Adobe Photoshop ist das seit 1990 von Adobe Systems vertriebene Bildbearbeitungsprogramm, das 1988 von Thomas Knoll und John Knoll entwickelt wurde und die digitale Bildbearbeitung, Fotoretusche und visuelle Kommunikation in Medien, Werbung und Kunst grundlegend verändert hat.
Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte der Fotografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Photoshop, PS, Bildbearbeitung (umgangssprachlich), Adobe Creative Suite (Produktfamilie)
Was ist/war Adobe Photoshop?
Adobe Photoshop ist ein Rastergrafik-Programm zur professionellen Bildbearbeitung und -komposition. Es ermöglicht das Retuschieren, Freistellen, Zusammenfügen (Compositing), Farbkorrigieren und kreative Manipulieren von digitalen Bildern. Photoshop wurde ursprünglich für Apple Macintosh entwickelt, existiert heute für Mac und Windows, und ist seit 2013 auch als Cloud-Abonnement (Creative Cloud) erhältlich. Als Verb ist "photoshoppen" in den deutschen Alltagssprachgebrauch übergegangen – ein seltenes Zeichen für die kulturelle Prägekraft einer Software.
Erklärung
Die Entstehungsgeschichte von Photoshop ist eine klassische Garagenerfinder-Geschichte: Thomas Knoll, Doktorand in Computerbildverarbeitung an der Universität Michigan, schrieb 1987 ein kleines Programm namens "Display" auf einem Apple Macintosh II, das Schwarzweiß-Bitmap-Bilder darstellen konnte. Sein Bruder John Knoll, Special-Effects-Supervisor bei Industrial Light & Magic (George Lucas' Effektfirma), erkannte das Potenzial und überredete Thomas, das Programm zu einem Bildbearbeitungswerkzeug weiterzuentwickeln.
Die Brüder arbeiteten in den Jahren 1987–1988 gemeinsam an dem Programm, das sie zunächst "ImagePro" nannten. Nach Lizenzierungsversuchen mit verschiedenen Unternehmen (unter anderem BarneyScan, das ein Bundle mit Scannern plante) wurde 1988 eine Vereinbarung mit Adobe Systems getroffen. Adobe-Mitgründer John Warnock erkannte das Potenzial sofort und kaufte die Distributionsrechte.
Am 19. Februar 1990 erschien Adobe Photoshop 1.0 – zunächst exklusiv für Apple Macintosh. Das Programm bot Werkzeuge zum Farbkorrigieren, Retuschieren, Größenändern und Drucken von Bildern. Die Predruckindustrie (Druckereien, Verlage, Werbeagenturen) erkannte sofort den Nutzen: Photoshop konnte den teuren Prozess der analogen Bildretusche (durch Airbrushing, Maskenschnitt, Farbseparation) partiell digitalisieren.
Wichtige Meilensteine der Photoshop-Geschichte:
- Version 2.0 (1991): Pfade, CMYK-Unterstützung für Druckvorstufe – professionelle Druckindustrie steigt ein
- Version 2.5 (1992): Erste Windows-Version; globale Marktdurchdringung
- Version 3.0 (1994): Ebenen (Layers) – die revolutionärste Neuerung; Compositing wird Standard
- Version 4.0 (1996): Anpassungsebenen, Aktionen (Makros)
- Version 5.0 (1998): History-Palette (Rückgängig-Schritte), Healing-Konzepte, Farb-Management
- Version 6.0 (2000): Vektortextebenen, Formwerkzeuge
- Version 7.0 (2002): Heilungspinsel (Healing Brush), Dateibrowser
- CS/CS2 (2003/2005): Camera RAW-Integration, Smart Objects
- CS3–CS6 (2007–2012): 64-Bit, Content-Aware Fill (KI-gestützte Bildrekonstruktion)
- CC (2013–heute): Cloud-Abonnement, regelmäßige Updates; KI-Funktionen durch Adobe Sensei: Neural Filters, Generative Fill (2023)
Die Einführung des Ebenen-Systems (Version 3.0, 1994) war der eigentliche Paradigmenwechsel: Bildebenen ermöglichen das nicht-destruktive Zusammenfügen mehrerer Bildquellen. Darauf basiert das gesamte moderne digitale Compositing – von Filmeffekten bis zu Werbefotografie.
Die Generative Fill-Funktion (2023), basierend auf Adobes eigenem KI-Modell Firefly, ermöglicht erstmals das KI-gestützte Generieren und Erweitern von Bildinhalten innerhalb des Programms. Dies markiert den Beginn einer neuen Ära, in der die Grenze zwischen Fotografie und generativer KI in der Praxis-Software aufgehoben wird.
Historische Bedeutung & Auswirkungen
Photoshop veränderte die Medienproduktion fundamental: Druckkosten sanken durch digitale Retusche, Bildmanipulation wurde allgegenwärtig und bis zu einem gewissen Grad demokratisiert. Das Vertrauen in Fotografien als "Wirklichkeitsabbild" wurde erschüttert – "photoshoppt" steht im Volksmund für jede Art von Bildmanipulation. Gleichzeitig entstanden völlig neue Berufsfelder: digitale Bildbearbeiter, Compositing-Artists, VFX-Künstler. Heute ist Photoshop integraler Bestandteil der Ausbildung in Grafik, Fotografie, Mediendesign und Werbung weltweit.
Wichtige Personen & Werke
- Thomas Knoll (geb. 1960): Entwickelte die technische Grundlage; arbeitet noch heute als Photoshop-Ingenieur bei Adobe
- John Knoll (geb. 1962): Ko-Entwickler; Special-Effects-Supervisor (ILM); maßgeblich an der Star Wars-Prequel-Trilogie beteiligt
- John Warnock (1940–2023): Adobe-Mitgründer; erkannte das Potenzial und kaufte die Lizenz
- Russell Preston Brown: Adobe-Evangelist; vermittelte Photoshop der Kreativindustrie in frühen Jahren
Vergleich & Abgrenzung
Adobe Lightroom (2007) ist spezialisiert auf Fotoworkflow und RAW-Entwicklung; Photoshop ist universeller. GIMP (GNU Image Manipulation Program, 1995) ist die kostenlose Open-Source-Alternative mit ähnlichem Funktionsumfang, aber weniger komfortabler Bedienung. Affinity Photo (2015) ist eine günstige Einmalkauf-Alternative für professionelle Bearbeitung. Canva und ähnliche Cloud-Tools richten sich an Nicht-Profis mit vereinfachtem Interface.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist "photoshoppen" ethisch bedenklich? Die ethische Bewertung hängt vom Kontext ab: In der Werbung und Kunstfotografie ist Manipulation akzeptiert und erwartet. Im Fotojournalismus gelten strenge Regeln gegen inhaltliche Manipulation (World Press Photo schließt manipulierte Bilder aus). In der Porträtfotografie ist Retusche gesellschaftlich normalisiert, aber zunehmend als unrealistische Körperbilddarstellung kritisiert. Transparenz über den Bearbeitungsgrad ist die ethische Grundforderung.
Wann kam Photoshop für Windows? Adobe Photoshop erschien mit Version 2.5 im November 1992 erstmals für Windows – zweieinhalb Jahre nach der Mac-Version. Seitdem wird es parallel für beide Plattformen entwickelt.
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Weiterführend
- Schewe, Jeff: The Digital Negative: Raw Image Processing in Lightroom, Camera Raw, and Photoshop. 3. Aufl., Peachpit Press, San Francisco 2019
- Adobe Museum of Digital Media (online): www.adobemuseum.com
