IMAX (Image Maximum) ist ein kanadisches Großformat-Filmsystem, das 1970 von Graeme Ferguson, Roman Kroitor und Robert Kerr entwickelt wurde und heute als das führende Premium-Kinoformat der Welt gilt, besonders bekannt durch Christopher Nolans Entscheidung, mehrere Blockbuster vollständig oder teilweise in IMAX zu drehen.
Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Films · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Image Maximum, IMAX 70mm, IMAX Digital, IMAX 3D, Liemax (Fan-Begriff für kleinere IMAX-Säle)
Was ist/war IMAX?
IMAX ist ein Filmformat und Kino-Präsentationssystem, das durch eine deutlich größere Filmfläche (beim analogen IMAX läuft der 70-mm-Film horizontal statt vertikal, was eine neunfach größere Filmfläche als Standard-35mm ergibt), riesige Kinoleinwände (bis zu 1.500 Quadratmeter) und ein präzises Mehrkanal-Tonsystem eine Immersion erzielt, die konventionelle Kinos nicht erreichen können. Seit den 1990er Jahren hat IMAX auch digitale Projektoren entwickelt und eine Phase der schnellen globalen Expansion erlebt.
Erklärung
Gründung und frühe Jahre (1970–1990): IMAX entstand aus dem experimentellen Multiscreen-Kino der Expo 67 in Montreal und der Expo 70 in Osaka. Die Gründer Graeme Ferguson, Roman Kroitor und Robert Kerr entwickelten ein System, das die Grenzen der Bildgröße und -qualität auf einem praktisch realisierbaren Einzelleinwand-System maximierte. Das erste permanente IMAX-Kino eröffnete 1971 im Ontario Science Centre in Toronto.
In den 1970er und 1980er Jahren war IMAX fast ausschließlich mit Dokumentarfilmen über Natur, Wissenschaft und Abenteuer verbunden – Produktionen über den Grand Canyon, die NASA-Raumstationen oder das Great Barrier Reef. Diese Filme waren oft nur 40–45 Minuten lang, da die riesigen Filmrollen und die aufwendige Kameratechnik längere Produktionen wirtschaftlich kaum erlaubten. Das Kino war primär in Museen, Wissenschaftszentren und Planetarien zu finden.
Expansion und Mainstream (1990–2000er): In den 1990er Jahren begann IMAX, Spielfilme in das Format zu überführen. Die Technik des „DMR" (Digital Re-Mastering) ermöglichte es, reguläre 35-mm-Spielfilme auf IMAX-Qualität hochzuskalieren und so in IMAX-Kinos zu zeigen. „Apollo 13" (1995) wurde als erster großer Spielfilm auf diesem Weg in IMAX-Kinos gezeigt. „The Lion King" (1994, DMR-Version 2002) und „Harry Potter" (2002) folgten.
Das digitale IMAX (ab 2008): Die Einführung digitaler IMAX-Projektoren (2 × 2K-Laser-Projektoren) ermöglichte eine dramatische Expansion des IMAX-Netzwerks: Statt aufwendige analoge 70-mm-Projektoren zu installieren, konnten Kinos nun mit vergleichsweise kostengünstigeren digitalen Systemen ausgerüstet werden. Das führte zu einem Boom der IMAX-Säle weltweit – und zur Kritik, dass viele „IMAX"-Säle erheblich kleiner sind als das original Format. Der Begriff „Liemax" (liebes IMAX) etablierte sich unter Kinofans für diese kleineren digitalen IMAX-Varianten.
Christopher Nolans IMAX-Kampagne: Christopher Nolan wurde zum wichtigsten Fürsprecher des analogen IMAX-Formats für Spielfilme. „The Dark Knight" (2008) war der erste Spielfilm, für den Nolan ausgewählte Action-Sequenzen mit echten IMAX-Kameras drehte – bis zu 28 Minuten des Films waren im vollständigen IMAX-Format zu sehen. „The Dark Knight Rises" (2012) enthielt noch mehr IMAX-Material. „Interstellar" (2014) und „Dunkirk" (2017) wurden ebenfalls mit erheblichen IMAX-Anteilen gedreht.
„Dunkirk" (2017) war Nolans konsequentester IMAX-Film: Mehr als 70 Prozent des Films wurden mit analogen IMAX-Kameras gedreht. Nolan und sein Kameramann Hoyte van Hoytema hatten IMAX-Kameras auf Spitfire-Flugzeuge, Kriegsschiffe und in die Brandung montiert – ein logistisch gewaltiges Unterfangen. Das Ergebnis war ein visuell überwältigendes Filmerlebnis, das in regulären Kinos kaum replizierbar war.
