimension (Kategorie) oder eine Kennzahl (numerischer Wert) ist, und wählt einen passenden ersten Chart-Typen.

Diese Interaktion ermöglicht sehr schnelle explorative Datenanalyse: Innerhalb von Sekunden können verschiedene Kombinationen ausprobiert werden, ohne Code zu schreiben.

Datenquellen:

Tableau Public verbindet sich mit:

  • Excel und CSV-Dateien (lokal)
  • Google Sheets (via Connector)
  • Öffentlichen Web Data Connectors
  • PDF-Dateien (Tableau extrahiert tabellarische Daten)

Keine direkte Datenbankverbindung (SQL, PostgreSQL etc.) in der Public-Version – das ist eine Einschränkung gegenüber der bezahlten Tableau Desktop-Version.

Berechnungsfeld und LOD-Ausdrücke:

Tableau bietet eine eigene Formelsprache für berechnete Felder. Einfache Berechnungen (Summen, Durchschnitte, Prozentwerte) sind über die Oberfläche zugänglich. Für komplexere Analysen gibt es Level-of-Detail (LOD)-Ausdrücke, mit denen Berechnungen auf verschiedenen Granularitätsstufen durchgeführt werden können.

Dashboards:

Ein Tableau-Dashboard kombiniert mehrere Charts auf einem Bildschirm und verknüpft sie durch Filter-Actions: Ein Klick auf ein Element in einem Chart filtert automatisch alle anderen Charts im Dashboard. Das ermöglicht hochgradig interaktive explorative Analyse ohne eine Zeile Code.

Worksheets, Dashboards, Stories:

In Tableau gibt es drei Ebenen:

  • Worksheet: Eine einzelne Visualisierung.
  • Dashboard: Mehrere Worksheets kombiniert auf einer Seite.
  • Story: Geführte Präsentation durch mehrere Dashboards oder Worksheets – ähnlich dem Flourish-Story-Mode.

Tableau Public Gallery:

Alle Tableau-Public-Arbeiten werden öffentlich auf public.tableau.com gespeichert und geteilt. Die Gallery ist eine Inspirationsquelle mit tausenden von Visualisierungen aus aller Welt. Mit dem Vizzie-Award werden regelmäßig besonders innovative Dashboards ausgezeichnet.


Wann einsetzen / wann nicht

Einsetzen, wenn:

  • Mächtige explorative Datenanalyse per Drag & Drop gewünscht ist.
  • Komplexe, interaktive Dashboards mit Filter-Actions erstellt werden sollen.
  • Große Datensätze analysiert werden (Tableau ist performant bei Millionen von Zeilen).
  • Portfolio-Projekte öffentlich geteilt werden sollen (Public Gallery).
  • BI-Kontext: Entscheidungsunterstützung mit Geschäftsdaten.

Nicht einsetzen, wenn:

  • Einfache, schnell einzubettende Webgrafiken für Artikel benötigt werden – Datawrapper ist schneller.
  • Daten nicht öffentlich geteilt werden dürfen (Tableau Public speichert alles öffentlich).
  • Animierte Storytelling-Visualisierungen mit Animation gewünscht sind – Flourish ist besser.
  • Vollständige Gestaltungsfreiheit (eigene Schriften, freies Layout) benötigt wird – Illustrator.
  • Programmatische Reproduzierbarkeit wichtig ist – R oder Python sind besser.

Beispiele (5 konkrete)

  1. COVID-Tracking-Dashboards (Johns Hopkins): In der frühen COVID-Pandemie wurden berühmte Tracking-Dashboards mit Tableau gebaut, die täglich Fallzahlen nach Land und Region zeigten. Filter ermöglichten die Auswahl von Ländern und Zeiträumen.
  2. Datenjournalismus-Portfolio: Absolventinnen und Absolventen von Datenjournalismus-Studiengängen (z. B. Columbia Journalism School) nutzen Tableau Public, um ein öffentliches Portfolio aufzubauen, das sie bei Bewerbungen verlinken können.
  3. Sportstatistiken-Dashboard: Fan-Datenanalysten visualisieren Bundesliga-Statistiken – Expected Goals, Passgenauigkeit, Schussqualität – in interaktiven Tableau-Dashboards, die nach Spieler und Saison gefiltert werden können.
  4. Schulleistungsanalyse: Eine Bildungsbehörde analysiert Schultestdaten nach Schule, Jahrgang und Fach. Tableau ermöglicht es, schnell Ausreißer zu identifizieren und Muster zu erkennen – ohne Programmierung.
  5. NGO-Wirkungsmessung: Eine internationale Hilfsorganisation visualisiert ihre Projektdaten (Beneficiaries, Budget, Regionen) in einem öffentlichen Tableau-Dashboard für Transparenz und Rechenschaft gegenüber Gebern.

