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Die erste Kodak-Kamera mit flexiblem Rollfilm wurde 1888 von George Eastman auf den Markt gebracht und revolutionierte mit dem Slogan „You press the button, we do the rest" die Fotografie: Erstmals war das Fotografieren für jedermann ohne technisches Fachwissen möglich.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte der Fotografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Rollfilmfotografie, Knipskamera, Box Camera, Roll Film (englisch)

Was ist/war der Rollfilm?

Der Rollfilm ist ein flexibler, aufgerollter fotografischer Film, der die schweren und zerbrechlichen Glasplatten als Aufnahmematerial ersetzte. George Eastman, ein amerikanischer Bankbuchhalter und Hobbyfotograf aus Rochester, New York, entwickelte den Rollfilm als System zusammen mit einer einfach bedienbaren Kamera. Am 4. September 1888 wurde die erste Kodak-Kamera zum Preis von 25 US-Dollar auf den Markt gebracht – ein Meilenstein der Mediengeschichte.

Erklärung

George Eastmans Innovation war nicht eine einzelne Erfindung, sondern ein durchdachtes System aus Kamera, Film und Entwicklungsservice. Die erste Kodak-Kamera war eine kleine, leichte Box-Kamera, vorgeladen mit einem Rollfilm für 100 Rundaufnahmen (Kreisformat, 57 mm Durchmesser). Nach der Aufnahme aller 100 Bilder schickte der Besitzer die gesamte Kamera an die Kodak-Fabrik in Rochester. Dort wurde der Film entwickelt, Abzüge wurden angefertigt, und die Kamera wurde – neu geladen – zusammen mit den Fotos zurückgeschickt. Der Gesamtpreis für diesen Service betrug 10 US-Dollar.

Eastmans Rollfilm-Material durchlief mehrere Entwicklungsstufen: Das erste Material (1884) war papierbasiert, hatte aber Qualitätsprobleme durch die Papierstruktur. 1888 verwendete er beschichtetes Papier, das nach der Entwicklung vom Trägerpapier abgelöst und auf Glas aufgezogen wurde. Den entscheidenden Durchbruch brachte 1889 die Einführung eines transparenten Zelluloidfilms, entwickelt von Eastman gemeinsam mit dem Chemiker Henry Reichenbach. Dieser Zelluloidfilm – klarer, gleichmäßiger, ohne Papierstruktur – wurde zum Standard für alle nachfolgenden Rollfilme.

Thomas Edison erkannte sofort das Potenzial des Zelluloidfilms für seine Filmkamera und bezog das Material von Eastman Kodak – ein Zufall, der das Kino als Massenmedium mit ermöglichte. Das 35-mm-Filmformat, das Edison für sein Kinetoskop wählte, wurde später von Oskar Barnack für die Leica-Kamera (1925) übernommen und zum Standard der Kleinbildfotografie.

Die Kodak-Marke baute Eastman systematisch auf. Spätere Kameramodelle wie die Kodak Brownie (1900, 1 US-Dollar) machten Fotografie auch für Kinder erschwinglich. Bis 1900 hatte Eastman Kodak einen Weltmarktanteil von über 90 % bei Fotofilmen. Der Name „Kodak" war bewusst ohne sprachliche Bedeutung gewählt – lautmalerisch einprägsam und in allen Sprachen aussprech- und schreibbar, ein früher Geniestreich des globalen Markendesigns.

Historische Bedeutung & Auswirkungen

Die Kodak-Revolution demokratisierte die Fotografie vollständig. Fotografie war nicht mehr die Domäne ausgebildeter Berufsfotografen oder wohlhabender Amateure mit Laborausrüstung, sondern wurde zum Alltagsmedium der Mittelklasse und schließlich aller Bevölkerungsschichten. Die Familienalbumskultur, die Touristenfotografie und die persönliche Bildarchivierung entstanden in dieser Ära. Bildgedächtnis als private Praxis begann mit Kodak. Gleichzeitig etablierte Eastman das Prinzip des „Verbrauchsmaterials" in der Konsumtechnologie: Die Kamera war günstig, Geld verdiente man am wiederkehrenden Filmverkauf – ein Geschäftsmodell, das später von Druckerherstellern (Patronen), Spielzeugherstellern (Batterien) und Technologieunternehmen (Abonnements) imitiert wurde.

Wichtige Personen & Werke

  • George Eastman (1854–1932): Gründer von Eastman Kodak; Philanthrop; stiftete später 100 Millionen Dollar für Bildung und Musikinstitutionen
  • Henry Reichenbach (1857–1891): Kodak-Chemiker, der den transparenten Zelluloidfilm entwickelte
  • Kodak Brownie (1900): Erste Kamera für 1 US-Dollar; machte Amateurfotografie zur Massenerscheinung
  • Thomas Edison: Nutzte Eastmans Zelluloidfilm als Basis für seinen Kinofilm und das Kinetoskop (1891)

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Glasplatten-Verfahren sind Rollfilme leichter, bruchsicher und ermöglichen viele Aufnahmen hintereinander ohne Kassettenwechsel. Die Leica (1925) nutzte denselben 35-mm-Film in Kleinbildkassetten für eine Präzisions-Profikamera. Im Vergleich zur Digitalfotografie (ab den 1990ern) erfordert Rollfilm chemische Entwicklung, liefert aber charakteristische, von Fotografen geschätzte Tonwerte. Analoge Rollfilme erleben seit den 2010er Jahren ein globales Revival.

Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutete der Slogan „You press the button, we do the rest"? Der Slogan beschrieb treffend das Kodak-Systemkonzept: Der Fotograf brauchte nur auf den Auslöser zu drücken, alles Weitere – Entwicklung, Abzüge, Neuladen der Kamera – übernahm Kodak als Dienstleister. Dieser Ansatz trennte erstmals die Aufnahmefunktion von der chemischen Dunkelkammerarbeit und machte Fotografie für technische Laien zugänglich.

Welche Filmformate hat Kodak eingeführt? Eastman Kodak prägte zahlreiche Filmstandards: den 70-mm-Rollfilm (1888), den 35-mm-Kinofilm (1889, lizenziert an Edison), das 120-Format (1901, für die Brownie, heute noch für Mittelformatkameras im Einsatz), das 135-Format (1934, für 35-mm-Kleinbildkassetten) und viele andere. Fast alle diese Formate sind heute noch erhältlich.

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Weiterführend

  • Collins, Douglas: The Story of Kodak. Harry N. Abrams, New York 1990
  • George Eastman Museum, Rochester (NY): www.eastman.org
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