Oppenheimer (2023) setzte mit der vollständigen Drehung in IMAX 70mm – einschließlich der ersten Nahaufnahmen je in diesem Format – neue Maßstäbe. Nolans Entscheidung sorgte für einen Rekord: „Oppenheimer" wurde der kommerziell erfolgreichste IMAX-Film ohne Franchise-Bindung der Geschichte.
IMAX weltweit: Heute gibt es über 1.700 IMAX-Kinos in mehr als 80 Ländern. In China, dem größten Kinomarkt der Welt, ist IMAX besonders stark vertreten. Die wirtschaftliche Bedeutung des IMAX-Premiums (in der Regel 3–5 Euro Aufpreis gegenüber regulären Kinos) ist für Blockbuster-Releases erheblich: Filme wie „Avengers: Endgame", „Top Gun: Maverick" und „Oppenheimer" erzielten erhebliche Anteile ihrer Einnahmen aus IMAX-Vorführungen.
Wichtige Filme & Regisseure
- „Everest" (IMAX Documentary) (David Breashears, 1998) – Bahnbrechendes IMAX-Dokument; erste Kamera auf dem Gipfel
- „The Dark Knight" (Christopher Nolan, 2008) – Erster Spielfilm mit ausgedehnten IMAX-Sequenzen; Maßstab für alle folgende
- „Interstellar" (Christopher Nolan, 2014) – IMAX-Erlebnis für Weltraum und Wissenschaft; analog 70mm Sektionen
- „Dunkirk" (Christopher Nolan, 2017) – Über 70% in IMAX gedreht; Immersion als Dramaturgie
- „Avengers: Endgame" (Russo-Brüder, 2019) – Höchste IMAX-Einnahmen bis dahin; vollständig in IMAX-Seitenverhältnis für Premiumkinos
- „Oppenheimer" (Christopher Nolan, 2023) – Vollständig in IMAX 70mm; erste Nahaufnahmen im IMAX-Format; kommerziell und künstlerisch erfolgreich
- „Avatar: The Way of Water" (James Cameron, 2022) – Umfangreiche IMAX-Version; Verbindung von IMAX und 3D
Historische Bedeutung
IMAX repräsentiert das anhaltende Streben des Kinos nach physischer Überwältigung des Zuschauers – nach einem Erlebnis, das zuhause nicht repliziert werden kann. In einer Ära, in der Heimkino und Streaming das konventionelle Kino herausfordern, ist das IMAX-Erlebnis ein Argument für den Kinobesuch. Dass Christopher Nolan seine Filme konsequent im analogen IMAX-Format dreht und damit sowohl künstlerische als auch wirtschaftliche Argumente für das Premium-Format liefert, hat dem IMAX-Kino eine neue kulturelle Bedeutung gegeben.
Vergleich & Abgrenzung
IMAX ist nicht das einzige Premium-Kinoformat: Dolby Cinema, ScreenX (Panorama-Kino), 4DX (Bewegungsstühle und Effekte) und PLF (Premium Large Format) sind Konkurrenten. IMAX unterscheidet sich durch sein Größenverhältnis der Leinwand und die Möglichkeit, spezifisches In-IMAX-gedrehtes Material im originalen Seitenverhältnis zu präsentieren. Klassische Kino-Formate wie CinemaScope (2.39:1) und VistaVision (1.85:1) waren frühere Versuche, durch Bildgröße die Zuschauer zu überwältigen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen echtem IMAX und digitalem IMAX? Echtes (analoges) IMAX nutzt 15/70-mm-Film – ein 70-mm-Film, der horizontal läuft und damit 15 Perforationslöcher pro Frame statt der üblichen 5 hat. Die Filmfläche ist rund neunmal so groß wie Standard-35mm. Digitales IMAX nutzt zwei 4K-Projektoren (neuere Systeme auch 12K) und ist erheblich flexibler in der Installation, aber technisch nicht identisch mit dem analogen Originalformat. Analoge IMAX-Kinos sind selten und meist historische Häuser.
Warum besteht Christopher Nolan auf analogem IMAX? Nolan ist ein bekennender Verfechter des analogen Films als Medium. Er argumentiert, dass analoges IMAX eine Bildqualität und -tiefe liefert, die kein digitales System replizieren kann, und dass das Kinoerlebnis im ursprünglichen Format eine emotionale und physische Wirkung entfaltet, die im Heimkino oder in digitalen Kinos nicht erreichbar ist. Für „Oppenheimer" experimentierte er mit IMAX-Kameras für Nahaufnahmen – ein technisches Wagnis, da die Kameras extrem laut sind und kaum für Dialogue-Szenen genutzt wurden.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Kerr, Robert / Ferguson, Graeme: „IMAX: The Story", selbstpubliziert / IMAX Corporation, 2000
- IMAX Corporation:
- American Cinematographer zum IMAX-Dreh von Dunkirk:
