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Das Double-Diamond-Modell ist ein vom British Design Council 2005 veröffentlichtes Designprozessmodell, das den Weg von einem Problem zu einer Lösung in vier Phasen (Discover, Define, Develop, Deliver) strukturiert und dabei das systematische Wechselspiel von divergentem Denken (Möglichkeiten öffnen) und konvergentem Denken (Möglichkeiten schließen) visualisiert.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX Research · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: 4D-Modell, Discover-Define-Develop-Deliver, DD-Modell, Design-Council-Prozess


Was ist das Double Diamond?

Das Double Diamond ist eines der bekanntesten Modelle für strukturiertes kreatives Denken und Designprozesse. Es wurde vom British Design Council entwickelt und 2005 erstmals veröffentlicht – basierend auf einer Studie mit elf führenden globalen Unternehmen, die gemeinsame Muster in deren Designprozessen identifizieren sollte. Das Modell ist seither ein Standard-Referenzrahmen in Design-Studiengängen, Agenturen und Innovationsprojekten weltweit.


Erklärung

Die Grundform des Double Diamond zeigt zwei Rauten (Diamonds), die hintereinander gestellt sind. Jede Raute repräsentiert einen Moment, in dem das Denken zuerst geöffnet (divergent) und dann wieder geschlossen (konvergent) wird.

Diamond 1: Das richtige Problem finden

Phase 1 – Discover (Entdecken): Öffnung und Exploration. In dieser Phase wird das Problem nicht als gegeben angenommen, sondern hinterfragt. Methoden: Nutzerinterviews, ethnographische Beobachtungen, Desk Research, Heatmaps, Analytics. Das Ziel: So viele Perspektiven, Einblicke und Daten wie möglich sammeln. Kein Urteil, kein Filter.

Phase 2 – Define (Definieren): Eingrenzung und Fokus. Aus der Fülle der Entdeckungen wird das eigentliche, relevanteste Problem herausdestilliert. Methoden: Affinity Mapping, Personas, How-Might-We-Fragen, Point-of-View-Statements. Das Ergebnis ist ein klares Problem Statement, das als Grundlage für den zweiten Diamond dient.

Diamond 2: Die richtige Lösung finden

Phase 3 – Develop (Entwickeln): Wieder Öffnung, diesmal für Lösungsideen. Kreative Ideenfindung, Brainstorming, Konzeptentwicklung, frühe Prototypen. Kein Lösungsansatz ist zu verrückt, um skizziert zu werden. Methoden: Crazy 8s, Co-Creation, Analogien aus anderen Bereichen, Prototyping.

Phase 4 – Deliver (Liefern): Konvergenz zur finalen Lösung. Testen, iterieren, verbessern, fertigstellen. Usability Tests, Pilotprojekte, iterative Entwicklung. Das Ergebnis ist eine validierte, launch-fähige Lösung.

Ein zentrales Prinzip des Double Diamond ist die Trennung von Problemverständnis und Lösungsentwicklung. Viele Teams machen den Fehler, sofort in Lösungen zu springen, ohne das Problem wirklich verstanden zu haben. Das Modell erzwingt durch seine Struktur, dass Phase 2 (Define) abgeschlossen wird, bevor Phase 3 (Develop) beginnt.

Der British Design Council hat das Modell 2019 in einer aktualisierten Version weiterentwickelt: Das neue Modell ist nicht mehr linear, sondern zeigt, dass Designprozesse iterativ und zyklisch sind. Es integriert auch explizit die Designprinzipien (Design Principles) und den Designführungsprozess (Design Leadership).

Das Double Diamond ist bewusst methodenneutral gehalten: Es schreibt keine spezifischen Tools vor, sondern beschreibt den Denkrahmen. Teams füllen die Phasen mit den Methoden, die zu ihrem Kontext passen.