In der Praxis

Installation und Erste Schritte:

  1. public.tableau.com aufrufen, Tableau Public Desktop herunterladen (Windows/Mac).
  2. Datei öffnen: „Verbinden mit Datei" → Excel oder CSV wählen.
  3. In das Worksheet wechseln: Dimensionen (blau) und Kennzahlen (grün) in der linken Seitenleiste erkunden.
  4. Erste Visualisierung: „Zeilen" und „Spalten" mit Drag & Drop befüllen.
  5. Dashboard erstellen: Neues Dashboard-Tab, Worksheets hineinziehen.
  6. Veröffentlichen: „Datei > Auf Tableau Public speichern" – erfordert kostenlosen Account.

Wichtige Werkzeuge:

  • Show Me: Tableau schlägt automatisch passende Chart-Typen für die gewählten Felder vor.
  • Filter: Über die Oberfläche einfach Datenwerte einschränken.
  • Calculated Fields: Eigene Berechnungen als neue Spalten definieren.
  • Tooltip anpassen: Per Drag & Drop weitere Informationen im Hover-Tooltip einblenden.

Vergleich & Abgrenzung

ToolTypStärkeSchwäche
Tableau PublicDesktop-AppMächtig, explorativ, DashboardsKein Webembedd ohne Tableau-URL
DatawrapperWeb-ToolSchnell, embed-readyWeniger komplex
FlourishWeb-ToolAnimationen, StoryKein explorativer Ansatz
Power BIDesktop-AppMicrosoft-ÖkosystemWindows-fokussiert
Looker StudioWeb-ToolGoogle-ÖkosystemWeniger Diagrammtypen

Looker Studio (ehemals Google Data Studio) ist eine kostenlose browserbasierte Alternative zu Tableau, die sich gut mit Google Analytics, Google Sheets und BigQuery verbindet. Für Google-Ökosystem-Nutzer oft die einfachere Wahl.


Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Tableau Public Visualisierungen auf meiner Website einbetten? Ja – Tableau Public generiert einen Embed-Code (iFrame), der auf jeder Website eingebettet werden kann. Die Interaktivität (Filter, Hover, Dashboards) bleibt im Embed erhalten. Allerdings hostet Tableau die Daten auf seinen eigenen Servern, und das Tableau-Logo erscheint im kostenlosen Plan.

Was ist der Unterschied zwischen Tableau Public, Tableau Desktop und Tableau Cloud? Tableau Public: Kostenlos, alle Daten öffentlich geteilt. Tableau Desktop (Lizenz ca. 70 USD/Monat): Private Projekte, Datenbankverbindungen, kein erzwungenes Teilen. Tableau Cloud: Vollständig cloudbasierte Version für Teams, mit Kollaborationsfeatures. Für Lernzwecke und Portfolio-Aufbau ist Tableau Public vollständig ausreichend.


Verwandte Einträge

  • Datawrapper — Für schnelles Web-Publishing von Standard-Charts
  • Flourish — Für animiertes Storytelling
  • Datenstorytelling — Wie Tableau-Dashboards in Narrative eingebettet werden

Weiterführend

  • Tableau Public Gallery: public.tableau.com (Inspiration und eigene Projekte)
  • Tableau Training: training.tableau.com/student-and-teacher (kostenlose Ressourcen für Studierende)
  • Few, S. (2012). Show Me the Numbers (2. Aufl.). Analytics Press.
  • Cairo, A. (2016). The Truthful Art. New Riders.
  • Wilke, C. O. (2019). Fundamentals of Data Visualization. O'Reilly Media.
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