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New York School of Design bezeichnet die informelle Bewegung amerikanischer Grafikdesigner der 1950er bis 1970er Jahre, die subjektive Kreativität, starke Konzeptideen und den künstlerischen Anspruch der Werbegrafik gegen den rationalistischen Schweizer Stil behaupteten und die Designkultur der USA prägten.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Grafikdesigns · Niveau: Einsteiger Zeitraum: ca. 1950–1975 · Hauptvertreter: Paul Rand, Saul Bass, Herb Lubalin, Ivan Chermayeff

Was ist die New York School of Design?

Die New York School of Design ist keine Institution, sondern eine retrospektive Bezeichnung für eine Gruppe außergewöhnlicher Grafikdesigner, die im New York der Nachkriegsjahrzehnte arbeiteten und eine unverwechselbare amerikanische Designsprache entwickelten. Ihr gemeinsamer Nenner: die Überzeugung, dass Design nicht nur funktionieren, sondern eine Idee ausdrücken muss – dass Kreativität und intellektueller Witz so wichtig sind wie Klarheit und Ordnung.

Erklärung

Das Amerika der 1950er Jahre erlebte einen beispiellosen Boom der Werbewirtschaft. Zeitschriften wie Life, Fortune, Harper's Bazaar und Esquire brauchten Covers und Layouts; Plattenfirmen benötigten Album-Covers; Filmstudios bestellten Titelsequenzen; Konzerne wollten visuelle Identitäten. New York war das Zentrum dieser Industrie, und eine Handvoll Gestalter prägte sie entscheidend.

Paul Rand (1914–1996) war der Doyen der Bewegung. Seine Werbearbeit für Direktion William Bernbach (1940er) und seine späteren Unternehmenslogos für IBM (1956), ABC (1962), UPS (1961) und NeXT (1986, auf Wunsch von Steve Jobs) definierten das Corporate Logo als intellektuelles Konzept: einfach, einprägsam, bedeutungsvoll. Rands Buch „Thoughts on Design" (1947) formulierte die Theorie: Design ist die Synthese von Funktion und Kunst, von Information und Schönheit.

Saul Bass (1920–1996) revolutionierte das Filmplakat und die Filmtitelsequenz. Seine Titelsequenzen für Alfred Hitchcock (Vertigo, 1958; North by Northwest, 1959), Otto Preminger (The Man with the Golden Arm, 1955) und viele andere machten ihn berühmt. Bass' Plakate arbeiten mit einer Handschrift, die geometrisch und expressiv zugleich ist: einfache, aber unverwechselbare Formen, die eine emotionale Botschaft transportieren.

Herb Lubalin (1918–1981) machte die Typografie selbst zur Illustration. In der Zeitschrift „U&lc" (Upper and lower case, ab 1970) entwickelte er eine Typografie, die Buchstaben zu Bildern machte – sein Entwurf des Worts „mother&child", bei dem das kleine Kind im Bauch des großen O sitzt, ist eines der bekanntesten typografischen Konzeptarbeiten aller Zeiten. Lubalin gründete auch die Schriftgiesserei ITC (International Typeface Corporation), die Schriften wie Avant Garde Gothic (1970) publizierte.

Ivan Chermayeff und Tom Geismar formten eine der einflussreichsten Designpartnerschaften der USA. Ihre Logos für NBC (1986, das Pfau-Logo), Mobil Oil, Pan Am und das Museum of Modern Art sind Meisterstücke der reduzierten Konzeptgrafik.

Der Unterschied zum Swiss International Style: Während die Schweizer Sachlichkeit und System predigten, liebten die New Yorker das Konzept, die Überraschung, den Humor. Beide Schulen teilten die Ablehnung von Historismus und Ornament, aber ihre Haltung zur Kreativität war verschieden.

Wichtige Vertreter und Werke

  1. Paul Rand – IBM-Logo-Redesign (1956, schraffierte Version 1972): Eines der ikonischsten Corporate Logos der Geschichte; Rands 8-Linien-Raster machte das Monogramm zu einem Zeichen der Technologiemacht.
  2. Saul Bass – Filmplakat und Titelsequenz „Vertigo" (1958): Bass' spiralartige Bildsprache für Hitchcocks Meisterwerk ist eines der am häufigsten reproduzierten Filmdesigns überhaupt.
  3. Herb Lubalin – Titelschrift „Avant Garde Gothic" (1970): Die geometrisch-expressive Schrift für das Magazin „Avant Garde" wurde zu einem Markenzeichen der 1970er Designsprache.
  4. Chermayeff & Geismar – NBC-Pfau-Logo (1986): Das farbige Pfauenmotiv, das die Stärke von Farb-TV symbolisiert, gilt als Meisterwerk der konzeptuellen Logogestaltung.
  5. Alvin Lustig – Buchcover für New Directions Publishing (1940er–1950er): Lustigs abstrakte, künstlerisch ambitionierte Cover-Designs für Literaturklassiker setzten einen neuen Standard für amerikanisches Buchdesign.

Einfluss auf das moderne Design

Die New York School etablierte den Konzeptansatz im Grafikdesign, der heute selbstverständlich ist: Ein gutes Logo muss eine Idee tragen, nicht nur schön aussehen. Die Corporate-Identity-Praxis, die Idee des intellektuellen Briefings, die Filmtitelsequenz als eigenständige Kunstform – all das sind Erbschaften dieser Bewegung. Auch im Digitalen Design findet man die New Yorker Haltung: Konzept vor Perfektion, Idee vor System.

Vergleich & Abgrenzung

Im direkten Vergleich mit dem Swiss International Style steht die New York School für eine expressivere, konzeptuellere Haltung. Beide entwickelten sich parallel in der Nachkriegszeit, beeinflussten sich gegenseitig und bildeten die zwei dominanten Schulen des internationalen Grafikdesigns der zweiten Jahrhunderthälfte. Der Psychedelic Era Design der späten 1960er Jahre grenzte sich von beiden ab und suchte in psychedelischer Ornamentik und surrealer Bildlichkeit eine Gegenkultur zum Establishment-Design.

Häufige Fragen (FAQ)

Was sind die typischen Merkmale der New York School of Design? Charakteristisch ist die Verbindung von Konzeptidee und visueller Kraft: Logos und Plakate müssen eine Geschichte erzählen, einen Witz enthalten, eine Überraschung bieten. Typografie wird expressiv eingesetzt; Illustration und Fotografie ergänzen sich; der Grundsatz „One Idea per Piece" (Paul Rand) ist zentral.

Wie beeinflusst die New York School das heutige Design? Die konzeptuelle Haltung der New York School – dass ein Designobjekt eine klare, kommunizierbare Idee tragen muss – ist in der heutigen Markengestaltung und im Logodesign fundamental. Auch der intellektuelle Anspruch, Grafikdesign als kulturellen Beitrag zu verstehen, lebt in der zeitgenössischen Designkultur fort.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Rand, Paul: Thoughts on Design. Wittenborn, Schultz, New York 1947. (Nachdruck: Chronicle Books, San Francisco 2014.)
  • Heller, Steven / Chwast, Seymour: Graphic Style: From Victorian to New Century. Abrams, New York 2011.
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