Beispiele

  1. App-Entwicklung: Ein Team bemerkt, dass Nutzer eine App kaum verwenden. Statt sofort neue Features zu bauen (Sprung zu Phase 3), beginnt es mit Discover (Interviews, Analytics) und erkennt in Define, dass das eigentliche Problem fehlende Onboarding-Guidance ist – nicht fehlende Features.
  2. E-Commerce: Ein Onlineshop-Team denkt in der Discover-Phase explorativ über alle Barrieren beim Checkout nach. In Define priorisiert es „Vertrauensaufbau im Checkout" als Kernproblem. In Develop entstehen mehrere Vertrauens-Signal-Konzepte, die in Deliver getestet werden.
  3. Öffentlicher Sektor / NGO: Eine Stadtverwaltung nutzt das Double-Diamond-Modell für die Neugestaltung eines Bürgerservices und entdeckt in der Discover-Phase, dass das eigentliche Problem mangelndes Bewusstsein über vorhandene Dienste ist – nicht die Dienste selbst.
  4. Startup: Ein Founding-Team setzt den ersten Diamond ein, bevor es überhaupt anfängt zu entwickeln, um sicherzustellen, dass sie das richtige Problem lösen.
  5. Agentur-Perspektive: Eine Designagentur nutzt das Double Diamond als Kommunikationsrahmen mit Kunden, um zu erklären, warum Discovery-Phasen wichtig sind und warum man nicht sofort mit Designlösungen starten sollte.

In der Praxis

Typischer Ablauf:

  1. Discover: 2–4 Wochen Nutzerforschung (Interviews, Beobachtungen, Daten). Alles dokumentieren, nichts filtern.
  2. Define: Workshop mit dem Team: Affinity Mapping, Clustering, Personas, Problem Statement formulieren. Dauer: 1–3 Tage.
  3. Develop: Ideation-Sessions (Brainstorming, Crazy 8s, Co-Creation), erste Skizzen und Low-Fidelity-Prototypen. Dauer: 1–4 Wochen.
  4. Deliver: Iterative Entwicklung mit regelmäßigen Usability Tests. Vom Prototyp zur Launch-fähigen Lösung.

Tools: Miro oder FigJam (Visualisierung des Prozesses), Figma (Prototyping in Develop/Deliver), Dovetail (Research in Discover), Notion (Projektdokumentation).


Vergleich & Abgrenzung

Das Double Diamond ist ein Prozessrahmen; der Design Sprint ist ein spezifisches, zeitlich begrenztes Werkzeug. Design Sprints können innerhalb der Deliver-Phase des Double Diamond eingesetzt werden. Design Thinking (IDEO) teilt viele Prinzipien mit dem Double Diamond, ist aber in 5 Phasen strukturiert (Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test) und stärker auf den kreativen Prozess einzelner Designerinnen und Designer ausgerichtet. Das Double Diamond ist mehr auf organisationale und teambasierte Prozesse ausgelegt.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist das Double Diamond nur für Designteams relevant? Nein. Das Modell wird in Service Design, Organisationsentwicklung, Politikgestaltung und Unternehmensberatung eingesetzt. Überall dort, wo es darum geht, ein Problem wirklich zu verstehen, bevor man Lösungen entwickelt, ist das Denkmuster des Double Diamond wertvoll. Viele Managementberatungen nutzen ähnliche Frameworks unter anderen Namen.

Wie rigide muss ich die vier Phasen einhalten? Das Double Diamond ist ein Denkrahmen, keine starre Prozessvorschrift. In der Praxis verlaufen Phasen oft überlappend, iterativ und nichtlinear. Das Modell hilft vor allem dabei, bewusst zwischen divergentem und konvergentem Denken zu wechseln – und nicht versehentlich Lösungen zu entwickeln, bevor das Problem verstanden wurde.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • British Design Council (2005/2019): The Double Diamond: A universally accepted depiction of the design process. designcouncil.org.uk.
  • Cross, N. (2011): Design Thinking: Understanding How Designers Think and Work. Berg Publishers.
  • Brown, T. (2009): Change by Design. HarperCollins.
  • IDEO (2015): The Field Guide to Human-Centered Design. IDEO.org.
  • Online: British Design Council – „The Double Diamond" (designcouncil.org.uk)
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