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Autochrome Lumière ist das erste kommerziell erfolgreiche Farbfotografieverfahren, das 1907 von den französischen Brüdern Auguste und Louis Lumière auf den Markt gebracht wurde und auf der additiven Farbmischung durch gefärbte Kartoffelstärkekörner als Rasterfilter basierte.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte der Fotografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Autochrom, Autochromplatte, Autochrome (englisch)

Was ist/war das Autochrome Lumière?

Das Autochrome Lumière ist eine fotografische Glasplatte, die eine farbige Rasterstruktur aus mikroskopisch kleinen Kartoffelstärkekörnern trägt, welche in den Farben Rot-Orange, Grün und Blau-Violett eingefärbt sind. Diese Körner wirken als Farbfilter und ermöglichen die Aufzeichnung und Wiedergabe von Farben nach dem Prinzip der additiven Farbmischung. Es wurde am 10. Juni 1907 offiziell auf den Markt gebracht, nachdem die Brüder Lumière das Patent bereits 1904 angemeldet hatten.

Erklärung

Die technische Grundlage des Autochrome ist das Prinzip der Rasterfarbenwahrnehmung, das der schottische Physiker James Clerk Maxwell 1861 theoretisch formuliert hatte: Menschliche Farbwahrnehmung basiert auf drei Zapfentypen im Auge (rot, grün, blau), und jede Farbe kann durch Mischung dieser drei Grundfarben erzeugt werden. Die Lumières setzten dieses Prinzip physisch um: Millionen von Kartoffelstärkekörnern (etwa vier Millionen pro Quadratzentimeter) wurden in drei Grundfarben eingefärbt und zufällig auf eine Glasplatte aufgebracht. Die Zwischenräume wurden mit Kohlestaub aufgefüllt, um Lichtverlust zu minimieren.

Über dieser Farbrasterschicht liegt eine panchromatische (für alle Farben empfindliche) Silberhalogenid-Schwarzweißemulsion. Bei der Aufnahme filtert die Farbrasterschicht das einfallende Licht: Durch ein rotes Korn gelangt nur rotes Licht zur Emulsion, durch ein grünes nur grünes usw. Nach der Belichtung wird die Platte als Umkehrmaterial verarbeitet – also so entwickelt, dass ein Positiv entsteht statt eines Negativs. Betrachtet man das fertige Autochrome gegen das Licht (oder im Diaprojektor), so aktivieren die jeweiligen Farbkörner durch das durchscheinende Licht die additiven Grundfarben, und das Gehirn kombiniert sie zu einem farbigen Gesamtbild.

Das Ergebnis ist ein faszinierendes, leicht körniges Farbbild mit weichen Übergängen und einer charakteristischen Palette, die eher an impressionistische Malerei als an spätere Fotos erinnert. Die Körnung durch die Stärkekörner ist bei starker Vergrößerung sichtbar. Autochronme-Platten waren für das Auge empfindlicher als frühere Farbverfahren und erforderten dennoch längere Belichtungszeiten als Schwarzweißmaterial – typischerweise ein bis zwei Sekunden in gutem Tageslicht, was Bewegungsunschärfe bei Porträts begünstigte.

Die Lumière-Fabrik in Lyon produzierte Millionen von Autochromplatten und exportierte sie weltweit. Prominente Fotografen wie Edward Steichen, Alvin Langdon Coburn und Auguste und Louis Lumières eigener Schülerkreis nutzten das Verfahren künstlerisch. Der Fotograf und Pädagoge Alfred Stieglitz veröffentlichte 1907 die ersten Autochronme-Abbildungen in seiner Zeitschrift Camera Notes. Das National Geographic Magazine begann ab 1914 regelmäßig Autochrome-basierte Farbfotos zu publizieren und prägte damit das visuelle Bild einer Welt in Farbe für Millionen von Lesern.

Historische Bedeutung & Auswirkungen

Das Autochrome Lumière war das erste Farbfotografieverfahren, das für Berufsfotografen, Amateure und Pressephotografen gleichermaßen zugänglich war. Es ermöglichte erstmals die routinemäßige farbige Dokumentation von Personen, Landschaften und Ereignissen. Das Autochrome dominierte die kommerzielle Farbfotografie bis in die 1930er Jahre, als Kodachrome (1935) und Agfacolor (1936) es mit besserer Schärfe und Lichtempfindlichkeit verdrängten. Die umfangreichen Autochrome-Archive – darunter die Archives de la Planète von Albert Kahn (Paris) mit rund 72.000 Aufnahmen aus aller Welt von 1909 bis 1931 – sind heute unschätzbare historische Farbdokumente.

Wichtige Personen & Werke

  • Auguste Lumière (1862–1954) und Louis Lumière (1864–1948): Französische Erfinder, bekannt auch als Pioniere des Kinos (Cinématographe, 1895)
  • Albert Kahn (1860–1940): Französischer Bankier und Philanthrop; finanzierte die Archives de la Planète (1909–1931) – 72.000 Autochrome aus 50 Ländern
  • Edward Steichen (1879–1973): Amerikanisch-luxemburgischer Fotokünstler; berühmte frühe Autochrome-Porträts
  • National Geographic Magazine: Publizierte ab 1914 regelmäßig Autochrome-Farbfotos

Vergleich & Abgrenzung

Das Autochrome basiert auf additiver Farbmischung (Licht wird addiert), während spätere Verfahren wie Kodachrome (1935) und Agfacolor (1936) subtraktive Farbmischung (Farbstoffe absorbieren Licht) nutzen. Subtraktive Verfahren liefern sattere Farben und höhere Schärfe. Das Autochrome ist ein Direktpositivverfahren wie die Daguerreotypie – es gibt kein Negativ. Gegenüber dem Dreifarbdruck (Chromolithografie) war das Autochrome einfacher herzustellen, aber schwerer reproduzierbar.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie funktioniert die Farbwiedergabe beim Autochrome? Die gefärbten Stärkekörner wirken als individuelle Farbfilter. Beim Betrachten gegen Licht aktiviert jeder Korntyp seinen Farbanteil; das menschliche Gehirn kombiniert die winzigen farbigen Punkte durch optische Mischung zu einem Farbbild – dasselbe Prinzip, auf dem später der Vierfarbdruck und Bildschirmpixel basieren.

Wann wurde das Autochrome vom Markt verdrängt? In den 1930er Jahren verlor das Autochrome gegenüber moderneren Verfahren an Bedeutung. Kodachrome (1935) war empfindlicher, schärfer und im Kleinbildformat verwendbar. Die Produktion von Autochromplatten wurde von Lumière 1932 eingestellt; Nachfolgeprodukte (Lumicolor, Filmpack Autochrome) liefen bis 1955.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Lavedrine, Bertrand: Photographs of the Past: Process and Preservation. Getty Conservation Institute, Los Angeles 2009
  • Musée Albert-Kahn, Boulogne-Billancourt (Frankreich): www.albert-kahn.fr – Autochrome-Archiv online zugänglich
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