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Daguerreotypie ist das erste kommerziell genutzte fotografische Verfahren, das 1839 von Louis Jacques Mandé Daguerre in Frankreich öffentlich vorgestellt wurde und die Bildproduktion auf einer versilberten Kupferplatte ermöglichte – ein historischer Wendepunkt in der Medien- und Kulturgeschichte.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte der Fotografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Daguerreotyp, Lichtbild (historisch), Daguerreotype (englisch)

Was ist/war die Daguerreotypie?

Die Daguerreotypie ist ein fotografisches Direktpositivverfahren, das Bilder auf einer mit Silberjodid beschichteten, polierten Kupferplatte erzeugt. Es wurde am 7. Januar 1839 durch den französischen Physiker François Arago vor der Académie des Sciences in Paris vorgestellt. Die Erfindung geht auf den Maler und Diorama-Betreiber Louis Jacques Mandé Daguerre zurück, der auf den Vorarbeiten von Joseph Nicéphore Niépce aufbaute.

Erklärung

Das Verfahren der Daguerreotypie basiert auf einer physikalisch-chemischen Reaktion von Licht auf eine präparierte Metalloberfläche. Eine polierte Kupferplatte wird zunächst mit Silber beschichtet und anschließend Joddämpfen ausgesetzt, wodurch eine lichtempfindliche Schicht aus Silberjodid entsteht. Diese Platte wird in eine Kamera eingelegt und belichtet – je nach Lichtverhältnissen zwischen wenigen Sekunden und mehreren Minuten. Das latente Bild wird anschließend durch Quecksilberdämpfe sichtbar gemacht: Das Quecksilber verbindet sich mit dem belichteten Silber und erzeugt ein hell schimmerndes Amalgam auf den hellen Bildstellen. Abschließend wird die Platte in einer Natriumthiosulfatlösung (Fixiersalz) fixiert, um das Bild dauerhaft zu machen.

Das Ergebnis ist ein einzigartiges, seitenverkehrtes Direktpositivbild mit außerordentlicher Schärfe und Detailgenauigkeit – ein Duplikat ist nicht möglich, da kein Negativ entsteht. Jede Daguerreotypie ist ein Unikat. Die Bildqualität übertraf alle zeitgenössischen Druckverfahren bei weitem und faszinierte das Publikum des 19. Jahrhunderts. Typische Motive waren Porträts, Stadtansichten und wissenschaftliche Aufnahmen; bekannte frühe Aufnahmen zeigen etwa den Pariser Boulevard du Temple (1838/39), auf dem aufgrund der langen Belichtungszeit nur ein Schuhputzer und sein Kunde als stehende Personen erkennbar sind.

Die Belichtungszeiten lagen anfangs bei bis zu 30 Minuten, wurden aber durch Verbesserungen der Chemikalien und Optiken bis 1841 auf wenige Sekunden reduziert – was erst eine kommerzielle Porträtfotografie ermöglichte. Daguerreotypisten eröffneten in allen europäischen und amerikanischen Großstädten Ateliers. Allein in den USA entstanden in den 1850er Jahren Millionen von Daguerreotypien.

Historische Bedeutung & Auswirkungen

Die öffentliche Bekanntmachung der Daguerreotypie am 19. August 1839 – dem sogenannten „Geburtstag der Fotografie" – gilt als einer der bedeutendsten Medienereignisse des 19. Jahrhunderts. Die französische Regierung erwarb das Patent und stellte das Verfahren der Welt kostenlos zur Verfügung, was eine explosionsartige Verbreitung auslöste. Maler wie Paul Delaroche kommentierten: „Von diesem Tag an ist die Malerei tot." Obwohl dies eine Übertreibung war, veränderte die Daguerreotypie tatsächlich die Wahrnehmung von Porträt und Dokumentation grundlegend. Sie demokratisierte das Porträt: Was zuvor nur Wohlhabenden vorbehalten war, die sich Gemälde leisten konnten, wurde nun für den Mittelstand erschwinglich. Die Fotografie begann, Realität zu archivieren und zu verbreiten – ein Prinzip, das bis heute gilt.

Wichtige Personen & Werke

  • Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851): Maler, Diorama-Erfinder und Namensgeber des Verfahrens
  • Joseph Nicéphore Niépce (1765–1833): Daguerres Vorläufer und Partner; schuf 1826/27 die älteste erhaltene Fotografie (Blick aus dem Fenster in Le Gras)
  • François Arago (1786–1853): Französischer Physiker und Politiker, der das Verfahren öffentlich präsentierte
  • Daguerre, „Boulevard du Temple" (1838): Eines der ersten fotografischen Stadtbilder mit erkennbaren Personen

Vergleich & Abgrenzung

Im Gegensatz zur fast zeitgleich entwickelten Calotypie von William Henry Fox Talbot erzeugt die Daguerreotypie kein Negativ, sondern ein Direktpositiv. Sie liefert schärfere Bilder, ist aber nicht reproduzierbar. Die Calotypie erlaubt beliebig viele Abzüge vom gleichen Negativ und legte damit das Fundament für alle späteren fotografischen Verfahren. Gegenüber dem späteren Kollodium-Nassplatten-Verfahren (1851) ist die Daguerreotypie teurer und aufwendiger in der Handhabung, liefert aber oft feinere Tonwerte. Bis etwa 1860 wurde die Daguerreotypie in der Praxis weitgehend vom Kollodiumverfahren abgelöst.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann wurde die Daguerreotypie erfunden? Die Daguerreotypie wurde am 7. Januar 1839 vor der Académie des Sciences in Paris vorgestellt und am 19. August 1839 der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Als Erfinder gilt Louis Daguerre, der auf den Vorarbeiten von Nicéphore Niépce aufbaute.

Warum ist jede Daguerreotypie ein Unikat? Das Verfahren erzeugt kein Negativ, sondern direkt ein Positivbild auf einer Metallplatte. Es ist daher nicht möglich, mehrere Abzüge herzustellen – jede Daguerreotypie existiert nur einmal, was sie kunsthistorisch wertvoll, aber für die massenhafte Verbreitung ungeeignet macht.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Gernsheim, Helmut & Alison: Geschichte der Fotografie. Bertelsmann, 1983
  • Nationaal Museum van Wereldculturen (Leiden/NL): umfangreiche Daguerreotypie-Sammlung online unter www.wereldculturen.nl
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